APA - Austria Presse Agentur

Salzburg zum Auftakt zu Gast im Grazer Tollhaus

22. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Mit dem Spitzenspiel zwischen Sturm Graz und Red Bull Salzburg eröffnet die Fußball-Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr/frei empfangbar Sky) die neue Saison. Die Ausgangslage vor der ersten Standortbestimmung ist gleich pikant: Der Außenseiter aus Graz baut auf ein eingespieltes Kollektiv und hofft zuhause auf ein "Tollhaus". Der Favorit aus Salzburg reist unter neuem Trainer mit veränderter Mannschaft und Fragezeichen hinter den Automatismen an.

"Das Spiel gegen Sturm ist ein guter Auftakt, der uns zeigt, wo wir stehen", sagte Matthias Jaissle vor seinem Bundesliga-Debüt als Salzburg-Trainer. Prominente Abgänge wie jene von Goalie Stankovic, Ramalho, Mwepu und Daka veranlassen den Nachfolger von Jesse Marsch von einem "recht großen Umbruch" zu sprechen: "Dementsprechend befindet sich die Entwicklung der Mannschaft mitten in einem Prozess, der aber noch lange nicht abgeschlossen ist. Das braucht seine Zeit."

Christian Ilzer sieht das anders. Der Sturm-Trainer hat vor dem Duell mit einer "extrem talentierten Mannschaft mit einem sehr, sehr talentierten jungen Trainer" recherchiert. Und sagt über den 33-jährigen Herrn Jaissle: "Die Red-Bull-Genetik, dieser Spielstil, ist vollkommen in ihm verankert. Da wird es keine Abstimmungsprobleme geben. Es wird dieselbe Salzburg-Mannschaft sein, die auch die letzten Jahre auf uns zugekommen ist."

Allerdings in veränderter Besetzung. Im Tor wird der 21-jährige Deutsche Nico Mantl stehen, die Abwehr wohl Maximilian Wöber neben Oumar Solet dirigieren. Dem argentinischen Mittelfeld-Mann Nicolas Capaldo (22) wird kein Eingewöhnungsbedarf nachgesagt, er könnte in der Raute rechts und damit leicht offensiver als Zlatko Junuzovic auflaufen. Im Sturm werken nach dem Daka-Abgang und Verletzungen von Sekou Koita und Noah Okafor bestimmt zwei junge Kräfte, wahrscheinlich das Duo Karim Adeyemi (19)/Benjamin Sesko (18).

Auch Ilzer setzt beim Vorsaison-Dritten auf eine Mittelfeld-Raute, der Spielmacher Otar Kiteishvili als "Zehner" angehören könnte. Der Georgier war nach dem klaren 9:0 im Cup gegen Stadl-Paura angeschlagen, dürfte aber wie Innenverteidiger Gregory Wüthrich fit werden. Auch Salzburg buchte sicher die zweite Cup-Runde, schaffte dies mit einem 4:1 bei Hertha Wels (ebenfalls Regionalliga Mitte) weniger glamourös als Sturm. Die beiden Pflichtspiele haben laut Ilzer aber null Aussagekraft für Freitag. "Salzburg hatte den klar besseren Gegner im Cup."

Sturm hat Salzburg im Vorjahr als einziges Bundesliga-Team gleich zweimal geschlagen (3:1 in Salzburg und 2:1 in Klagenfurt/das Spielfeld in Graz war nicht benützbar). Danach war aber Schluss mit lustig. Die folgenden drei Partien gingen klar an den Serien-Meister, in der Liga jeweils 3:1 (auswärts und in Graz) und im Cup-Semifinale in Klagenfurt mit 4:0.

Die Fans waren coronabedingt absent. Aufgrund gültiger Rechtslage ist nun ein volles Haus in Graz-Liebenau erlaubt. "Wir warten alle schon sehr, sehr lange auf ein volles Haus, auf Stimmung, auf richtige Fußballatmosphäre. Es kann für uns alle ein besonderer Abend werden", sagte Ilzer, der ein "Fußballfest" ins Auge fasst. Zum Bersten gefüllt wird die Arena allerdings nicht sein, bis Donnerstagmittag waren rund 12.000 Karten abgesetzt.

Die Vorfreude auf den "Kracher zum Auftakt" (Jaissle) trübt das nicht. "Mit Fans und mit der Stimmung wird es sicherlich eine hitzige, zweikampfbetonte Partie", meinte Salzburg-Verteidiger Maximilian Wöber. "Da wird es wichtig sein, dass wir vor allem bei zweiten Bällen sehr giftig sind." Eines soll vermieden werden. "Wir wollen auf keinen Fall, dass uns Sturm wie letztes Jahr zweimal besiegt."

Für die Konkurrenz war es zuletzt meist kein Vergnügen, die Saison gegen den Serienmeister (achtmal in Folge) zu eröffnen. Der WAC (2020/1:3), Rapid (0:2), LASK (1:3) und erneut der WAC (0:2) wurden jeweils gleich in Runde eins ihre weiße Weste los. Das letzte Team, das die Salzburger zum Auftakt erwischte, war ausgerechnet Sturm. 2016 gab es ein viel bejubeltes 3:1 zu Hause.

Nach einem ähnlichen "Tollhaus", wie er sagt, steht Ilzer - erstmals in seiner Karriere als Sturm-Trainer - nun der Sinn. Neben mentaler "innerer Balance" sei von seiner Mannschaft die notwendige Abstimmung zwischen Defensive und Offensive gefragt. "Dann können wir uns mit Erfolgsmomenten und dem Publikum vielleicht zu einem richtigen Flow-Abend aufschaukeln." Die jüngste Statistik ist aus Sturm-Sicht jedenfalls erbaulich, blieben die Grazer in den vergangenen sechs Auftaktspielen doch jeweils unbesiegt (4 Siege, 2 Remis).

Quelle: Agenturen