APA - Austria Presse Agentur

Schubert froh, dass die Besten um Medaillen klettern

04. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

Es ist nicht auszuschließen, dass das Kletterfinale am Donnerstag bei den Olympischen Spielen in Tokio (10.30 Uhr MESZ) eine ähnliche Hängepartie für die Nerven wird wie die Qualifikation. Denn finalisiert wird die Kombination nach Speed und Bouldern mit dem Lead. Und das ist die Paradedisziplin von Jakob Schubert, wie er in der Ausscheidung um die Top acht bravourös bewies. Letztlich stieg er als Gesamtvierter klar auf, der Modus vermittelt da einen etwas falschen Eindruck.

Würde die Kombination mit dem Lead (Vorstieg) beginnen, hätte Schubert also einen Multiplikationsfaktor von 1 mitgenommen. Im schlechtesten Fall hätte also der Lead-Sieg mit bei 20 Teilnehmern gleich zwei 20. Rängen hochgerechnet werden können, was 400 Zähler ergeben würde. Schubert wäre damit aber aufgestiegen. Denn der achtplatzierte und somit letzte Finalist, der US-Amerikaner Nathaniel Coleman, hatte am Dienstag mit 550 angeschrieben. Nach Speed (12.), Bouldern (7.) und Lead (1.) waren es bei Schubert gerade einmal 84 Zähler.

Freilich war es rückblickend trotzdem eine Nervensache für Schubert, musste er doch im Lead abliefern. Denn nach dem starken Auftritt im Speed mit persönlicher Bestzeit lief es in der "extrem unangenehmen" Boulderrunde überhaupt nicht. "Nichts, wo man mal ein paar Züge machen konnte, immer alles gleich bamm", ärgerte er sich.

Dadurch seien die Pausen extrem kurz gewesen, er habe sich immer nur versucht rasch abzukühlen. "Am zweiten Boulder hat man auf einem kleinen Tritt stehen müssen, der Fuß war schon so unglaublich heiß, dass man einen viel schlechteren Halt hatte. Da hatte ich zu kämpfen." Nach dem Top am letzten Boulder habe er etwas aufatmen können. Denn auf seine Lead-Leistung könne er sich normalerweise verlassen. Und dem war auch am späten Dienstagabend so. "Das war die Megaerleichterung. Es taugt mir, dass ich mit so einer guten Performance den Tag beenden konnte."

Bis zum Ende des Bewerbs habe er aber nicht gewusst, ob er die Zone am ersten Boulder gutgeschrieben bekam, was dann nachträglich nach Einspruch der Trainer passierte. "Ich bin zum letzten Boulder gegangen und habe gemeint, ich habe nur einen Bonus." Am Ende lautete das Resümee der Quali: "Speed und Lead waren super. Im Bouldern weiß ich, dass es von den Runden abhängt. Da ist es mir fast am liebsten, dass das die Runde ist, wo es nicht gelaufen ist."

Nun fange es wieder von null an. "Das ist speziell bei uns, denn das Finale ist komplett was anderes. Denn auf einmal kann ma nur noch schlechtestenfalls Achter werden in einer Disziplin. Und das Bouldern kann eine ganz andere Runde sein und mir viel mehr entgegenkommen." Wie beispielsweise Qualifikationssieger Mickael Mawem aus Frankreich, der mit dem Boulder-Erfolg überraschte. "Er gewinnt nicht jeden Tag die Boulderrunde, es ist ihm enorm gelaufen."

Mit Blick auf das Ergebnis stellte Schubert fest, dass es die "ganz großen Favoriten alle geschafft haben, auch wenn sich alle ein bisserl ein Hoppala geleistet haben". Zu den Goldanwärtern zählt er den Japaner Tomoa Narasaki und den Tschechen Adam Ondra. Dass er diese im Vorstieg hinter sich lassen habe können, gebe Auftrieb. Jetzt sei es enorm wichtig, sich von dem Tag zu erholen. "Er war mental extrem zäh und physisch natürlich auch. Vor allem wegen der Hitze."

Zudem habe man erst wenige solcher Kombibewerbe gehabt. "Es ist auch für uns ein neue Disziplin, ich habe gemerkt, wie zäh es ist, diese drei Runden zu klettern. Und bei Olympia ist es nochmals zäher, weil man mental die ganze Zeit so unter Anspannung ist. Ich war schon sehr nervös, wollte unbedingt die Quali überstehen und der Welt zeigen, dass ich ein guter Kletterer bin." Wahrscheinlich sei es der nervöseste Tag seiner Karriere gewesen.

Er freue sich auch, dass die "allerbesten Kletterer" im Finale mit dabei sind und die ersten olympischen Medaillen gewinnen. "Am liebsten wäre mir, wir würden alle eine kriegen." Für das Finale wünscht er sich längere Boulder, wo man ein paar Zügen machen könne und ins Klettern komme. "Solche Elemente gehören auch zum Bouldern. Das hat man heute nicht wirklich gesehen. Anscheinend wollten sie, dass unser Sport so präsentiert wird. Funky stuff. Das passt, aber ein bissl was Simples wäre auch lässig."

Quelle: Agenturen