APA - Austria Presse Agentur

Schumachers mächtiger Schatten liegt bald hinter Hamilton

17. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

In der Heimat von Ferrari kann Lewis Hamilton den Siegrekord von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher einstellen. Mercedes gelingt, was die Scuderia nicht schafft: Aus Fehlern schnellstmöglich zu lernen. Und Hamilton macht manches fast ein bisschen sprachlos. "Ich weiß nicht wirklich, was ich zu diesen Dingen sagen soll", bekundete Hamilton nach seinem 88. Grand-Prix-Sieg am Sonntag.

In der Heimat von Ferrari kann Lewis Hamilton den Siegrekord von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher einstellen. Mercedes gelingt, was die Scuderia nicht schafft: Aus Fehlern schnellstmöglich zu lernen. Und Hamilton macht manches fast ein bisschen sprachlos. "Ich weiß nicht wirklich, was ich zu diesen Dingen sagen soll", bekundete Hamilton nach seinem 88. Grand-Prix-Sieg am Sonntag.

Die Formel 1 twitterte umgehend ein Video mit Michael Schumacher. "Er ist ein sehr talentierter Fahrer", sagte der Deutsche in dem Interview eines britischen Senders vor der Saison 2007. Schumacher war damals zum ersten Mal in PS-Pension. Über wen er sprach? Lewis Hamilton. Der Brite startete seinerzeit seine Karriere in der "Königsklasse" des Motorsports. Am Ende dieses Jahres wird dieser Hamilton aller Voraussicht nach Schumacher als erfolgreichsten Piloten in der Geschichte der Formel 1 abgelöst haben.

Nach seinem souveränen Sieg am Sonntag in Katalonien fehlen Hamilton aktuell nur noch drei Siege zu den 91 Grand-Prix-Erfolgen Schumachers. "Wir, die ganzen Fahrer, sind damit aufgewachsen, Michael fahren zu sehen" erzählte Hamilton. "Was jetzt passiert, ist weit von dem entfernt, was ich mir als Kind erträumt habe." Im besten Fall wird Hamilton in vier Wochen in Mugello die Schumacher-Marke erreichen.

Und Titel Nummer sieben am Ende dieser Saison scheint ohnehin nicht mehr wirklich fraglich, nachdem Hamilton und Mercedes die Probleme mit den Reifen trotz des Drei-Wochen-Stresstests binnen kürzester Zeit gelöst haben und Teamrivale Valtteri Bottas durch mehrere Missgeschicke schon zu viel Terrain auf den Briten verloren hat. Mit sieben Formel-1-Kronen hätte Hamilton auch diesen Rekord von Schumacher egalisiert.

Mercedes macht richtig, was Ferrari falsch macht. Die Scuderia erlebte ein weiteres Reinfall-Wochenende, selbst wenn Sebastian Vettel Platz sieben rettete und der Wagen zumindest etwas verbessert mit dem neuen Chassis schien. Das Aus von Charles Leclerc wegen eines Defekts war aber ein harter Treffer. Dazu kam der Funk-Disput über die passende Reifenstrategie, den die Beteiligten in mittlerweile auch gewohnter Manier nach dem Rennen herunterspielten.

Nur fährt Ferrari in diesem Jahr halt gar nicht um die WM mit. Das macht eigentlich nur einer. Vier Hamilton-Siege in sechs Saisonrennen, 37 Punkte Vorsprung auf Max Verstappen, der sich im Red Bull mit der Rolle als Mercedes-Spalter abfinden muss. Bottas, Hamiltons Teamkollege, wurde in Spanien Dritter hinter Verstappen. "Gerade möchte ich einfach woanders sein als hier", reagierte der Finne gefrustet. Bei einem WM-Rückstand von satten 43 Punkten nachvollziehbar.

Hamilton indes genoss den Moment, schwärmte von einem der besten Rennen seiner Karriere. 24 Sekunden Vorsprung auf Verstappen, 44 auf Bottas, der Rest war überrundet. "Ich war in der perfekten Zone, von der ich immer träume", schwärmte Hamilton. In fast 14 Jahren Formel 1 ist Hamilton zum kompletten Piloten gereift. "Lewis ist heute in einer eigenen Liga gefahren. Er hat das Rennen kontrolliert und hat eine fantastische Leistung abgeliefert", lobte Teamchef Toto Wolff.

92 Pole Positions und damit 24 mehr als Schumacher holte er bisher. Mit seinem Spanien-Sieg überholte er Schumacher auch bei der Gesamtzahl der Podestplätze (156:155). Die Rekordmarke an Grand-Prix-Siegen kann er wie gesagt in drei Rennen einstellen - ausgerechnet beim Grand Prix in Mugello, bei dem Schumachers einstiges Team Ferrari seine 1.000. Grand-Prix-Teilnahme zelebrieren will.

"Wer soll diesen Mann nur stoppen?", fragte die Schweizer Boulevardzeitung "Blick". Ob Schumacher, der seit seinem schweren Ski-Unfall Ende 2013 nicht mehr in der Öffentlichkeit und dessen Nachfolger Hamilton bei den "Silberpfeilen" ist, das damals schon geahnt hat, darf bezweifelt werden.

Quelle: Agenturen