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Rapid verzichtet auf Kartenkontingent bei Auswärtsderbys

Heute, 11:58 · Lesedauer 4 min

Fußball-Rekordmeister Rapid hat am Tag nach den Vorkommnissen rund um die eigenen Fans beim 348. Wiener Fußball-Derby bei der Austria eine erste Entscheidung getroffen. "Als eine erste konkrete Maßnahme wird der SK Rapid bei Auswärtsderbys bis auf Weiteres davon Abstand nehmen, das Kartenkontingent für den Gästesektor abzurufen", verlautete der seit zwölf Pflichtspielen sieglose Tabellensiebente der Bundesliga am Montag. Die Liga verurteilte die Vorkommnisse scharf.

Rapid schrieb, dass man eng mit den Behörden zusammenarbeiten werde und selbstverständlich jede Unterstützung leisten wolle, um zur Identifizierung jener Personen, die Böller oder Leuchtraketen abgefeuert haben, beizutragen. "Diese erwartet dann vom Verein jene Konsequenzen, die diesem möglich sind, sprich Hausverbote und gegebenenfalls der Entzug von Vereinsmitgliedschaften." Der grün-weiße Anhang hatte mit dem Werfen von Böllern und anderer pyrotechnischer Gegenstände in den Schlussminuten eine Spielunterbrechung erzwungen, die Austria siegte verdient mit 2:0.

"Wir bedauern diese Vorfälle und distanzieren uns in aller Deutlichkeit davon. Durch das gestrige Fehlverhalten von einer kleinen Minderheit der Anhängerschaft wird dem SK Rapid in einer ohnehin sehr schwierigen Situation zusätzlich geschadet und wir appellieren an alle Rapidlerinnen und Rapidler zum Zusammenhalt. Nur gemeinsam wird es möglich sein, den aktuellen sportlichen Negativlauf zu stoppen und in eine positive Zukunft zu gehen", wurde Club-Präsident Alexander Wrabetz zitiert.

Man werde weiterhin im Dialog mit Fanvertretern bleiben, um gemeinsam an einem sicheren und positiven Fußballerlebnis für alle Beteiligten zu arbeiten. Seinem Team droht eine saftige Strafe. Eine Sperre des Heimsektors für drei Spiele steht für den bereits auf Bewährung verurteilten Club ebenso im Raum wie eine Geldstrafe oder auch mögliche Geisterspiele. Der Strafsenat der Liga wird am kommenden Montag erstmals in der Causa tagen. Am Tag nach dem Spiel bereitete die Bundesliga die Berichte des Spielbeobachters und des Schiedsrichters auf, in Folge wurde eine Anzeige verfasst. Rapid hat danach Gelegenheit zu einer Stellungnahme.

Christian Ebenbauer, der Vorstandsvorsitzende der Liga, fand es "enttäuschend und traurig, dass nach einem Wiener Derby erneut nicht das sportliche Geschehen, sondern abermals Fanausschreitungen im Mittelpunkt stehen." Die Clubs und alle Beteiligten hätten die vergangenen eineinhalb Jahre daran gearbeitet, wieder stimmungsvolle Derbys mit Gästefans zu ermöglichen. "Im Fall des SK Rapid wird das nun für längere Zeit nicht der Fall sein", sagte Ebenbauer, der außerdem meinte: "Diese inakzeptablen Vorfälle schaden dem gesamten österreichischen Fußball."

Zwei Verletzte und 117 Anzeigen

Zwei Personen wurden durch pyrotechnische Gegenstände verletzt, geht aus der am Nachmittag veröffentlichten Bilanz der Wiener Polizei hervor. Zudem gab es 117 Anzeigen - 21 strafrechtliche und 96 verwaltungsrechtliche. Mehr als 500 Beamtinnen und Beamte waren im Einsatz gestanden.

Im gesamten Stadion wurden von beiden Fanlagern pyrotechnische Gegenstände entzündet, betonte die Landespolizeidirektion Wien in einer Aussendung. Ein 26-Jähriger wurde durch einen Böller leicht verletzt und von Sanitätern versorgt. "Zahlreiche pyrotechnische Gegenstände" wurden kurz vor Spielende vom Gästesektor mit den Rapid-Fans nicht nur in Richtung Spielfeld, sondern auch auf die angrenzende Tribüne geworfen. Während des Spiels wurden zudem zahlreiche Sachbeschädigungen im Gästesektor verursacht.

Angriff auf Polizisten

Nach dem Spielende kam es im Bereich des Reumannplatzes zu "gewaltsamen Ausschreitungen der Fans des SK Rapid gegen die Polizei", berichtete Polizeisprecherin Anna Gutt. "Teilweise vermummte Personen bewarfen die Einsatzkräfte gezielt mit Pyrotechnik, Glasflaschen und Bechern sowie Sesseln eines Lokals." Bei dem Einsatz wurde eine Beamtin durch Pyrotechnik verletzt und konnte ihren Dienst nicht fortsetzen. Es kam zu mehreren Sachbeschädigungen, unter anderem an einem Einsatzfahrzeug, die Täter wurden noch nicht ausgeforscht. Die Polizei setzte unter anderem Pfefferspray ein.

Weitere Ermittlungen, vor allem aufgrund des Verdachts des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, der versuchten schweren Körperverletzung und der Sachbeschädigung, laufen, betonte Gutt. Dazu werden auch noch Videoüberwachungen ausgewertet.

Zusammenfassung
  • Beim Derby zwischen Austria und Rapid wurden zwei Personen durch Pyrotechnik verletzt, es gab 117 Anzeigen und mehr als 500 Polizist:innen waren im Einsatz, während der grün-weiße Anhang mit Böllern und Leuchtraketen eine Spielunterbrechung erzwang.
  • Dem SK Rapid drohen nach den Vorfällen empfindliche Strafen wie eine Sperre des Heimsektors für drei Spiele, Geldstrafen oder Geisterspiele, während die Liga und die Polizei die inakzeptablen Ausschreitungen scharf verurteilten.