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Ruud stellt Nadals makellose Paris-Finalbilanz auf die Probe

04. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Bisher 13 Einzel-Endspiele hat Rafael Nadal bei den Tennis-French-Open bestritten - er hat sie alle gewonnen. Am Sonntag (15.00 Uhr, live ServusTV, Eurosport) folgt die 14. Teilnahme des Sandplatz-Königs an einem Paris-Finale, schlechte Aussichten für seinen diesmaligen Herausforderer Casper Ruud. Der Norweger hat sich erstmals für eine Major-Entscheidung qualifiziert und muss gegen den Rekord-Grand-Slam-Sieger antreten. Erst zwei Spieler haben Nadal in Roland Garros besiegt.

Dem von Nadal diesmal im Viertelfinale entthronten Titelverteidiger Novak Djokovic gelang das zweimal. Der Serbe gewann den Klassiker im vorjährigen Halbfinale sowie im Viertelfinale 2015. Davor hatte Nadal in seinem "Wohnzimmer" 2009 im Achtelfinale dem späteren schwedischen Finalisten Robin Söderling den Vortritt lassen müssen. Dazu kam eine w.o.-Niederlage Nadals in der dritten Runde 2016 gegen seinen Landsmann Marcel Granollers.

Damit hat es seit 2005 nur in diesen vier genannten Jahren keinen Paris-Sieger Nadal gegeben. Die seltene Chance haben 2009 und 2015 die Schweizer Roger Federer und Stan Wawrinka sowie 2016 und 2021 Djokovic genutzt. Die Titel-Quoten für Nadal waren diesmal höher, dennoch ist der Iberer nur einen Schritt vom Triumph auch 2022 weg. Beeindruckend waren die Leistungen gegen Djokovic und Alexander Zverev, von dessen Aufgabe er zudem profitierte.

Für die nicht einmal zwei gegen den Deutschen gespielten Sätze stand Nadal 3:13 Stunden auf dem Platz, um 18 Minuten länger als der als Nummer acht gesetzte Ruud bei seinem Halbfinal-Erfolg in vier Sätzen gegen den Kroaten Marin Cilic (20). Seit dem Achtelfinale, also in drei Matches, hatte Nadal eine Spielzeit von gesamt 11:46 Stunden. Der seit Freitag 36-Jährige verneint aber, dass das für das finale Duell bei ihm körperliche Auswirkungen haben könnte.

"Ich bin physisch okay, das ist für mich normal nie ein Problem", meinte Nadal nach seinem bitter-süßen Sieg über Zverev, den eine noch nicht diagnostizierte Knöchelverletzung vom möglichen Weg ins Finale und zur Nummer eins abgebracht hat. So hat nun Nadal die Chance, der älteste Sandplatz-Majorsieger der Tennis-Geschichte zu werden, womit er den Russen Daniil Medwedew acht Tage danach zurück an die Weltranglistenspitze verhelfen würde.

Nadal selbst wird sich mit und ohne seinem 22. Grand-Slam-Titel im Ranking von Position fünf auf vier vorschieben und seine Führung im "Race" ausbauen. Ruud wird als Sechster sein Karrierehoch erreichen, ob Sieg oder Niederlage. Er ist der erste Norweger in einem Grand-Slam-Finale und hat eine besondere Beziehung zu Nadal. Als Teenager war er ein großer Fan seines nunmehrigen Gegners und trainierte in dessen Akademie auf Mallora.

Die beiden kennen einander also gut. "Es ist überhaupt keine Überraschung, dass er hier im Finale ist", betonte Nadal. "Er ist bescheiden, relaxt und immer willig, Neues zu lernen. Ich kenne auch seine Eltern gut, sie sind eine sehr gesunde Familie." Vater und Coach Christian Ruud war als Nummer 39 einst der beste norwegische Spieler der Geschichte. Diese Bestmarke hat sein Sohn längst ausgelöscht.

"Ich habe alle Paris-Endspiele von Nadal gesehen. Es ist unglaublich, jetzt da selber gegen ihn zu spielen", meinte Ruud vor dem ersten Duell mit seinem Idol. "Ich werde versuchen, es zu genießen. Ich werde der Außenseiter sein. Aber ich werde schauen, dass ich davor von großartigen Winnern und unglaublichen Rallies träume. Denn das wird es brauchen, um eine Chance zu haben. Und ich werde das beste Tennis bauchen, das ich jemals gespielt habe."

In den vergangenen 13 Monaten gewann der nun 23-Jährige sechs Sandplatz-Turniere, stand aber in Miami auch in einem Hartplatz-Finale. Ein Sieg am Sonntag würde seinen neunten Titel auf der Tour bedeuten. Der von chronischen Schmerzen in seinem deformierten linken Mittelfußknochen (Müller-Weiss-Syndrom) geplagte Nadal würde es ihm gönnen: "Ich würde es vorziehen, am Sonntag das Finale zu verlieren und dafür einen neuen Fuß zu bekommen."

Quelle: Agenturen