Zeuge im Eurofighter-Untreue-Prozess hat "keinen Bock mehr"
Die Geschehnisse habe er "aus dem Gedächtnis gelöscht". Bei einer Befragung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) 2022 hatte H. noch deutlich mehr Angaben machen können. Ob er mittlerweile medizinische Probleme habe, fragte der Staatsanwalt deshalb. "Nichts Ernstes", sagte der Zeuge. In weiterer Folge wurden viele seiner früheren Aussagen thematisiert.
Gegengeschäfte für den Eurofighterkauf seien schon beschlossen worden, bevor er eine Leitungsfunktion bei EADS Deutschland (EADS-D) bekam. Er habe einfach umgesetzt, was festgeschrieben war, erinnerte sich H. noch heute. Die Strafe habe er damals angenommen, weil er ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien vorliegen hatte. Insgesamt sei er so günstiger ausgestiegen, sagte der frühere Manager. Der Vorwurf sei für ihn aber "eigentlich nicht" nachvollziehbar gewesen.
Angeklagt sind im aktuellen Prozess drei Personen - ein früherer Luftfahrtmanager sowie zwei mutmaßliche Lobbyisten. Laut WKStA sollen die drei H. geholfen haben, eine Schwarzgeld-Kassa zulasten des Konzerns einzurichten. EADS (heute Airbus) war Teil des Eurofighter-Konsortiums und hat später innerhalb dieses Zusammenschlusses die Verantwortung für die mit der Republik Österreich vereinbarten Gegengeschäfte übernommen. Die Strafe des EADS-Managers ist bereits getilgt; für die drei Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Sie haben die Vorwürfe am ersten Prozesstag vor gut zwei Wochen zurückgewiesen.
Der von der Anklage inkriminierte Schaden für EADS beträgt 65 Mio. Euro. Das Geld sollen die Beschuldigten mittels Scheinrechnungen von EADS an die Vector Aerospace LLP - laut WKStA ein Scheinunternehmen - geschickt haben.
Weitere Zeugin am Nachmittag
Konkrete Personen und Verantwortlichkeiten konnte H. am Mittwoch kaum benennen. Er habe "sehr viele Verträge unterschrieben" und diese nicht immer inhaltlich genau überblickt. Vector sei jedoch keine Briefkastenfirma gewesen, gab der Befragte an. 2022 hatte er noch von Treffen mit den Angeklagten berichtet, deren genaue Rolle bei Vector aber nie gekannt.
Nach der Befragung verlas das Gericht Verträge sowie eine Einvernahme. Für den Nachmittag ist eine weitere Zeugin geladen.
Zusammenfassung
- Im Untreue-Prozess zur Eurofighter-Causa sagte der ehemalige EADS-Manager H. per Video aus und zeigte sich wenig kooperativ, da er die Vorgänge laut eigener Aussage 'aus dem Gedächtnis gelöscht' habe.
- Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft drei Angeklagten vor, mittels Scheinrechnungen einen Schaden von 65 Mio. Euro bei EADS verursacht zu haben, wobei die Gelder an die angebliche Scheinfirma Vector Aerospace LLP geflossen sein sollen.
- H. gab an, Gegengeschäfte seien schon vor seiner Leitungsfunktion beschlossen worden, und er habe eine Strafe in Deutschland akzeptiert, um ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien wahrnehmen zu können.
