Rangnick sieht sein neues ÖFB-Duo im offensiven Mittelfeld
"Wenn wir kein Verband wären, sondern ein Verein, könnte man sagen, dass das zwei nicht so ganz schlechte, verkehrte Transfers sind, die da jetzt passiert sind", meinte Rangnick bei der erstmaligen Einberufung des Duos am Montag in Wien. Wanner hat seine Karriere in deutschen Nachwuchsauswahlen hinter sich gelassen, um künftig für Österreich zu spielen, Chukwuemeka jene in englischen. Die Vorgehensweise, Geduld zu bewahren und zu keinem Zeitpunkt Druck auszuüben, habe sich bezahlt gemacht, erklärte Rangnick.
"Die beiden sind Mittelfeldspieler, ganz klar, eher Achter", sagte der Teamchef über die beste Positionierung des Duos. Im ÖFB-Team würden sie am ehesten für die Zehnerrolle infrage kommen, die es in seinem 4-2-3-1-System laut Rangnick dreimal gibt. Christoph Baumgartner scheint im Zentrum als "Neuneinhalb", wie es Rangnick formulierte, ebenso gesetzt wie Marcel Sabitzer halblinks. Halbrechts stand zuletzt meist Werder Bremens Romano Schmid in der Startformation.
Wanner kam bei seinem Club PSV Eindhoven zuletzt auch auf einer Doppelsechs im defensiven Mittelfeld zum Einsatz. "Ob er das auf dem Level, wo wir das brauchen, auch kann, werden wir im kommenden Lehrgang sehen", meinte Rangnick. "Aber er könnte das zumindest theoretisch." Chukwuemeka dagegen sei seiner Meinung nach eine Etage weiter vorne "besser aufgehoben". Der Konkurrenzkampf im Mittelfeld werde durch das Duo nicht kleiner. "Aber am Ende belebt das ja immer wieder auch das Geschäft."
Beide Spieler hätten die Möglichkeit, sich beim Teamcamp nächste Woche in Marbella sowie gegebenenfalls auch in den WM-Tests gegen Ghana (27. März) und Südkorea (31. März) in Wien zu präsentieren und für die WM zu empfehlen. "Es hängt schon auch davon ab, welche Leistungen sie jetzt bei dem Lehrgang zeigen", sagte Rangnick über die WM-Chancen des Duos. Natürlich treffe er die Kaderentscheidungen subjektiv. "Am Ende nominieren sich die Spieler durch ihre Leistungen aber selber."
Chukwuemeka spricht bisher kein Deutsch
Um die Integration ins Mannschaftsgefüge macht sich der Teamchef wenig Sorgen. Wanner war im November 2022 - "lustigerweise in Marbella", wie Rangnick erinnerte - bereits als Trainingsgast im ÖFB-Team dabei. "Insofern ist er kein Unbekannter, für ihn ist es eher so ein bisschen wie ein 'Welcome back'". Bei Chukwuemeka sei die Situation anders. Der gebürtige Wiener, der in England aufgewachsen ist, kennt zwar Sabitzer von seinem Club Borussia Dortmund, spricht bisher aber kein Deutsch.
Die Kabinensprache Englisch ist zwar bei vielen Großclubs weit verbreitet. "Ich habe Carney aber gesagt, dass es nicht ganz verkehrt wäre, wenn er die nächsten Wochen und Monate nutzen würde, zumindest ein paar Fußballfachbegriffe auf Deutsch zu lernen", sagte Rangnick. Das würde nicht nur ihn, sondern vermutlich auch die Dortmund-Verantwortlichen um Trainer Niko Kovac freuen. Er überlege auch, einen Deutschlehrer nach Marbella mitzunehmen. Bernhard Neuhold solle die Finanzierbarkeit im Budget prüfen, sagte Rangnick schmunzelnd in Richtung des ÖFB-Geschäftsführers.
Freude bei Pröll und ÖFB-Goalie Schlager
ÖFB-Aufsichtsratschef Pröll lobte die professionelle Vorgehensweise beim Verbandswechsel des Duos. Die sportliche Führung habe die Notwendigkeit definiert, alles Weitere liege nun bei ihr. "Ralf Rangnick hat sich sehr bemüht in vielen Gesprächen", sagte Pröll. Beide Akteure würden "großes Zukunftspotenzial" für Österreich darstellen. "Sie sind Schlüsselspieler in ihren Teams, haben eine wirklich tolle Geschichte geschrieben", meinte der Verbandschef. "Ich bin sehr dankbar, dass es gelungen ist, dass sich beide - nicht auf Druck von Österreich, sondern auf Basis von Gesprächen und Förderung - entschieden haben, dieses Angebot anzunehmen."
Teamtorhüter Alexander Schlager schlug in eine ähnliche Kerbe. "Ich finde es super, dass sich zwei so vielversprechende Talente für unser Nationalteam entschieden haben", betonte der Salzburg-Goalie. "Für das Programm, das auf uns wartet, ist es fantastisch, wenn man solche Spieler hat, die über so viel Qualität verfügen und helfen können." Bei Wanner habe man schon 2022 in Marbella - damals im Alter von erst 16 Jahren - gesehen, dass er ein "sehr guter Spieler" sei. Über Chukwuemeka könne er nicht so viel sagen, erklärte Schlager. "Aber wer spielt in so einem Alter bei Dortmund? Das muss man sich erst einmal verdienen."
Zusammenfassung
- Ralf Rangnick setzt drei Monate vor der WM in Nordamerika auf die Integration der beiden Neuzugänge Paul Wanner (20) und Carney Chukwuemeka (22) ins offensive Mittelfeld des ÖFB-Teams.
- Wanner und Chukwuemeka, die zuvor für deutsche bzw. englische Nachwuchsteams spielten, sind vor allem für die Zehnerrolle im 4-2-3-1-System vorgesehen, in dem bereits großer Konkurrenzkampf herrscht.
- Die endgültige WM-Nominierung entscheidet sich nach den Leistungen im Teamcamp in Marbella sowie den Testspielen gegen Ghana am 27. März und Südkorea am 31. März.
- Chukwuemeka spricht bislang kein Deutsch, Rangnick erwägt jedoch, ihn beim Spracherwerb aktiv zu unterstützen, um die Integration zu erleichtern.
- ÖFB-Aufsichtsratschef Josef Pröll und Teamtorhüter Alexander Schlager loben die professionelle Vorgehensweise beim Verbandswechsel sowie das Potenzial und die Qualität der beiden Talente.
