APA - Austria Presse Agentur

ÖFB-Teamchef Foda nach 2:5 in Israel gezeichnet

05. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Franco Foda hat mit der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft zum zweiten Mal im Sammy Ofer Stadium von Haifa Prügel bezogen. Dem 2:4 im März 2019 folgte am Samstag in der WM-Qualifikation nach einem ähnlichen Spielverlauf ein 2:5, womit die Chance auf Rang eins in Gruppe F und damit das Direkt-Ticket für die Endrunde 2022 in Katar nur noch in der Theorie besteht.

Bei acht Punkten Rückstand auf Dänemark und fünf ausstehenden Partien geht es lediglich um Platz zwei, wie auch der Teamchef eingestehen musste. "Der erste Platz ist leider Gottes in weite Ferne gerückt. Es wird sehr schwierig, so realistisch muss man sein." Im Kampf um den zweiten Rang fehlen derzeit drei Punkte auf Israel und einer auf den kommenden Gegner Schottland. "Deshalb müssen wir am Dienstag unbedingt gewinnen."

Mit einem Auftritt wie gegen die von Ex-ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner betreuten Israelis wird dies aber nicht möglich sein. Die Österreicher leisteten sich in Haifa wie schon vor zweieinhalb Jahren haarsträubende Patzer in der Abwehr und ließen außerdem zahlreiche Topchancen liegen.

Danach wirkte Foda einigermaßen gezeichnet. "Wir waren von Beginn an sehr gut im Spiel, sind aus dem Nichts 0:1 in Rückstand geraten, hatten viele Möglichkeiten, um 2:1 oder 3:1 in Führung zu gehen und haben dann zweimal in der Defensive nicht aufgepasst", erklärte der Deutsche.

Dennoch wäre eine Wende noch möglich gewesen, betonte der 55-Jährige. "Die Mannschaft hat an sich geglaubt, wir waren eigentlich auch dran, das 3:3 zu erzielen. Man hat gespürt, dass wir Übergewicht hatten. Doch genau in dieser Phase haben wir nach einem Fehler im Spielaufbau das 2:4 bekommen und dann war es schwierig, zurückzukommen, obwohl die Mannschaft alles versucht hat."

Mit mehr Konzentration im Abwehrverhalten und beim Torabschluss wäre das Match in eine andere Richtung gelaufen, so Foda. "Aber Wenn und Aber gibt es im Fußball nicht." Seiner Meinung nach gab es für die Niederlage viele Gründe - etwa auch die Ausfälle von Marcel Sabitzer, Stefan Lainer, Sasa Kalajdzic, Xaver Schlager und Julian Baumgartlinger -, die Umstellung auf eine Dreierkette zählte der Coach jedoch nicht dazu. "Es lag nicht am System. Jeder hat gesehen, wie gut wir vor allem in der ersten Hälfte nach vorne gespielt haben."

Auf öffentliche Kritik an seinen Spielern verzichtete Foda. "Ich bin verantwortlich für das Team. Es hat jetzt keinen Sinn, Schuldzuweisungen zu machen oder über Qualität zu sprechen. Letztlich bin ich der Trainer, ich habe die Mannschaft einberufen. Alles andere werden wir intern besprechen."

Man könne "über alles diskutieren, doch wir hätten 3:1 führen können, dann läuft das Spiel in eine andere Richtung. Aber wenn man fünf Tore kassiert, hat man etwas nicht richtig gemacht", sagte Foda.

Der Nationalcoach bezeichnete die Partie mit Blick auf jene im März 2019 ebenfalls im Sammy Ofer Stadium als "Deja-vu. Damals waren wir in Führung und hatten nach dem Ausgleich viele Möglichkeiten, und auch damals haben wir nicht gut verteidigt."

Damals gab es auch heftige Kritik von ÖFB-Präsident Leo Windtner, der dem ÖFB-Team "Schülermannschafts-Charakter" attestierte, diesmal aber zumindest vorerst keine öffentlichen Aussagen tätigte. Windtner verabschiedet sich am 17. Oktober, über seinen Nachfolger berät der Wahlausschuss am Montag. Spätestens am kommenden Samstag sollte es ein Ergebnis geben. Als Kandidaten gelten derzeit Ex-Rapid-Präsident Michael Krammer, Ex-Rapid-Präsidentschaftskandidat Roland Schmid und Burgenlands Verbandschef Gerhard Milletich.

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel hatte bereits im Juli erklärt, dass Foda auch bei einer Teilnahme am WM-Play-off im März 2022 als Teamchef fungiert. Dort wird Österreich unabhängig vom Quali-Abschneiden als Nations-League-Gruppensieger des Vorjahres dabei sein, wenn vier Teams aus dem Quintett Frankreich, Belgien, Italien, Spanien und Wales ihre Quali-Gruppe auf Rang eins oder zwei beenden. Ob in diesem Fall aber wirklich Foda auf der Bank sitzt, wird wohl auch vom neuen ÖFB-Boss und den Resultaten in den letzten fünf Herbst-Länderspielen abhängig sein.

Quelle: Agenturen