Schiedsrichterinnen: Immer noch die Ausnahme im Fußball

30. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Erstmals pfeifen drei Frauen bei einer Fußballweltmeisterschaft. ÖFB-Schiedsrichterin Barbara Poxhofer sagt im PULS 24 Interview, das sei ein Grund zur Freude. Im Gespräch mit Anchorwoman Bianca Ambros erklärt sie, warum weibliche Schiris trotzdem ein seltenes Bild sind.

Männer sind im Fußball noch immer das dominierende Geschlecht, auch im Schiedsrichter-Beruf. Bei der WM in Katar sind zum ersten Mal Frauen als Schiedsrichterinnen dabei. Salima Mukansanga aus Ruanda, die Japanerin Yoshimi Yamashita und Stéphanie Frappart aus Frankreich schreiben mit ihrer Teilnahme WM-Geschichte. Warum erst jetzt Frauen eingesetzt werden liege laut ÖFB-Schiedsrichterin Barbara Paxhofer allerdings nicht an der Qualität oder gar an der Bereitschaft der FIFA. Viel mehr sei beim Fitness-Levels "die Luft da oben einfach ziemlich dünn", sagt Paxhofer. Da Frauen physiologisch anders ausgestattet sind als Männer, müssen diese "viel mehr trainieren", um auf das Fitness-Level von Männern zu kommen.

Beide Geschlechter müssen allerdings die gleichen Voraussetzungen erfüllen: "Das ist natürlich auch okay. Sie pfeifen auch dieselben Spiele". Frauen müssen auch den gleichen Aufnahmetest wie Männer machen. Je höher man ligatechnisch gehen will, desto schwieriger werden die Levels. "Will man international bei den Männern pfeifen, ist der Fitnesstest dementsprechend auch schon schwierig. Das schafft nicht jede Frau. Das schafft auch nicht jeder Mann, aber für eine Frau ist noch schwieriger", so Poxhofer.

Erhöhte Fehler-Aufmerksamkeit bei Frauen

In der dritten Runde der Fußballweltmeistershaft in Katar wird die Französin Stéphanie Frappart das Spiel zwischen Deutschland und Costa Rica leiten. Neuza Back aus Brasilien und Karen Díaz Medina aus Mexiko kommen als Assistentinnen zum Einsatz. Die ÖFB-Schiedsrichterin meint, dass Frappart "sicher ein schwieriges Spiel" haben wird. Die Französin werde auch mehr beobachtet werden und ein Fehler "wird bei ihr vielleicht dann groß in den Medien stehen". 

Vorurteile weiterhin vorhanden

Das hat sie in ihrer eigenen Karriere auch schon zu spüren bekommen: "In manchen Spielen sind Leute nach dem Spiel hergekommen und meinten: 'Super, gepfiffen. So einen guten Schiedsrichter haben wir schon lange nicht mehr gehabt.' Und dann kam der Nachsatz 'für eine Frau gar nicht schlecht'. Das hat das wieder abgewertet".

Poxhofer meint, man gehe einfach nicht davon aus, dass eine Frau in einem Männerspiel dieselbe Leistung erbringen könne wie ein Mann - "das ist natürlich schade". In den Köpfen den Menschen ist das Bild des Mannes in dieser Rolle noch sehr präsent und als Frau steche man da heraus.

Weibliche Referees erhalten zwar viel Akzeptanz, aber die ablehnende Haltung falle einfach mehr auf. Dies werde auch verbal kommuniziert.

Kritik an Schiedsrichterinnen

Der ehemalige Schweizer Schiedsrichter Urs Meier sagte in seinem Podcast, dass die drei WM-Schiedsrichterinnen zu schwach für den Job seien. Für ihn spiele auch die Qualität der Schiedsrichterinnen eine Rolle. Poxhofer widerspricht Meiers Ansicht und meint, es gebe keinen rationalen Grund, warum die drei Frauen "das Spiel nicht genauso gut pfeifen sollten". Immerhin haben sie denselben Fitnesstest wie ihre männlichen Kollegen bestanden. Hinsichtlich der fehlenden Qualität meint die Schiedsrichterin, dass es weniger Auswahl gebe und es Frauen weniger "nach oben schaffen".

Poxhofer glaubt auch, dass eine weibliche Spielleiterin bei Mannschaften, wo noch patriarchale Ansichten im Land herrschen, "ganz sicher funktionieren würde". Die FIFA würde es dazu allerdings gar nicht erst kommen lassen, sagt Poxhofer.

Was macht eine gute Schiedsrichterin aus?

Gute Schiedsrichter:innen müssen ein "Gesamtpaket erfüllen". Man brauche Persönlichkeit, man müsse auf dem Platz "seine Frau/seinen Mann stehen". Zudem müsse man viel einstecken können und die Fitness müsse stimmen. Gute Schiedsrichter seien "Persönlichkeiten oder sind sehr selbstsicher oder können zumindest Selbstbewusstsein ausstrahlen".

Ständige Beobachtung

Beobachter würden in jedem Spiel - bereits in der untersten Klasse - die Entscheidung von Schiedsrichter:innen inspizieren. Dabei werde bewertet, ob die Karten, Foulpfiffe, Einwürfe oder 11-Meter richtig seien. Auch das Auftreten der Referees wird dabei miteinbezogen: "Wie tritt er auf?", "Wie verkauft er sich?" oder "Wie redet er mit den Spielern?", so Poxhofer.

Trotzdem sieht die Schiedsrichterin eine Entwicklung auf internationaler Ebene. Sie glaubt, dass es in manchen Klassen und Ligen schon ganz normal sei, dass Frauen ein Spiel pfeifen. Trotzdem komme es jedoch darauf an, um welches Land und welche Region es sich handelt.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz