APA - Austria Presse Agentur

Hamilton will nach Spanien-Sieg rasch neuen Mercedes-Vertrag

10. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Lewis Hamilton ist nach dem dritten Sieg im vierten Saisonrennen auf einem guten Weg zu seinem achten WM-Titel in der Formel 1. Zudem will der 36-Jährige nun rasch einen neuen Mercedes-Vertrag. Wenn möglich noch vor Beginn der Sommerpause im August wollen Hamilton und Teamchef Toto Wolff diesmal alles in trockenen Tüchern haben.

100. Pole und 98. Grand-Prix-Sieg nach einer strategischen Meisterleistung von Team und Fahrer: das war die sehenswerte Bilanz Hamiltons am Sonntag in Montmelo bei Barcelona. Dass der siebenfache Champion dennoch nur 14 Punkte Vorsprung auf Max Verstappen hat, zeigt, wie sehr Red Bull mit seinem Jungstar bisher dagegengehalten hat. In Barcelona ließ Mercedes mit einer strategischen Meisterleistung aber trotzdem wieder einmal den "Weltmeister" heraushängen.

Denn Verstappen gewann zunächst sogar den Start gegen Pole-Mann Hamilton und fuhr bis sechs Runden vor Schluss an der Spitze. "Max war so weit vorne. Es hat ausgeschaut, als ob wir das Rennen verloren hätten", gestand Wolff ein, besorgt gewesen zu sein. Als im Laufe des Rennens aber immer offensichtlicher wurde, dass sich dank des besseren Reifenreservoirs bei Mercedes eine Einstopp-Taktik für die "Bullen" nicht ausgeht, war der Sieg für Hamilton nicht mehr verhinderbar.

Verstappen hat seit Sonntag zumindest 100 Rennen für Red Bull vorzuweisen. "Wir müssen einfach schneller werden", forderte der Niederländer nach dem Rennen. Ein Text, auf den man sich beim Team von Dietrich Mateschtz rasch einigte. Denn insgesamt hatte man in Barcelona nur einen kleinen Fehler im Rennen begangen, nämlich als Verstappen nach einem angeblichen Funk-Missverständnis zu früh zum Reifenwechsel an die Box gekommen war.

"Entscheidend war letztlich aber, dass das Renntempo der Mercedes deutlich besser war als unseres. Da waren wir chancenlos, standen also mit dem Rücken zur Wand", gab auch Red-Bull-Berater Helmut Marko zu. Bei Mercedes bekamen diesmal vor allem die Strategen Extralob. Lange blieb man geduldig, beließ Hamilton ständig hinter Verstappen und schlug mit dem zweiten Reifenwechsel entscheidend erst zu, als man sich aller Hochrechnungen sicher war.

Selbst dass sich Hamilton durch den zweiten Stopp 23 Runden vor Schluss 23 Sekunden Rückstand auf Verstappen auflud, schreckte niemand. So etwas hatte Mercedes schon 2019 in Ungarn erfolgreich vollzogen. Der Brite fuhr dann das Loch schneller zu als errechnet und "exekutierte" das Unvermeidliche sechs Runden vor Schluss. "Als Zweiter kannst du eben viel mehr riskieren", erklärte Wolff und gestand damit indirekt ein, dass der Positionsverlust Hamiltons am Start womöglich gar kein wirklicher Nachteil gewesen sein könnte.

Beim erfolgreichen Mercedes-Team wird man jedenfalls immer selbstbewusster. Als Hamilton einmal der Haas des Russen Nikita Masepin in die Quere kam, funkte Wolff seine öffentlich hörbare Beschwerde direkt an Rennleiter Michael Masi. Ein bisher unüblicher Vorgang.

Wolff und sein Erfolgspilot Hamilton wollen nun eine Situation wie zuletzt verhindern, als der Superstar bis kurz vor Saisonstart noch keinen neuen Vertrag unterzeichnet hatte. "Es hat mir den ganzen Winter ruiniert und ich bin sicher, Toto hat es auch nicht gerade geholfen, um entspannen zu können", sagte Hamilton in Barcelona.

Wolff sieht das ähnlich. "Momentan haben wir im Kampf mit Red Bull zwar nicht so ganz den Kopf dafür. Wir wollen es aber keinesfalls wieder bis Jänner schleifen lassen." Hamilton jedenfalls würde noch vor der Sommerpause gerne "ein klares Bild über die Zukunft" haben. Wie lange er insgesamt noch in der Formel 1 fahren wolle, sagte der Brite aber nicht.

Es ist auch das Duell mit dem 13 Jahre jüngeren Verstappen, das Hamilton beflügelt. Sein sechster Sieg in Barcelona war auch der fünfte in Folge dort. Damit fährt der Champ auf den Spuren eines Michael Schumacher oder Ayrton Senna. Nach der 100. Pole winkt dem Weltmeister nun zudem bald der 100. GP-Sieg.

Dazu kommt: "Während bei Red Bull Neuzugang Sergio Perez nicht in die Gänge kommt, wird Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas immer mehr zum Wasserträger. Gleich mehrere Aufforderungen bekam der Finne am Sonntag, den rasch aufholenden Hamilton vorbeizulassen. Platz drei war am Ende ein schwacher Trost. "Ich bin hier, um Rennen zu gewinnen, das klappt derzeit nicht", klagte Bottas. Zuletzt gewann der 31-Jährige im September des Vorjahres in Sotschi in Russland.

Quelle: Agenturen