Riesentorlauf-Gold für Brignone - Scheib Fünfte
Scheib entschuldigte sich, dass sie den Zielraum nach ihrem zweiten Durchgang gleich nach dem Abschwingen ohne Gruß verlassen hatte. "Tut mir leid für die Leute, das gehört sich nicht. Das war für mich so eine Enttäuschung in dem Moment. Bitte Rücksicht nehmen. Ich habe alles gegeben und mich supergut gefühlt", sagte die Steirerin, die in mentaler und körperlicher Bestform am Start gestanden war. Liegen gelassen habe sie es im ersten Durchgang.
Die Chance auf ihre erste Medaille und vielleicht sogar den ersten Olympiasieg für Österreich in dieser Disziplin bei den Frauen vergab Scheib nach nicht ganz optimaler Fahrt in dem wenig drehenden Kurs letztlich bei der letzten Welle. Sie hatte eine Linie im Kopf, diese nach einem Funkspruch der Trainer aber adaptiert und zu viel Richtung gemacht. Man sei zu konservativ unterwegs gewesen, bestätigte auch Frauen-Cheftrainer Roland Assinger.
Der Funkspruch sei nicht optimal gewesen, aber "heuer ist sehr viel supergut gelaufen, ich will nichts auf andere schieben. Jeder gibt sein Allerbestes. Wir gewinnen zusammen als Team und wir verlieren zusammen als Team." Sieben Zehntel seien es gewesen, sagte Scheib auf Nachfrage im ORF-TV, wie viel es gekostet habe. Als großes Saisonziel gab sie nun die Riesentorlaufkugel aus.
Nina Astner kam auf Platz 18 (+1,58) und sprach von großer Nervosität. "Ich habe mir im zweiten mehr vorgenommen und ein paar Fehler zu viel gemacht", meinte sie. Für Stephanie Brunner endete auch ihr seit 2018 insgesamt vierter Einzelauftritt bei Olympia mit einem Ausfall. "Eine sehr schlechte Bilanz", sagte die Tirolerin. Auch Lisa Hörhager sah das Ziel nicht.
Nächster unglaublicher Tag für Brignone
Brignone gewann 2024/25 den alpinen Ski-Gesamtweltcup und zog sich nur ein paar Wochen später im April einen komplizierten Unterschenkelbruch zu. Diesen Jänner gab sie ihr Comeback als Sechste des Kronplatz-Riesentorlaufs, in Crans-Montana wurde sie im Super-G 18. Mehr Rennen zur Vorbereitung hatte sie nicht. Nach dem Super-G-Triumph sprach sie von einem "unglaublichen Tag", dem nun ein weiterer dieser Kategorie folgte.
"Als ich die Ziellinie überquert hatte, wusste ich nicht, ob es gereicht hat. Dann habe ich die Menge gehört und mir gedacht, vielleicht ja", erzählte Brignone, für die es die fünfte Olympiamedaille insgesamt war. "Ich habe so viele Gefühle, ich kann es schon wieder nicht glauben. Das ist einfach nur verrückt. Ich wollte hier einfach nur Spaß haben. Ich habe schon viel erreicht, indem ich es überhaupt als Athletin hierhergeschafft habe." Nach dem Super-G habe sie etwas Druck verspürt, sie habe sich aber aufs Skifahren konzentrieren können.
Ein Kuriosum lieferten Hector und Stjernesund ab, die im ersten Durchgang ex aequo Vierte waren und im zweiten erneut die gleiche Zeit fuhren. Die beiden sind gut miteinander befreundet. "In meinen Augen ist das ein wunderschönes Podium, ich bin dankbar, es mit ihnen zu teilen", meinte Stjernesund. Hector, in Peking Riesentorlauf-Olympiasiegerin, sprach von einem wunderschönen Tag. "Es ist so ein cooler Tag", meinte die 33-Jährige.
Zusammenfassung
- Federica Brignone gewinnt nach ihrem Super-G-Erfolg auch Gold im Riesentorlauf bei den Olympischen Spielen in Cortina mit 0,62 Sekunden Vorsprung auf Sara Hector und Thea Louise Stjernesund, die zeitgleich Silber holen.
- Julia Scheib landet nach Platz 11 zur Halbzeit und einer Linienanpassung nach Funkspruch der Trainer auf Rang fünf und verpasst Bronze um nur 0,07 Sekunden.
- Brignone feiert nach schwerem Unterschenkelbruch und kurzem Comeback ihre insgesamt fünfte Olympiamedaille, während Nina Astner auf Platz 18 landet und Stephanie Brunner sowie Lisa Hörhager ausscheiden.
