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Bayern-Coach Nagelsmann droht rauer Wind

13. Apr. 2022 · Lesedauer 4 min

Die erste Saison als Trainer des deutschen Fußball-Rekordmeisters hatte sich Julian Nagelsmann anders vorgestellt. Das gab der Coach des FC Bayern am Dienstag nach dem Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinale gegen Villarreal zu. Nach dem Triple- platzte in München auch der Double-Traum.

Da mit dem Meistertitel nur eine Trophäe wartet, muss man sich mit einem Dasein als Single-Champion anfreunden. "Ich glaube nicht, dass das für Bayern ausreichend ist", sagte Nagelsmann. Auf den 34-Jährigen, der im Sommer für den als DFB-Nationalcoach angelobten Hansi Flick übernahm, wartet nun eine eher ungemütliche Zeit mit vielen medial ausgetragenen Diskussionen. "Er muss sich auf den rauen Wind beim FC Bayern einstellen", sagte Bayern-Legende Lothar Matthäus im TV-Studio von Sky Sport Austria. Bei seiner 25. Champions-League-Teilnahme scheiterte der FC Bayern zum achten Mal im Viertelfinale. Und das schon zum zweiten Mal nacheinander.

Diesmal war die Endstation aber kein Gigant des europäischen Clubfußballs, gegen den die Bayern-Bosse unterlegene eigene Finanzmittel ins Treffen hätten führen können. Wie im Vorjahr, als man gegen Paris Saint-Germain den Hut ziehen musste. Der Gesamtmarktwert des amtierenden Europa-League-Siegers Villarreal beträgt etwa nur die Hälfte jenes von Bayern. "Villarreal ist halt vom Namen her eigentlich nicht der Gegner, wo man ausscheiden darf", urteilte Matthäus nach einem 1:1, das in Summe (1:2) zu wenig war.

Nagelsmann: "Minimalziel nicht geschafft" 

Außerdem war im Rückspiel viel Glück für die Spanier dabei. Als Samuel Chukwueze kurz vor Schluss einen von nur wenigen zielgerichteten Angriffen des "Submarino Amarillo" (Gelben U-Boots) im Tor versenkte, traf er nicht einmal den Ball richtig. Umso tiefer sitzt der Frust nun bei den Münchnern. "Wir sind im Cup ausgeschieden, in der Champions League ausgeschieden", fasste Nagelsmann zusammen. "Das Semifinale ist immer ein bisschen das Minimalziel, und das haben wir nicht geschafft." Die Niederlage gehöre "sicher zu den Top drei dazu", die er in seiner Karriere erlebt habe.

Als "extrem bitter" bezeichnete Offensivspieler Thomas Müller das Aus. "Wir haben ein engagiertes Spiel gemacht, ein gutes Spiel gemacht." Allerdings nutzten die Bayern ihre Chancen vor allem in der zweiten Hälfte nicht. "Die Niederlage zu akzeptieren, da weiß ich auch nicht genau, was ich sagen soll", gestand Müller ein.

Kahn nimmt Spieler in Schutz 

Vorstandschef Oliver Kahn nahm die Spieler in Schutz. "Mehr Einsatz und Wille als die Mannschaft gezeigt hat, geht kaum", befand der frühere Weltklasse-Torhüter. "Natürlich sind wir hier im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden. Deswegen werden wir aber nicht in Tränen ausbrechen beim FC Bayern." Man werde nächstes Jahr wieder die Möglichkeit haben und erneut angreifen.

Was nun auf ihn zukomme, wisse er nicht, sagte Nagelsmann mit einer Mischung aus Trotz und Ratlosigkeit. "Angst habe ich aber nicht. Da gibt es Schlimmeres", meinte der frühere Hoffenheim- und Leipzig-Coach, der das erste Mal bei einem Großclub in unruhigerem Fahrwasser ist. Die große Frage ist, was im Sommer in Sachen Transfers in München passiert. Die Verträge der Topspieler Müller, Robert Lewandowski, Manuel Neuer und Serge Gnabry laufen aus. Einige wollen, so ist zu vernehmen, den Club verlassen. ÖFB-Spieler Marcel Sabitzer ist mit kaum Einsatzzeit klarerweise auch nicht zufrieden.

Kommt ein Umbruch?

Unabhängig davon besteht Handlungsbedarf vor allem in der Abwehr, die nach dem Abgang von David Alaba zu Real Madrid selten solide wirkt. Böse Stimmen meinen, das Aus im Viertelfinale sei noch eine gesichtswahrende Lösung für den FC Bayern gewesen, da der wahrscheinliche Halbfinalgegner Liverpool die die Defensivschwächen schonungslos aufgedeckt und mehr Tore als Villarreal gemacht hätte. Die Spanier hatten das Hinspiel zu Hause 1:0 gewonnen.

So oder so steht für Nagelsmann fest, dass die erste Priorität nun der Gewinn der deutschen Meisterschaft ist. Der Titel sollte mit einem Neun-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund bei fünf ausständigen Spielen nicht mehr in Gefahr sein. Allerdings entsprachen die Leistungen zuletzt auch in der Liga nicht der Qualität des Kaders. In der Vorwoche zitterten sich die Bayern-Profis zu einem 1:0-Erfolg gegen Augsburg. Nächster Gegner ist am Samstag Arminia Bielefeld.

Quelle: Agenturen / mpa