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Biathleten erwartet in China "windige Angelegenheit"

31. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Die österreichischen Biathleten haben wenige Tage vor dem Olympia-Auftakt erstmals Bekanntschaft mit den Strecken in Zhangjiakou gemacht. Weltmeisterin Lisa Hauser und Felix Leitner berichteten am Montag von guten Bedingungen. Eisige Temperaturen von fast minus 20 Grad und starker Wind verschärften das Eingewöhnen aber beträchtlich. Die Loipen auf über 1.600 m Seehöhe sind Neuland für alle, die Weltcup-Generalprobe im Vorjahr fiel wegen Corona aus.

Für Medaillenhoffnung Hauser sind es die dritten Winterspiele, ein Top-20-Ergebnis ist ihr bisher noch nicht gelungen. Nach einem Sieg und einem zweiten Platz zu Saisonbeginn sowie weiteren Spitzenergebnissen ist sie in China als Gesamtweltcupvierte aber hoch einzuschätzen. Ihre ersten Eindrücke von der Loipe und der Unterkunft sind positiv. "Es war richtig cool. Mir taugt es, auf neuen Strecken zu laufen. Vom Verlauf kommt es mir technisch sehr entgegen. Das Stadion und auch das Dorf gefallen mir, ich fühle mich wohl", erläuterte die Tirolerin nach der zweiten Laufeinheit bei Temperaturen zwischen minus 17 und minus 19 Grad.

Ein Störfaktor könnte neben der Eiseskälte auch der am Montag sehr lästige Wind werden. "Am Schießstand war es schon schwierig. Der Wind wird ein großes Thema werden. Ich hoffe, dass bei den Rennen faire Verhältnisse am Schießstand sind", meinte die Tirolerin und berichtete anlässlich eines Online-Medientermins von bisher reibungslosen Abläufen inklusive durchwegs negativer PCR-Tests im Team. "Das war natürlich für alle eine Erleichterung."

Bis zum Auftakt am Samstag mit der Mixed-Staffel stehen noch weitere Trainings und Skitests mit dem fünfköpfigen Serviceteam, das 350 Paar Ski mitgebracht hat, auf dem Programm. Hauser nimmt ihre Mitfavoritenstellung an, wähnt sich aber noch nicht in Hochform. "Natürlich ist es für mich eine neue Situation, mit so guten Ergebnissen zu Olympia zu reisen. Ich freue mich darauf, bin mir aber noch unsicher, wie meine Form steht. Ich habe das Gefühl, dass es mit den Rennen erst kommen wird", erläuterte die Massenstartweltmeisterin und WM-Zweite in der Verfolgung.

In China wird sie die Maximalzahl von sechs Bewerben laufen, das sei in zweieinhalb Wochen machbar. "Die Rennen sind gut verteilt, es ist stressfreier als bei einer WM." Die Mixedstaffel sei ein willkommener Start. "Wir haben ein sehr gutes Klima im Team, darauf freut man sich riesig."

Riesig war im Vorjahr bei der WM auch die Überraschung durch WM-Silber in dieser Disziplin. Ähnliches erträumt man sich wieder. Mit welchem Aufgebot, ließ sich Trainer Ricco Groß noch nicht entlocken. "Wir werden unsere Mixed-Staffel so formieren, dass sie uns hoffentlich gleich einen tollen Einstieg beschert wie letztes Jahr. Es wäre toll, wenn so etwas wieder passiert. Natürlich wollen wir um die Medaillen mitkämpfen", betonte der deutsche Olympiasieger, der seine neunten Winterspiele miterlebt.

Wie Hauser befürchtet auch er "eine sehr windige Angelegenheit", hinzu kommen die aktuell tiefen Temperaturen. "Heute war es mit der Kälte und dem Wind eine große Herausforderung." Die "sehr kräfteraubenden" Kunstschneestrecken seien aber bestens präpariert, so Groß. Leitner sprach von brutaler Kälte. "Lässig ist es nicht, aber es wird wärmer, habe ich gehört. Kälte und Wind, das ist eine ganz schlechte Kombination."

Der Olympiadebütant und das restliche Männer-Team mit Routinier Simon Eder sind anders als Hauser nur Außenseiter. Die Hoffnung auf Edelmetall bestehe aber. "Es wird extrem schwierig, aber ich glaube schon, dass was drinnen ist, davon bin ich auch überzeugt", sagte der im Saisonverlauf bereits einmal viertplatzierte Leitner. Seine ersten Olympia-Eindrücke sind positiv, die Unterbringung, das Essen und der kurze Transport ins Stadion seien zufriedenstellend. "Es geht uns gut. Die Zimmer sind deutlich besser und größer, wie wir es uns vorgestellt haben. Jeder hat ein Einzelzimmer", sagte Leitner und zeigte sich besonders beeindruckt von der naheliegenden Skisprunganlage.

Als gewöhnungsbedürftig, aber verständlich erachten Hauser, Leitner und Groß die besonders strengen Corona-Maßnahmen inklusive der in Ganzkörperschutzanzügen vermummten Mitarbeiter. "Als wir hier gelandet sind, war es für viele relativ erschreckend. Man kommt sich vor wie auf dem Mars, mit den weißen Anzügen und Brillen", meinte Groß. Damit und den täglichen PCR-Tests müsse man sich aber ohnehin abfinden.

Quelle: Agenturen