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Sobotka zu Ukraine-Flüchtenden: "Was wäre gewesen, wenn alle Österreicher nach 1945 geflohen wären?"

26. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

In einem "Club 3"-Talk verglich Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka die Lage der Ukrainer mit der Österreichs nach 1945.

"Die Ukrainer müssen in der Ukraine bleiben und letztlich ihr Land verteidigen. Was wäre gewesen, wenn alle Österreicher nach 1945 geflohen wären?", sagt Nationalratspräsident Wolfang Sobotka (ÖVP) am Freitag in der Talksendung "Club 3" von "profil", "Kurier" und "Kronen Zeitung". Es war seine auf die Frage, ob man flüchtenden Ukrainern Asyl gewähren soll, der er schlussendlich zustimmt.

Besonders hervorzuheben ist dabei die Jahreszahl 1945. Sobotka, er studierte Geschichte, vergleicht also den Angriffskrieg Russlands auf die er mit der Befreiung Österreichs vom NS-Regime 1945. SPÖ und NEOS bezeichneten Sobotka als untragbar.

Im Gespräch stellte er die Forderung, er solle den Vorsitz im U-Ausschuss abgeben, mit der Ausschaltung des Parlaments 1933 gleich. Den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verglich er mit der Befreiung Österreichs vom NS-Regime 1945. SPÖ und NEOS bezeichneten Sobotka als untragbar.

"Es wird nicht möglich sein, mit permanenten Unterstellungen jemanden rauszukicken", wehrte sich Sobotka abermals gegen Aufforderungen, er solle den U-Auschuss abgeben und weiter: "Dann könnte man auch die Zweite Präsidentin und den Dritten Präsidenten rauskicken. Und wer soll es dann machen? Das haben wir schon einmal gehabt - 1933."

SPÖ zeigt sich "fassungslos"

"Fassungslos" zeigte sich SPÖ-Vizeklubchef Jörg Leichtfried über die "unerträglichen Geschichtsvergleiche" Sobotkas. "Wenn Sobotka die Lage der Ukraine mit Österreich 1945 gleichsetzt - also den Angriffskrieg Russlands mit der Befreiung Österreichs vom NS-Regime - dann ist das eine Schande", meinte Leichtfried. Die Aussagen zur Ausschaltung des Parlaments 1933 seien wiederum ein weiterer Beleg, "dass er für das Amt ungeeignet ist".

Ähnlich reagierten die NEOS. "Das sind völlig jenseitige Vergleiche. Als Historiker weiß Präsident Sobotka das auch. Ich appelliere eindringlich an ihn, diese Aussagen umgehend zurückzuziehen und sich dafür zu entschuldigen", meinte deren stellvertretender Klubobmann Nikolaus Scherak in einer Aussendung.

Für den freiheitlichen Fraktionsführer im U-Ausschuss, Christian Hafenecker, ist Sobotka "nach diesen kruden historischen Vergleichen" als Vorsitzender untragbar. Dieser müsse "im Interesse der Würde des Hohen Hauses den Vorsitz abgeben", stattdessen solle die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) den Ausschussvorsitz übernehmen. Die Vergleiche mit 1933 bzw. 1945 seien jedenfalls "einfach nur mehr unfassbar", sagte Hafenecker.

Sobotka: Vergleich war "unpassend"

Sobotka selbst reagierte auf die Kritik und bezeichnete seinen Ukraine-Vergleich mit Österreich 1945 als "unpassend", wie sein Sprecher ausrichten ließ. Er habe lediglich zum Ausdruck bringen wollen, "dass es wichtig ist, in allererster Linie vor Ort den Menschen zu helfen und diese zu schützen". Auf das von ihm erwähnte Jahr 1945 ging er in der schriftlichen Stellungnahme nicht mehr ein, sondern betonte sein Engagement für das Projekt "Lächeln schenken - Verantwortung tragen" für sozial benachteiligte Waisenkinder aus Russland und der Ukraine.

Die Aussagen zum U-Ausschuss präzisierte Sobotka hingegen. Er habe zum Ausdruck bringen wollen, "dass heutzutage immer stärker mit Vorverurteilungen gearbeitet wird, unabhängig von der tatsächlichen rechtlichen Grundlage", so ein Sprecher des Nationalratspräsidenten zur APA. Die Geschäftsordnung des Nationalrates sehe Befangenheit für Abgeordnete - wie es auch die Präsidenten sind - nicht vor, da sie durch die Wahl legitimiert seien. Die Keule der Befangenheit könnte so gegen jeden Vorsitzenden gerichtet werden, was zur Folge hätte, dass der U-Ausschuss nicht durchgeführt werden könnte. Der Vergleich mit dem Jahr 1933 habe sich daher ausschließlich auf die Rücktritte von Vorsitzenden und nicht auf das von der Polizei des Dollfuß-Regimes verhinderte Zusammentreffen des Nationalrates bezogen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe