APA - Austria Presse Agentur

Österreich im Skiflug-WM-Teambewerb nur Sechster

13. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Die ersatzgeschwächten ÖSV-Adler sind im abschließenden Teambewerb der Skiflug-WM in Planica nur Sechste geworden. Nach den Ausfällen von Stefan Kraft und Daniel Huber ohnehin nur als Außenseiter angetreten, waren die Österreicher am Sonntag 240 Punkte und damit meilenweit von den Medaillen weg. Gold ging an Norwegen, das vor Deutschland und Polen seinen Titel erfolgreich verteidigte.

Hauptverantwortlich für das schlechteste ÖSV-Teamergebnis in der WM-Geschichte (seit 2004) war ein 129,5 m kurzer Sprung von Ersatzmann Timon-Pascal Kahofer. Aber auch Gregor Schlierenzauer und Philipp Aschenwald schwächelten, lediglich der im Vorfeld ebenfalls von einer Corona-Infektion betroffene Michael Hayböck zeigte sich konkurrenzfähig.

ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl machte dem 21-jährigen Kahofer keine Vorwürfe. "Er war ein bisschen übermotiviert und fast in Sturzgefahr. Da reißt du dann ein Riesenloch auf. Er ist ein junger Springer, er ist zum ersten Mal dabei und wollte es besonders gut machen, da kann das passieren", so Widhölzl. Das wisse er aus eigener Erfahrung. "Ich habe auch einmal bei einer WM einen hingestellt auf den Vorbau, das muss man so nehmen."

Insgesamt müsse man bedenken, dass man bei der WM ersatzgeschwächt gewesen sei. "Wir haben zwei starke Springer nicht dabei gehabt, wir wären definitiv im Medaillenrennen gewesen, das nehmen wir mit." Nun gelte es freilich schnellstmöglich alle zurück an Bord zu holen. "Wir müssen schauen, dass wir wieder alle fit bekommen und im Weltcup wieder vorne mitmischen."

Widhölzl hofft, dass ein Quartett um Daniel Huber, dessen Quarantäne zu Wochenbeginn endet, die Coronatests und anschließenden Medizinchecks anstandslos absolvieren wird, um in Engelberg wieder dabei sein zu können. Bei Stefan Kraft hofft er auf baldige Besserung der Rückenbeschwerden. "Wir müssen geduldig sein und warten, wie es sich entwickelt" so Widhölzl. Möglicherweise werde der ÖSV-Topmann schon bis Engelberg wieder fit, sonst werde Kraft hoffentlich bei der Tournee zurückkehren.

Im Nationenbewerb war man nicht nur wegen des verpatzten ersten Sprungs von WM-Debütant Kahofer völlig chancenlos. Nur Hayböck durfte nach seinen Flügen auf 223,5 und 231 Meter zufrieden sein. "Es war sehr unerwartet, dass ich da so gut mitfliegen und um die Medaillen mitkämpfen kann", sagte der Oberösterreicher, der wie Ex-Weltmeister Schlierenzauer und Aschenwald unmittelbar nach einer Covid-Infektion zur WM gekommen war. Am Schlusstag habe aber auch er gemerkt, dass die nötige Substanz noch fehle, so Hayböck im ORF-Interview.

Aufgrund der Corona-Situation im Vorfeld sowie der Ausfälle von Kraft und Huber (Corona-Quarantäne) sei das schlechte Teamabschneiden zu erklären. "Es war klar, dass die Ausgangssituation schwierig war", betonte Hayböck, der vor der Vierschanzentournee aber noch auf ein Wiedererstarken des Teams hofft. "Wir lassen uns sicher nicht drausbringen. Wir werden wieder zur Kräften kommen und im Weltcup angreifen." Die letzte Station vor der Tournee ist kommendes Wochenende Engelberg.

Die Titelentscheidung im Fliegen fiel dramatisch aus und wurde von Trainerentscheidungen der Österreicher Alexander Stöckl und Stefan Horngacher stark beeinflusst. Zunächst verkürzte Stöckl vor seinem Schlussspringer um zwei Luken, Halvor Egner Granerud segelte trotzdem auf 234,5 Meter und sicherte sich dadurch viele Bonuspunkte für die Gate-Kompensation. Horngacher wählte die gleiche Luke, Einzelweltmeister Karl Geiger kam aber "nur" auf 224,5, das war zu wenig für die Kompensation, womit den zuvor führenden Deutschen der Titel noch entrissen wurde.

Quelle: Agenturen