APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH

Rangnick will Traumstart ins WM-Jahr "nicht überbewerten"

Heute, 04:02 · Lesedauer 4 min

Österreichs Fußball-Nationalteam hat einen Traumstart ins neue Jahr hingelegt und weniger als drei Monate vor der WM in Nordamerika die Euphorie im Land weiter angefacht. "Perfekt, ein richtig toller Abend", sagte Teamchef Ralf Rangnick nach dem 5:1 am Freitag im Test gegen Ghana. "Wir werden das Spiel und das Ergebnis aber nicht überbewerten." Bereits am Dienstag (20.45 Uhr/live ORF 1) gilt es ebenfalls in Wien gegen Südkorea eine ähnlich gute Vorstellung nachzulegen.

"Ich gehe nicht davon aus, dass wir das Spiel auch 5:1 oder 6:1 gewinnen. Aber wir werden versuchen, es ähnlich anzugehen", versprach Rangnick. "Es wäre schön, wenn das Stadion genauso voll wäre, die Mannschaft zahlt es zurück." Knapp 30.000 Tickets sind laut ÖFB-Angaben für das zweite Spiel des Test-Doppels verkauft. Gegen Ghana waren 40.200 Zuschauer im Ernst Happel Stadion - und was Rangnick ob der familienfreundlichen Beginnzeit besonders freute: viele Kinder.

"Ich habe den Jungs vor dem Spiel in der Kabine gesagt, ich habe noch nie so viele Kinder im Stadion gesehen", erzählte Rangnick. Schon bei der Anreise mit dem Bus habe er "so viele strahlende Kinderaugen" gesehen, auch von Kindern im Alter von erst sechs bis zehn Jahren. "Genau diese kindliche Spielfreude, das habe ich den Jungs mit auf den Weg gegeben, die wollte ich sehen. Ich glaube, das war in der zweiten Hälfte zu spüren. Die Wellen sind hin und her geschwappt zwischen Platz und Tribüne."

Tatsächlich gelang den Österreichern nach der Pause fast alles. "So wie wir in der zweiten Hälfte gespielt haben, musst du erst einmal spielen", meinte Rangnick. Man müsse bedenken, dass Xaver Schlager, Konrad Laimer, David Alaba, Maximilian Wöber und einige weitere Akteure noch nicht einmal mitgewirkt hätten. "Die müssen sich anstrengen, dass die überhaupt wieder in die Mannschaft kommen", sagte Rangnick mit einem Schmunzeln über seine zum Teil aus Sicherheitsgründen geschonten Schlüsselspieler.

Laimer habe am Donnerstag nach dem Training leichte Knieprobleme verspürt, Rangnick sprach von einer "Reizung". Auch Schlager, der kurz zuvor erst von einer Adduktorenblessur zurückgekommen war, habe etwas im Knie gespürt. Der Mittelfeldmann von RB Leipzig hat in seiner Karriere bereits zwei Kreuzbandrisse hinter sich. "Wir brauchen ihn bei der WM", betonte Rangnick. "Deswegen war auch da klar, dass wir kein Risiko eingehen."

Alaba auch gegen Südkorea nur Zuschauer

Kapitän Alaba, der in den vergangenen Wochen mit einer Wadenverletzung zu kämpfen hatte, wird laut Rangnick auch gegen Südkorea nicht spielen. "Das wäre einfach fahrlässig - nicht nur aus unserer Sicht, sondern auch für Real Madrid", meinte der 67-Jährige. Der Club habe wichtige Spiele in der Champions League gegen Bayern München und auch in der Liga vor sich. "Deswegen werden wir das nicht riskieren." Bei Schlager und Laimer bestehe eine Chance. Risiko werde man aber auch da keines eingehen. "Dazu sind sie zu wichtig für uns."

Seinen Wert für das ÖFB-Team bewies Nicolas Seiwald. Der Leipzig-Profi erzielte im 45. Länderspiel sein erstes Tor. Dieses habe sich laut Rangnick ein wenig abgezeichnet. "Es war höchste Zeit. Dass er defensiv einer unserer zuverlässigsten Spieler ist, war schon klar, aber er hat auch bei eigenem Ballbesitz enorm zugelegt", lobte der Teamchef. "Wenn das jetzt auch noch dazukommt, dass er torgefährlich ist, dann haben wir noch mehr Freude mit ihm."

Wanner und Chukwuemeka als Dosenöffner

Große Freude bereiteten dem Chefcoach nach ihren Nationenwechseln auch Paul Wanner und Carney Chukwuemeka. Das Duo half in der zweiten Hälfte entscheidend mit, Ghanas tief stehenden Block zu bespielen - einst eine Problemzone des ÖFB-Teams. "Ich glaube, dass uns gerade da die zwei neuen Spieler guttun - mit ihrem Spielwitz, mit ihren Laufwegen, aber vor allem auch mit ihrer Technik", meinte Rangnick. Allerdings hätte zuvor auch Florian Grillitsch "ein richtig gutes Spiel" gemacht.

Die erste Hälfte sei "zäh" gewesen. "Es war kein Spiel im Vorbeigehen", betonte Rangnick. Man werde das Ergebnis richtig einordnen. "Wir haben die Türkei auch schon mal 6:1 geschlagen und sind danach bitter, bitter gegen sie ausgeschieden", erinnerte der Deutsche an das EM-Achtelfinale 2024. Möglicherweise könne man auch bei der WM in einem fortgeschrittenen Stadium noch einmal auf Ghana treffen. Vorerst dienten die Westafrikaner aber als Vorbereitung auf den ähnlich spielenden WM-Gruppengegner Algerien. "Wir müssen Algerien nicht 5:1 schlagen, ich wäre schon mit einem 1:0 oder 2:1 glücklich", versicherte Rangnick.

Zwölf Heimspiele ist sein Team mittlerweile unbesiegt. Mehr Partien in Folge ist das einem ÖFB-Team noch nie gelungen. Die Mannschaft habe alles, was man sich in den vier Trainingstagen in Marbella vorgenommen habe, auf den Platz gebracht, lobte Rangnick. "Aber die WM wird auf neutralem Boden gespielt. Das ist eine andere Geschichte, das wissen wir."

Zusammenfassung
  • Österreichs Fußball-Nationalteam feierte mit einem 5:1 gegen Ghana einen Traumstart ins WM-Jahr und begeisterte 40.200 Zuschauer im Ernst Happel Stadion.
  • Teamchef Ralf Rangnick mahnt zur Zurückhaltung und will das Ergebnis nicht überbewerten, da bereits am Dienstag das nächste Testspiel gegen Südkorea mit knapp 30.000 verkauften Tickets ansteht.
  • Schlüsselspieler wie David Alaba, Konrad Laimer und Xaver Schlager wurden aus Vorsicht geschont und werden auch gegen Südkorea voraussichtlich nicht eingesetzt.
  • Nicolas Seiwald erzielte in seinem 45. Länderspiel sein erstes Tor und wurde von Rangnick für seine Entwicklung gelobt.
  • Das ÖFB-Team bleibt im zwölften Heimspiel in Folge ungeschlagen und stellt damit einen neuen Rekord auf.