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Wissenschafter fordern mehr Bildungschancen für Flüchtlinge

11. Dez 2020 · Lesedauer 2 min

Mehr Bildungschancen für geflüchtete Menschen haben Wissenschafterinnen und Wissenschafter heimischer Unis, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in einem Offenen Brief eingefordert. Die Not vulnerabler Gruppen dürfe trotz einer medial alles überlagernden Pandemie nicht einfach hingenommen werden. Auch für Flüchtlinge müsse es qualitätsvolle lebenslange Lernmöglichkeiten geben, wird in dem Brief an politische Entscheidungsträger in Österreich und darüber hinaus appelliert.

Auf der Flucht müssten Menschen ihre Ausbildung an Schulen, Hochschulen und in Betrieben abbrechen, heißt es in dem Offenen Brief, der auf der Homepage von "Beeflip - Verein zur Förderung universitärer Bildungs- und Forschungsprojekte" veröffentlicht wurde und dort auch unterstützt werden kann. In der Folge hätten Menschen mit Fluchthintergrund allerdings kaum noch Möglichkeiten, an ihre schon erworbenen Kompetenzen anzuknüpfen und in europäischen Flüchtlingslagern würden viele Kinder schlicht keinen Unterricht bekommen. Das verstärke nicht nur prekäre Lebensumstände, die an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene würden so auch nach potenziell traumatisierenden Erfahrungen sich selbst überlassen und so ihre psychische Gesundheit gefährdet.

Die dutzenden Initiatoren und Erstunterzeichner - darunter etwa auch Bildungswissenschafter Michael Schratz, Sprachwissenschafterin Ruth Wodak oder Migrationsforscherin Judith Kohlenberger - plädieren für hochqualitative sprach- und traumasensible (Aus-)Bildungsangebote, vermittelt von professionellem pädagogischem Personal, das auch die relevanten Sprachkompetenzen mitbringen sollte. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Fluchterfahrung würden "vielfach große und erstaunlich erfolgreiche Anstrengungen" unternehmen, um Deutsch zu lernen. Um sie dabei zu unterstützen, brauche es allerdings einen inklusiven sprachsensiblen Fachunterricht, in dem auch die Erstsprache gewürdigt werde - und eine entsprechende Ausbildung der Lehrer.

"Politik darf vor ihrer Verantwortung nicht flüchten", betonen die Wissenschafter. Die Wahrung von Menschen- und Kinderrechten komme nicht nur den Menschen mit Fluchthintergrund zugute, sie sei auch Bedingung künftiger europäischen Wohlstands. "Auf dieser Grundlage muss allen Menschen, die in Europa Schutz suchen, solidarisch, respektvoll, wertschätzend und unter Achtung ihrer Würde begegnet werden."

(S E R V I C E - https://beeflip.at/offener-brief)

Quelle: Agenturen