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College-Titel von Transgender-Schwimmerin sorgt für Debatte

23. März 2022 · Lesedauer 3 min

Nach dem Sieg von Transgender-Schwimmerin Lia Thomas bei den US-College-Meisterschaften in Atlanta in der vergangenen Woche geht die Debatte über die sportliche Fairness weiter.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis unterzeichnete am Dienstag eine Erklärung, in der die zweitplatzierte Emma Weyant aus Florida als Siegerin des Bewerbs anerkannt wird. "Sie hatte die schnellste Zeit aller Frauen im College-Sport", begründete der Republikaner dies.DeSantis, der als einer der möglichen Bewerber um die US-Präsidentschaft im Jahr 2024 gilt, führte in einer Pressekonferenz weiter aus, dass die NCAA (National Collegiate Athletic Association) "im Grunde Anstrengungen unternimmt, den Frauen-Sport zu zerstören. Sie versucht, die Integrität des Wettbewerbs zu untergraben". Der nationale College-Verband äußerte sich vorerst nicht zu DeSantis' Statement.

Lia Thomas siegte in Atlanta über die 500 Yard im Freistil. Die 22-Jährige trat für die University of Pennsylvania zunächst mit mäßigem Erfolg als Mann bei Wettkämpfen an, ehe sich sie im Frühling 2019 einer Hormontherapie unterzog. Thomas erzielt seither Bestzeiten. Ihre Teilnahmeberechtigung bei Frauen-Rennen wird kritisch hinterfragt, da sie laut Meinungen von Beobachtern einen unfairen physiologischen Vorteil habe. In Atlanta gab es vor dem Schwimmcenter deshalb vereinzelt Proteste.

Für Debatten sorgte auch ein Siegerfoto, in denen Thomas abseits steht, während die hinter ihr platzierten Schwimmerinnen gemeinsam posieren. Die drittplatzierte Olympia-Starterin Erica Sullivan betonte danach auf Instagram, dass das Bild "verdreht" werde. "Mir tut es leid für Lia. Wenn du dir vorstellst, in einem Team zu sein, wo du weißt, dass du von einigen Leuten nicht akzeptiert wirst, das ist einfach ein fürchterliches Umfeld", sagte Sullivan.

US-Schwimmverband schaffte Richtlinien 

Der US-Schwimmverband stellte erst kürzlich neue Richtlinien vor, die Transgender-Teilnehmer befolgen müssen, um in Elite-Wettkämpfen antreten zu dürfen. Dabei ist unter anderem ein Testosteron-Grenzwert vorgesehen. Diese Regelungen kommen in dieser Saison aber noch nicht zur Anwendung.

Dass das Thema ein sensibles ist, zeigen auch Äußerungen von Sebastian Coe. Der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics, selbst durch die Thematik um die südafrikanische Mittelstreckenläuferin Caster Semenya involviert, sagte zu der Causa um Thomas gegenüber der englischen Zeitung "The Times": "Die Integrität des Frauen-Sports, wenn wir es nicht richtig angehen, und eigentlich auch die Zukunft des Frauen-Sports sind sehr fragil. Das sind heikle Themen, gesellschaftliche Themen - sie gehen über den Sport hinaus."

Coe betonte, dass es schwierig sei, die Debatte emotionslos zu führen. Es gelte, sich so weit es geht an der Wissenschaft zu orientieren. In der Leichtathletik wird ein niedriges Testosteron-Level für zumindest zwölf Monate vorgeschrieben, ehe eine Athletin an Bewerben teilnehmen kann. Laut Coe wird angestrebt, diesen Zeitraum zu vergrößern. "Es gibt keine Frage, dass Testosteron der Schlüsselfaktor bei den Leistungen ist."

Quelle: Agenturen