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ÖFB-Frauen halten Siegkurs - Männer-WM nicht für alle Thema

16. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

Zwei Siege ohne Gegentor zum Abschluss des Jahres: Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam hat sich nach einem ereignisreichen Jahr mit Höhen und Tiefen erfolgreich in die Winterpause verabschiedet. "Am Ende war es ein sehr intensives Jahr, wir schauen mit Zuversicht auf 2023", sagte ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann nach dem 3:0-Erfolg im Test gegen die Slowakei am Dienstag in Wiener Neustadt. Die anstehende Männer-WM wird sie verfolgen, im Gegensatz zu einigen Spielerinnen.

Fuhrmann hat dafür gute Gründe. "Ich werde die Spiele schauen, weil es immer auch um die Benchmark im modernen Fußball geht. Da ist es egal, ob er von Männern oder Frauen gespielt wird, da kann man sich immer was abschauen", verlautete die 42-jährige Wienerin. Für die eigene Weiterentwicklung blicke man auch immer wieder auf Männer-Club-Teams. "Man muss einfach alles nützen", so Fuhrmann, die bei der WM keinem Team besonders die Daumen drückt.

Auch an Kapitänin Carina Wenninger wird das Turnier nicht komplett vorbeigehen. "Man kann darüber streiten, ob man zu dem Zeitpunkt ein Turnier spielen muss und wo. Aber es ist eine Riesenthematik und ich werde die WM ganz sicher verfolgen, weil ich auch in meiner Freizeit mit Freunden gemeinsam gerne Fußball schaue", sagte die AS-Roma-Abwehrspielerin. Sie wird während dem Turnier genauso noch im Champions-League-Einsatz (vier Runden gehen im November/Dezember über die Bühne) stehen wie Sarah Zadrazil.

Die Bayern-Akteurin werde das Turnier verfolgen, aber nicht so aufmerksam wie ein anderes Event. "Die Sportler können am wenigsten dafür. Die Kultur und Denkweise dort stehen nicht für Fußball. Es ist der falsche Ort, weil er für die falschen Werte steht und nicht für die, die der Fußball vermitteln sollte", meinte die 29-Jährige. Neben anderen Menschenrechtsverletzungen steht Katar auch wegen seines als menschenunwürdig geltenden Umgangs mit ausländischen Arbeitern in der Kritik. Zuletzt hatte der katarische WM-Botschafter Khalid Salman für Entsetzen gesorgt und Homosexualität als "geistigen Schaden" bezeichnet.

Auch deshalb kündigte ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger an, auf den TV-Konsum von WM-Spielen gänzlich zu verzichten. Stürmerin Nicole Billa macht es genauso und führte diesbezüglich einen anderen Grund ins Treffen. "Es tut mir unheimlich leid für die Sportler, aber für mich passt eine Fußball-WM nicht in die Winterzeit."

Gegen die Slowakei veränderte Fuhrmann ihre "Einserelf" auf sechs Positionen. Ein souveräner Sieg wurde trotzdem eingefahren. "Wir haben das Spiel über alle Phasen kontrolliert, einige Spielerinnen haben eine Talentprobe abgelegt. Einziges Manko war, der Sieg hätte auf jeden Fall höher ausfallen können", resümierte die ÖFB-Teamchefin. Die Leistungen am Ende des Jahres - am Freitag wurde in Italien gegen die Nummer 14 der Welt 1:0 gewonnen - würden zeigen, dass ihr Team viel gelernt habe.

Nach dem bitteren Out im WM-Play-off folgte eine sehr positive Reaktion. "Wir sind nach der Enttäuschung mit den zwei Spielen super zurückgekommen und haben fußballerisch einen guten Abschluss gehabt", so Wenninger. Mit der als Außenverteidigerin aufgebotenen Claudia Wenger und Stürmerin Eileen Campbell debütierten zwei Akteurinnen im Dress des EM-Viertelfinalisten beim elften Sieg im 16. Länderspiel im Jahr 2022. "Wir haben einen Sieg eingefahren, das Jahr gut abgeschlossen. Das hat sehr gut gepasst, ich bin belohnt worden für eine tolle Saison", so die 22-jährige Campbell.

2023 warten vorerst weiter nur Tests, ehe im Herbst die neue Nations League startet. Im Februar und April sollen jeweils zwei Partien gegen gute Gegner stattfinden, beim Juli-Termin wird es schwieriger, da zu dem Zeitpunkt viele WM-Teilnehmer schon in Australien und Neuseeland sein werden. "Ich bin überzeugt, dass wir in diesen Tests große Fortschritte machen werden", so Fuhrmann.

Quelle: Agenturen