APA - Austria Presse Agentur

Liensberger mitten unter "Fantastischen Vier" im Slalom

04. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Vor einem Jahr schien die Situation einzementiert, wenn es im Ski-Weltcup zu einem Damen-Slalom ging. Das Duell der Gigantinnen Petra Vlhova und Mikaela Shiffrin ließ keinen Platz für Nebenbuhlerinnen. Doch in dieser Saison hat sich der Kreis erweitert. In Zagreb lagen am Sonntag vier Läuferinnen innerhalb Zehntelsekunden - Vlhova, Katharina Liensberger, Michelle Gisin und Shiffrin. Das verspricht vor dem Österreich-Rennen in Flachau in einer Woche Hochspannung.

Die kroatische Hauptstadt war zuletzt fast immer ein Schauplatz, an dem sich die Spreu recht deutlich vom Weizen schied. Von 2012 bis 2020 gewann in sieben Jahren eine Athletin mit mehr als einer Sekunde Vorsprung den Slalom auf dem Sljeme. Im Vorjahr triumphierte Vlhova mit 1,31 Sekunden Vorsprung, 2018 und 2019 hatte Shiffrin 1,59 beziehungsweise 1,25 Sekunden Guthaben auf die Zweite. Am Wochenende aber trennte Vlhova nur die Winzigkeit von fünf Hundertstelsekunden von Liensberger, deren erster Sieg sich immer lauter ankündigt.

"Als ich die Ziellinie überquert und das grüne Licht gesehen habe, war ich wirklich überrascht", sagte Vlhova nach ihrem 18. Weltcup-Sieg im ORF-Interview. Gisin, die fünf Tage zuvor den Semmering-Slalom gewonnen hatte, lag auf Platz drei 0,22 Sekunden zurück, Shiffrin als Vierte auch nur 0,27. "Wir sind sehr eng beisammen. Ich muss immer am Limit sein, denn sie fordern mich gewaltig. Vier Mädchen innerhalb von drei, vier Zehnteln", war sich die Slowakin, die in Semmering nur Vierte war, bewusst. Danach habe sie "viel trainiert, um wieder Selbstvertrauen zu bekommen. Hier habe ich es umgesetzt".

Sportliche Leistungskurven können sich durch nicht planbare Entwicklungen binnen kurzer Zeit dramatisch verändern. Bei Shiffrin war es vor allem der Tod ihres Vaters Anfang Februar 2020, der sie von ihrer Position der Stärke auf den Boden holte. Hinzu kommt ein insofern verpatzter Saisonstart, als die US-Amerikanerin wegen der Corona-Pandemie erst spät nach Europa fliegen und dort Materialtests in Angriff nehmen konnte. Jetzt kämpft sich die sensible 25-Jährige zurück. Im Riesentorlauf schaffte sie es in Courchevel bereits wieder ganz nach oben.

Gisin brach in Semmering die Dominanz von Vlhova und Shiffrin, die sich fast vier Jahre lang alle Slaloms unter sich aufgeteilt hatten. Die Schweizerin fühlt sich erstmals seit Langem wieder topfit. "Ich hatte jahrelang mit einem Knorpelschaden zu kämpfen." Zuletzt betraf es das rechte Knie nach einem Sturz in Garmisch-Partenkirchen 2019. Sie müsse ihrem Arzt und ihrem Physiotherapeuten danken, "weil sie haben mich so super hingekriegt, dass ich so viele Slalomtore fahren kann, dass das, was ich im Moment zeige, drinnen liegt".

Bei Liensberger ist der momentane Höhenflug das Ergebnis von konstanter Arbeit und Willensstärke. "Es zeigt mir, der Weg stimmt, die Richtung. Ich hoffe natürlich, dass die Hundertstel irgendwann auf meiner Seite sind", sagte die Sportlerin vom SK Rankweil. Technik-Gruppentrainer Hannes Zöchling geht davon aus: "Der Speed passt, sie fährt gut Ski. Es ist, glaube ich, nur noch eine Frage der Zeit."

Freilich ist Vlhova bei Abwägung aller Parameter noch immer die Chefin im Ring, hat sich doch sechs der sieben zuletzt im Weltcup absolvierten Slaloms für sich entschieden. In Flachau bietet sich für ihre Herausforderinnen aber am 12. Jänner wieder eine Chance, die 25-Jährige zu erden. Was Gisin in Semmering gelungen ist, möchte Liensberger im Pongau schaffen.

"Es heißt wirklich, einfach noch das eine Prozent mehr geben. Ich freue mich riesig auf Flachau. Es ist wirklich ein besonders Rennen, ich habe dort mein Weltcup-Debüt gefeiert", erinnerte sich die Vorarlbergerin. Am 12. Jänner 2016 fuhr die damals 18-Jährige auf den 43. Platz, Veronika Velez Zuzulova gewann. Mittlerweile ist Liensberger im Weltcup angekommen, aber noch lange nicht an ihrem Limit. "Sie ist ein Riesentalent, sie hat einen starken Willen, sie ist bereit zu arbeiten, und sie ist vor allem wettkampfstark. Das sind alles Zutaten, die es braucht, dass sie wirklich eine ganz Gute wird", zeigte sich ÖSV-Sportdirektor Anton Giger überzeugt.

Quelle: Agenturen