APA - Austria Presse Agentur

Duell der schier Unbezwingbaren: Belgien fordert Italien

01. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Es ist ein Duell der schier Unbezwingbaren. Belgien hat vor dem EM-Viertelfinale gegen Italien in den vergangenen drei Jahren seit dem Aus im WM-Halbfinale gegen Frankreich gerade einmal zwei Partien verloren. Die "Azzurri" halten aktuell bei der Rekordmarke von 31 Partien ohne Niederlage. In der Münchner Arena wird sich am Freitagabend (21.00 Uhr/live ORF 1) auf jeden Fall ein engerer Anwärter auf den Titel verabschieden. Eine Favoritenrolle ist nicht auszumachen.

Italien marschierte bei der EM ebenso wie die Belgier mit drei Siegen durch die Gruppenphase. Beim 2:1 n.V. gegen Österreich tat sich die Mannschaft von Roberto Mancini erstmals schwer. Belgien warf in der ersten K.o.-Runde Titelverteidiger Portugal aus dem Bewerb, agierte beim schnörkellosen 1:0 im Stil einer abgebrühten Elf. In Italien sah man einer Schnittpartie entgegen. "Italien steht am Scheideweg", meinte 2006-Weltmeister Fabio Cannavaro in der "Gazzetta dello Sport". Der Gewinner wird im Halbfinale am 6. Juli auf die Schweiz oder Spanien treffen.

Italiens Medien warfen Geschwindigkeit als großes Plus der Squadra auf. Eigentlich untypisch, bekommen es die Italiener mit einer Mannschaft zu tun, die deutlich mehr Erfahrung bei Großturnieren vorzuweisen hat. Eden Hazard, Torhüter Thibaut Courtois, Axel Witsel, Kevin De Bruyne oder Romelu Lukaku standen schon bei der WM in Brasilien vor sieben Jahren auf dem Feld. Belgiens Hintermannschaft ist jedoch auch nicht mehr die jüngste. Federico Chiesa, Ciro Immobile oder Leonardo Spinazzola könnten Mancinis Trümpfe werden, vermutete die "Gazzetta".

Belgien setzt Romelu Lukaku dagegen. Der Mittelstürmer der "Roten Teufel" hat Inter Mailand in der Serie A mit seinen 24 Treffern zum Titel geführt. Der Respekt des Gegners ist groß. Gleichzeitig kenne man Lukaku natürlich bestens, betonte Rechtsverteidiger Giovanni Di Lorenzo. "Er muss unter Kontrolle gehalten werden. Aber Belgien hat viele starke Spieler", meinte der Napoli-Profi. Verstärkung gibt es in Giorgio Chiellini. Der erfahrene Kapitän ist nach seinen Muskelproblemen wieder im Training und soll zur Verfügung stehen, um Lukaku zu entschärfen.

Bei Belgien drehte sich beinahe alles um die Fitness von Eden Hazard und De Bruyne. Vor allem der am Knöchel verletzte De Bruyne gilt als Schlüsselspieler. "Sie haben heute nicht mittrainieren können, das haben wir erwartet. Wir haben noch 24 Stunden und sind positiv gestimmt", sagte Trainer Roberto Martinez am Donnerstagabend. "Wir wissen, dass wir gegen die Zeit spielen. Wir werden bis zur letzten Minute warten müssen. Wir werden morgen sehen, ob sie spielen können oder nicht."

De Bruyne von Manchester City hatte beim 1:0 gegen Portugal im Achtelfinale eine Verletzung am Sprunggelenk erlitten, bei Real Madrids Hazard war von einer Muskelverletzung die Rede. "Wir wollen die Spieler fit bekommen, wir sind im Turniermodus", sagte Martinez am Donnerstag. Das Duo konnte nur individuell trainieren.

Bei Hazard sei ein Einsatz mit dieser Verletzung schwieriger, bei De Bruyne sei es mit der Gelenkblessur "vielleicht etwas besser". Martinez hob nochmals den Wert des früheren Wolfsburgers De Bruyne hervor: "Kevin De Bruyne ist der beste Spielmacher im Weltfußball."

Die Kreise des Stars von Manchester City soll wie im Finale der Champions League - als De Bruyne mit einer Gesichtsverletzung vom Feld musste - wieder Chelseas Jorginho stören. Der gebürtige Brasilianer gibt im italienischen Spiel den Takt vor. "Er hat eine überdurchschnittliche fußballerische Intelligenz. Es ist sehr schwer, ihn zu stoppen", sagte Jorginho über De Bruyne. Furcht habe man vor den Belgiern aber keine. "Wir müssen mit Respekt vor dem Weltranglisten-Ersten in die Partie gehen, aber alle Mannschaften haben Schwachpunkte."

Belgien hat seit September 2018 in 33 Partien bei 27 Siegen nur fünfmal nicht gewonnen: Gegen die Schweiz (2:5, November 2018) und England (1:2, Oktober 2020) setzte es in der Nations League Niederlagen. Dazu kommen drei Remis in Freundschaftsspielen. An Selbstvertrauen mangelt es demnach ebenfalls nicht. Ein anderer Italien-Experte sprach mit Blick auf die Altersstruktur im Team von der Sehnsucht nach einem Titel. "Wir müssen diese Chance ergreifen", meinte Offensivmann Dries Mertens von Napoli.

Italien, so Mertens, habe bei der EM vielleicht viele verblüfft. "Die Leute haben nicht erwartet, dass sie Angriffsfußball spielen. Aber sie haben großes Vertrauen darin gezeigt." Er sei ein großer Bewunderer, so der Stürmer, der bei Napoli den Torrekord von Diego Maradona gebrochen hat.

Martinez stellte sich auf einen angriffslustigen Gegner ein. "Italien wird ab der ersten Minute attackieren, sie spielen sehr dynamisch. Sie sind 31 Spiele ungeschlagen. Das passiert nicht, wenn du nicht eine sehr gute Mannschaft bist", betonte Belgiens Teamchef. Seine Elf habe jedoch gegen Portugal gezeigt, dass man es mit den Besten aufnehmen kann. "Es ist eine Aufgabe, auf die wir uns sehr freuen."

Quelle: Agenturen