Abfahrer erleben im ersten Training eine Stelvio wie üblich
Die Topfavoriten Giovanni Franzoni (+0,16 Sek.), Marco Odermatt (+0,40), Dominik Paris (5./+0,94) und Vincent Kriechmayr (6./+1,00) zeigten bei dichter Bewölkung bereits recht ambitionierte Läufe. "Es war ein solides erstes Training. Im Mittelteil muss ich noch überzeugter fahren, aber ich bin beim ersten Mal schon schlechter runtergefahren", sagte Kriechmayr. "Ich habe ein paar Schläge erwischt, aber das ist die Stelvio."
Bormio präsentiert sich dieser Tage noch als verschlafenes Städtchen. Hier und dort waren noch letzte Aufbauarbeiten im Gange. Besonderes Olympia-Flair stellte sich vor nahezu leeren Tribünen im Training noch nicht ein. "Die Atmosphäre ist noch nicht zu 100 Prozent da, aber sie kommt, man spürt es", meinte der am Dienstag angereiste Kriechmayr. "Es ist ein großes Privileg, die eigene Nation unter den fünf Ringen präsentieren zu dürfen. Ich werde mein Bestes geben, dass ich mich dem würdig erweise."
Optisch schaue man jedenfalls "tadellos" aus, meinte der Oberösterreicher in Anspielung an die größtenteils in grau-schwarz gehaltene Arbeitskleidung. Erst am Ende der Gliedmaßen werden die Rennanzüge mit einem peppigen Rot auch farbig. "Ich hoffe, dass wir auch schnell sind", sagte Kriechmayr. Hemetsberger ergänzte: "Mir taugt das Design richtig, echt geil."
Hubschrauber für Möller
Nach einem unspektakulären Sturz von Fredrik Möller musste der Hubschrauber starten. Er renkte sich laut Angaben des norwegischen Verbandes die linke Schulter aus. Ob Olympia-Einsätze für Möller möglich sind, könne man noch nicht sagen. Eine Schrecksekunde erlebte auch Raphael Haaser (+2,38) bei einem Verschneider. Er legte es danach nicht mehr "auf der letzten Rille" an. "Ich bin dann eher mit Standgas runtergefahren und habe geschaut, dass ich sauber runterkomme." Er fühle sich nach einem im Kitzbühel noch spürbaren Infekt nun wieder "tiptop".
Stefan Babinsky vervollständigt das österreichische Abfahrtsquartett. "Es ist immer wieder eine Überwindung, wenn man in Bormio im Starthaus steht. Es ist doch eine der anspruchsvollsten Abfahrten, die wir im Kalender haben." Für Babinsky war am Mittwoch kaum ein Unterschied zum sonstigen Weltcup im Dezember spürbar. "Es war heute gleich dunkel wie im Dezember." Hemetsberger hatte das eher zweifelhafte Vergnügen, mit Nummer 1 den Testpiloten zu geben. "Man ist schon mehr angespannt als sonst. Im ersten Training schaut jeder der Nummer 1 zu, das ist auf jeder Abfahrt so", sagte Hemetsberger. "Ich habe mir ein bisschen 'Spazi' gelassen, es hat ganz gut gepasst."
Feurstein gibt den Reservemann
Lukas Feurstein warf sich als fünfter Österreicher und Reservefahrer ins Geschehen. Das Bormio-Debüt des Vorarlbergers endete mit einem Torfehler. Er versucht die Situation laut eigener Aussage bestmöglich anzunehmen, zu einem Olympiastart in Abfahrt, Super-G oder Riesentorlauf wird er nur im Verletzungsfall eines Teamkollegen kommen. "Das ist und war mir klar. Ich habe in Schladming die letzte Chance liegengelassen, um mich aufzustellen."
Zusammenfassung
- Beim ersten Olympiatraining auf der Stelvio in Bormio präsentierte sich die Piste wie gewohnt schlagig und weich, wobei der US-Amerikaner Ryan Cochran-Siegle die schnellste Zeit fuhr.
- Die österreichischen Topfahrer, darunter Vincent Kriechmayr (6./+1,00 Sek.), zeigten solide Leistungen, während Fredrik Möller nach einem Sturz mit ausgerenkter Schulter per Hubschrauber abtransportiert werden musste.
- Olympia-Atmosphäre kam im noch verschlafenen Bormio kaum auf, die Tribünen blieben nahezu leer und die Aufbauarbeiten liefen noch, doch die Athleten zeigten sich motiviert.
