APA/AFP/Damien MEYER

Spanien und England größte Titelanwärter bei Frauen-EM

29. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Das niederländische Fußball-Nationalteam tritt bei der EM in England zwar als Titelverteidiger an, in der Favoritenrolle sind aber andere. Spanien mit gleich neun Akteurinnen von Champions-League-Finalist FC Barcelona gilt als großer Gejagter. Ganz hoch wird auch Österreichs Auftaktgegner England eingeschätzt, der auf den Heimvorteil bauen kann.

Genauso peilt auch Frankreich den Premierentriumph an. Ein Erfolg von Rekordchampion Deutschland wäre eine Überraschung. Die DFB-Auswahl hat acht von zwölf EM-Auflagen für sich entschieden, 2017 ging eine Serie von sechs Titeln in Folge zu Ende. Die "Oranje Leeuwinnen", die 2019 auch im WM-Finale standen, sorgten dafür und sicherten sich den ersten EM-Erfolg durch einen 4:2-Finalsieg gegen Dänemark. Das gelang vor eigenem Publikum. Die Engländerinnen haben eine realistische Chance, diesen Trend fortzusetzen.

In der Gruppe A wartet neben der ÖFB-Auswahl am 6. Juli im Old Trafford Stadium mit Norwegen auch der Europameister der Jahre 1987 und 1993, zudem der große Underdog und einzige EM-Debütant Nordirland. England will endlich die nächste Stufe erreichen, nachdem 2017 wie auch bei den jüngsten beiden WM-Auflagen im Halbfinale Endstation war. Im Halbfinale war auch die ÖFB-Auswahl bei der EM-Premiere in den Niederlanden. Als großer Underdog tritt die Truppe von Teamchefin Irene Fuhrmann daher diesmal nicht mehr an.

Schnaderbeck: "Ziel ist das Viertelfinale"

"Sicher ist die Erwartungshaltung von außen eine andere, aber wir können es sehr realistisch einschätzen. Es war 2017 auch keine leichte Gruppe mit Schweiz, Island und Frankreich, die jetzt ist aber deutlich schwieriger", sagte Fuhrmann. Nach Nordirland (11. Juli) geht es zum Abschluss der Gruppe A gegen Norwegen (15. Juli). "Hoffentlich sind wir im letzten Gruppenspiel so weit, dass wir um den Einzug ins Viertelfinale spielen. Das ist das Ziel", gab ÖFB-Kapitänin Viktoria Schnaderbeck die Marschroute vor.

Die von der Papierform interessanteste Gruppe (B) ist jene mit Spanien mit Topstar Alexia Putellas, Deutschland, Dänemark und Finnland. In Pool C trifft der Europameister auf Schweden, die Schweiz und die für Russland nachgerückten Portugiesinnen. In der Gruppe D sind Frankreich mit fünf Champions-League-Siegerinnen von Olympique Lyon, Italien, Belgien und Island vertreten. Fuhrmann erwartet ein enges Rennen um die Krone. "Ich habe es gefühlt noch nie so vielen Teams zugetraut, dass sie den Titel holen, wie bei dieser EURO. Es wird insgesamt alles offener sein."

Das vermutete auch Dänemarks Teamchef Lars Söndergaard, der früher lange im österreichischen Männerfußball gearbeitet hatte: "Spanien, Frankreich und England sind sehr stark einzuschätzen. Es ist nicht so leicht einen Topfavoriten zu nennen. Ich rechne mit einer engen EM."

Geheimtipp Schweden

Laut Fuhrmann sei England nicht nur wegen der Gastgeberrolle zu den Titelfavoriten zu zählen. "Spanien ist viel effektiver geworden. Deutschland ist zwar im Umbruch, hat aber extrem viel Potenzial. Und wenn es Frankreich einmal schafft die individuelle Qualität als Kollektiv auf den Platz zu bringen, dann ist mit ihnen zu rechnen", meinte die 41-jährige Wienerin. Während sie den Titelverteidiger nicht so am Radar hat, nannte sie Schweden als "Geheimtipp".

Der WM-Dritte von 2019 und Olympia-Silber-Medaillengewinner 2021 ist eine von vier Nationen, die bisher einen EM-Titel erringen konnten - bei der ersten Auflage 1984. Seitdem hat sich der Frauenfußball stark entwickelt, vor allem in den letzten Jahren. Das Turnier 2022 wird alleine durch das ausverkaufte Eröffnungsspiel sowie das Finale im Wembley Stadium eine ganz andere Dimension haben als noch die Endrunde in den Niederlanden. "Die EURO hat nichts mehr mit dem zu tun, was wir zuvor getan haben. Die UEFA investiert fünfmal mehr als noch 2017", betonte auch Nadine Kessler, Leiterin der Abteilung Frauenfußball bei der UEFA.

Neuer Zuschauerrekord

Die positive Entwicklung sieht man an den Zuschauerzahlen. Der EM-Rekord liegt seit dem Finale 2013 in Solna zwischen Deutschland und Norwegen bei 41.301 Fans. Dieser wird schon im Auftaktspiel sowie dann im Finale in London deutlich überboten und damit einhergehend auch der bisherige Gesamt-Zuschauerrekord von 274.041 (2017).

Quelle: Agenturen / mpa