APA - Austria Presse Agentur

Saisonende erst im August? FIFA will Vertragsfrage klären

27. März 2020 · Lesedauer 3 min

Die Fußball-Ligen befinden sich aufgrund der Corona-Krise rund um den Globus im Standby-Modus. Dass das Kunstleder notfalls ohne Zuschauer wieder laufen soll, ist angesichts von milliardenschweren TV-Geldern so gut wie sicher. Die Saisonen werden aber in den Juni und wohl auch den Juli oder sogar August hinein laufen. Dies wirft vertragsrechtliche Fragen auf. Der Weltverband ringt um Lösungen.

International ist es Usus, dass Spielerverträge mit 30. Juni auslaufen. Wie Medien am Donnerstag aus einem internen Arbeitspapier der FIFA zitierten, wird danach gestrebt, "dass das Auslaufen von Verträgen bis zum neuen Enddatum der Saison verlängert wird". In Österreich wird eine solche Handhabung bereits praktiziert, wie es vonseiten der Beteiligten heißt.

So beinhalten die in der Bundesliga aufgesetzten Verträge - die aktuell mit 31. Mai oder 30. Juni 2020 enden - den Passus, dass diese bis zum letzten Pflichtspiel der Saison Gültigkeit haben. "Bei solchen Verträgen gibt es keine Rechtsunsicherheit", merkte der auf Sport- und Arbeitsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig im Gespräch mit der APA an. Als "größtes Problem" machte der Jurist aus Wien Leihverträge aus.

"Selbst wenn sich die drei Parteien - der Spieler und die beiden Clubs - einigen, gibt es verbandsrechtliche Regeln, die sich nicht so leicht aushebeln lassen", betonte Rebernig. Treffen könnte dies bis auf Salzburg und Rapid alle Bundesligisten. Der WAC hat gar fünf Leihspieler unter Vertrag. Abhilfe könnte die FIFA schaffen, sollte diese eine Ausnahmeregelung für den durch das Coronavirus bedingten Ausnahmezustand finden. "Wenn es diesen Beschluss gibt, könnte das Eins-zu-eins eine Entspannung bringen", so Rebernig.

Im vorliegenden Dokument der FIFA-Arbeitsgruppe wird neben dem flexiblen Vertragsende je nach Saisonschluss der jeweiligen nationalen Meisterschaft auch das Sommer-Transferfenster geprüft. Es besteht das Risiko, dass nationale Ligen unterschiedlich lange spielen bzw. wieder starten. Den Profis soll wie auch den Vereinen mehr Planungsspielraum gegeben werden - und Wettbewerbsverzerrung vermieden werden.

So zitierte Reuters aus dem Papier: "Im Fall von überschneidenden Saisonen und/oder Anmeldefristen, und sofern nicht alle Parteien etwas anderes vereinbaren, sollte dem ehemaligen Verein Vorrang eingeräumt werden, um seine Saison mit seinem ursprünglichen Kader zu beenden, um die Integrität einer nationalen Meisterschaft zu gewährleisten."

Diesbezüglich wirft sich auch die Frage auf, inwiefern im Sommer ablösefreie Spieler, die bereits für einen neuen Club unterschrieben haben, für ihren alten noch einlaufen dürfen. So besteht die Möglichkeit, dass ein Profi im Juli bereits bei seinem neuen Arbeitgeber weilen sollte. Spielerberater und Jurist Max Hagmayr führt jedoch an, dass in so einem Fall der aktuell bestehende Vertrag, wonach der betroffene Spieler bis Saisonende an seinen Verein gebunden ist, schlagend wird.

Anders verhält sich dies, sollte ein Spieler schon transferiert worden sein. In diesem Fall könnte der künftige Club laut aktuellem Stand darauf pochen, dass der Akteur noch vor Meisterschaftsende die Farben wechselt. In der laufenden Saison spielberechtigt wäre er dann aber nicht, betont Hagmayr. Geht es nach dem Ex-Profi, sollte es mit Blick auf die Solidarität unter den Vereinen aber gar nicht so weit kommen: "Ich gehe schon davon aus, dass man sich da einigen wird."

Quelle: Agenturen