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Österreich holt Olympia-Gold im Skispringen

14. Feb. 2022 · Lesedauer 5 min

Österreichs Skisprung-Quartett Stefan Kraft, Daniel Huber, Jan Hörl und Silbermedaillen-Gewinner Manuel Fettner hat im abschließenden Springerbewerb als Team von der Großschanze Olympia-Gold geholt. Mit 942,7 Punkten verwies das ÖOC-Team Slowenien um 8,3 Punkte auf Platz zwei, Deutschland holte sich im letzten Sprung noch Bronze vor Norwegen.

Österreich ist damit zum dritten Mal nach 2006 und 2010 Olympiasieger im Team-Springen. Für Kraft, Hörl und Huber ist es die erste Olympia-Medaille ihrer Karrieren, Fettner kürte sich zum ältesten Olympiasieger im Skispringen.

"Ich glaub es noch gar nicht, es ist so geil. Ich glaube, das ist der schönste Tag in meinem Leben, obwohl ich schon sehr viel gewonnen habe", freute sich der dreifache Einzel-Weltmeister Kraft im ORF. "Gemeinsam mit dem Team bei so einem Großereignis ganz oben stehen, Olympiasieger mit einem von meinen besten Freunden auch noch (zu Huber gewandt, Anm.). Ich wollte unbedingt etwas mit heim nehmen."

Österreich zur Halbzeit noch auf Platz zwei 

Bei eisigen Temperaturen um minus 20 Grad im Skisprung-Center Zhangjiakou und auch sehr wechselnden Rückenwindbedingungen hatte zunächst Auftaktspringer Stefan Kraft nicht für den erhofften starken Start gesorgt. Der Doppel-Weltmeister von Lahti 2017 und Großschanzen-Weltmeister des Vorjahres brachte Österreich nach dem ersten Sprung nur auf den fünften Rang. Doch schon Huber brachte die von Andreas Widhölzl gecoachte Equipe in die Medaillenränge und auch Hörl hielt den dritten Rang, ehe der im Großschanzen-Einzel "versilberte" Fettner mit einem 128-m-Satz Österreich auf den zweiten Platz verbesserte.

Im Finale der besten acht Teams brachte Kraft Österreich zunächst erstmals vor den Slowenen in Führung, allerdings mit nur drei Punkten Vorsprung. Huber segelte auf 129 m, womit die ÖSV-Adler wieder auf die zweite Stelle zurückfielen. Doch Jan Hörl setzte auch im zweiten Durchgang nach 133 im ersten Heat sogar erst bei 137,5 m auf und das ÖSV-Team ging auf Goldkurs in die achte und letzte Runde. In dieser schaffte Schluss-Springer Manuel Fettner mit einem 128-m-Satz den Gold-Coup.

Cheftrainer Widhölzl hebt Hörl hervor 

Das rührte den sonst mit Emotionen eher haushaltenden Cheftrainer Andreas Widhölzl zu Tränen. Selbst war er 2006 Teil des "Gold-Teams" von Turin. "Es war cool, vor allem spannend. Ich freu mich voll", sagte Widhölzl. "Sie haben einen super Job heute gemacht, es waren echt schwierige Verhältnisse. Jan ist heute sensationell gut gesprungen. Der Krafti hat zwar ein bisschen wackelig angefangen, hat sich aber super gesteigert, der Dani war auch stark und der Fetti hat es heimgebracht", freute sich der Tiroler.

Widhölzl hob auch die Betreuerleistung vor. "So ein Teambewerb ist auch die Leistung von der der ganzen Mannschaft, auch von den Betreuern, die das ganze Jahr hackeln, von April bis jetzt." Das Mitzittern war für Widhölzl alles andere als einfach. "Ich bin schon lang dabei gewesen, als Athlet und auch als Trainer ein paar Jahre. So nervös war ich schon lange nicht mehr und ich habe mich echt versteckt, dass ich nicht zuschauen muss. Aber ich habe voll vertraut auf die Athleten, sie haben gut gearbeitet die letzten Tage. Wir haben einen irrsinnig guten Team-Spirit, sie haben es sich verdient."

Die Stimmen nach dem Springen

Stefan Kraft: "Ich glaube, das ist der schönste Tag meines Lebens, obwohl ich schon so viel gewonnen habe. Gemeinsam mit dem Team bei einem Großereignis ganz oben zu stehen, Olympiasieger mit den besten Freunden zu werden, das ist unglaublich. Ich wollte unbedingt etwas mit heimnehmen, das hat man gesehen bei meinen ersten Durchgängen, jetzt habe ich es endlich."

Daniel Huber: "Wir waren heute mannschaftlich wirklich verdiente Olympiasieger. Olympiasieger... yeah. Für mich waren es zwei zähe Wochen, ich habe nicht so die Lösung gefunden, aber mich für heute nochmals richtig hingekämpft. Es war mental das Schwierigste meiner Karriere, so viele Hochs und Tiefs. Abnormal, was da heute abgegangen ist."

Andreas Widhölzl: "Sie haben alle vier einen Superjob gemacht, vor allem bei diesen schwierigen Verhältnissen. Sie haben es alle cool gemacht, Fetti hat es heimgebracht. Ein Teambewerb ist immer auch die Leistung der ganzen Mannschaft, der Betreuer, die das ganze Jahr hackeln. Das geht von April weg und wenn man so belohnt wird, ist das umso besser. Ich war lange als Athlet dabei und als Trainer auch schon ein paar Jahre, aber so nervös war ich selten. Ich habe mich versteckt, damit ich nicht zuschauen muss. Aber ich habe volles Vertrauen in die Athleten, sie haben toll gearbeitet an den letzten Tagen. Wir haben einen sehr guten Team-Spirit, ich glaube, wir haben es auch verdient, dass wir gewonnen haben."

Mario Stecher: "Das ist natürlich die Goldmedaille schlechthin, für die man als Skispringernation vier Jahre lang arbeitet. Da müssen alle Trainer und Serviceleute miteingeschlossen werden, an sie geht riesengroßer Dank des Verbandes. Sie haben unglaubliche Arbeit geleistet und heute haben sie den Erfolg einfahren dürfen. Es war extrem knapp, das Team hat einfach gepasst heute, wir haben wahrscheinlich auch die Gunst der Stunde genutzt. Es war einfach schön zum Zuschauen. Bei den Frauen waren die Umstände nicht ganz glücklich, aber wenn man Team-Olympiasieger wird, müssen viele Sachen ganz gut stimmen, jetzt dürfen wir uns einmal freuen. Das ist ein wunderschönes Gefühl, weil alle gemeinsam den Erfolg genießen können. Jetzt können alle gemeinsam richtig feiern."

Quelle: Agenturen