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Hoffnung auf CL-Playoff lebt für Sturm Graz

04. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Für Sturm Graz bleibt der Weg ins Play-off zur Fußball-Champions-League ein sehr steiniger. Nach der 0:1-Niederlage im Auswärts-Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde bei Dynamo Kiew am Mittwoch im Ausweichquartier in Lodz in Polen ist der 16-fache ukrainische Meister weiter klar in der Favoritenrolle. Die Steirer denken aber nicht ans Aufgeben, wollen mit einer besseren Leistung am Dienstag in Graz noch den Turnaround schaffen.

Zufriedenstellend waren im Stadion Miejski nur die ersten 27 Minuten. Da erinnerte der Auftritt der Steirer phasenweise an jenen beim 2:1-Erfolg am Samstag im Liga-Schlager gegen Serienmeister Salzburg. Rasmus Höjlund hätte sich nach seinem Doppelpack gegen die "Bullen" da mit zwei Treffern "unsterblich" machen können, ließ allerdings die nötige Effizienz bei Topchancen (20., 24.) vermissen. "Da müssen wir einfach in Führung gehen. Solche Chancen muss man gegen so einen Topgegner nützen", wusste Sturm-Trainer Christian Ilzer.

Ausgerechnet in der besten Phase der Gäste fiel noch dazu der Gegentreffer, ähnlich herausgespielt wie eine der Sturm-Chancen über die linke Seite, dafür mit einem Top-Volley-Abschluss von Oleksander Karawajew (28.). "Das Gegentor hat uns verunsichert", betonte der 44-jährige Steirer. Die Ukrainer glänzten in der Folge mit einem sehr kompakten Auftritt, hoher Ballsicherheit und gaben Sturm wenig Chancen, um schnell umschalten zu können. Kiew war in der zweiten Hälfte auch deutlich gefährlicher, dank schwachem Abschluss konnte der Sieg aber nicht ausgebaut werden.

Ilzer: Power und Dynamik hat gefehlt

"Man hat gesehen, dass wir gegen eine erfahrene, absolute Klassemannschaft gespielt haben, die uns einfach dann schon überlegen war und auch verdient gewonnen hat", war sich Sturms Trainer bewusst. Seinem Team habe im Vergleich zum Wochenende ein bisschen die Power und Dynamik gefehlt. Möglicherweise war das eine Folge des sehr intensiven Auftritts in Graz gegen Salzburg, während sich Kiew nur auf die CL-Partie fokussieren konnte.

Sturm wirkte nicht so frisch, leidenschaftlich und aggressiv wie zuletzt. "Wir haben gewusst, dass wir gegen Kiew Limitleistungen brauchen, die haben wir nicht geschafft. Aber es war auf keinen Fall eine schlechte Leistung von uns, so klar kann ich das Kräfteverhältnis schon einschätzen", resümierte Ilzer. Seinem Team droht im zweiten Europacup-Duell mit einem ukrainischen Vertreter nach einem erfolgreichen Auftritt 2009 gegen Metalist Charkiw im Europa-League-Play-off diesmal das Aus.

Sturm hofft auf Rückspiel

Die rund 400 mitgereisten Fans mussten wie der Sturm-Tross enttäuscht die Heimreise antreten. Am Dienstag wird die Unterstützung in einer wohl ausverkauften Merkur Arena eine ganz andere sein. "Es steht nur 0:1, deshalb ist alles offen. Unsere Fans werden uns zu Hause die nötige Power geben, um das noch zu schaffen", blickte Offensivspieler Tomi Horvat optimistisch nach vorne. Auch Kapitän Stefan Hierländer verwies darauf, dass vor den eigenen Fans vieles möglich sei. "Wenn wir 0:0 gespielt hätten, hätten wir auch ein Tor gebraucht, jetzt brauchen wir eines um zurück ins Spiel zu kommen", so der 31-Jährige.

Die Partie habe gezeigt, dass der Gegner absolut in Reichweite sei. "Wir sind nicht an unser Leistungsniveau gekommen, haben aber trotzdem die eine oder andere Möglichkeit vorgefunden, das stimmt mich optimistisch", verlautete Hierländer. Als "50:50" wollte er die Chancenverteilung nicht mehr bezeichnen. "Wir werden uns einen Plan zurechtlegen und müssen unsere Sache besser machen, um noch ins Play-off kommen zu können." Dass eine Steigerung her muss, wusste auch Stürmer Manprit Sarkaria: "Wir müssen das Spielerische besser lösen und die Chancen auch effektiv nützen."

Auch Ilzer hat den Aufstieg nicht aus den Augen verloren. "Mit dem Ergebnis können wir absolut arbeiten, wir wollen es am Dienstag korrigieren, glauben noch immer an die Sensation", bekräftigte der Ex-Austria-Coach. Mit aller Vehemenz werde man versuchen, den Sieg zu erringen.

Jantscher vor Comeback

Eine wichtige Rolle könnte in weniger als einer Woche vielleicht Jakob Jantscher spielen. Der an einem Muskelfaserriss in der Wade laborierende Offensivakteur wurde in Polen schmerzlich vermisst. "Es ist klar, dass solche Spieler mit so einer Qualität im Kader fehlen", sagte Hierländer. Möglicherweise kann der 33-Jährige schon am Samstag in der Liga in Ried sein Comeback geben. Die Ukrainer können sich auch diesmal auf das Rückspiel fokussieren, da die Liga in der vom Krieg gebeutelten Heimat noch ruht.

Quelle: Agenturen / mpa