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wiiw-Studie: Konsolidierung bremst Wirtschaftswachstum

18. Feb. 2026 · Lesedauer 2 min

Auch das nächste Doppelbudget wird im Zeichen der Konsolidierung stehen. Berücksichtigt werden sollten dabei negative Effekte des Sparkurses auf Wirtschaftswachstum, Einkommensverteilung und Beschäftigung, so das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) mit Verweis auf eine neue Studie. Demnach sinkt in Rezessionen die Wirtschaftsleistung für jeden weiteren Euro an Konsolidierung um deutlich mehr als einen Euro, im Aufschwung um rund einen halben Euro.

Untersucht wurden für die Studie die gesamtwirtschaftlichen Effekte von Budgetkonsolidierungen in zwölf EU-Staaten - Österreich, Belgien, Deutschland, Spanien, Finnland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Italien, Irland, den Niederlanden und Portugal - für den Zeitraum 1980 bis 2020. Dabei zeigte sich, dass die reale Wirtschaftsleistung in den untersuchten EU-Ländern infolge einer Konsolidierung im Ausmaß von 1 Prozentpunkt des BIP um etwa 0,6 Prozent im ersten Jahr sank. Drei Jahre später summierten sich die BIP-Verluste auf 1,6 Prozent.

Zudem stieg die Arbeitslosenquote an: um 0,6 Prozentpunkte im ersten Jahr, nach zwei Jahren in Summe um rund 0,9 Prozentpunkte. Gleichzeitig nahm die Einkommensungleichheit in der kurzen bis mittleren Frist zu. Die Inflationsrate wurde indes gesenkt, konkret um rund 0,35 Prozentpunkte nach rund einem Jahr und 0,15 Prozentpunkte mittelfristig.

Auch in Österreich, wo laut Plan der Regierung durchschnittlich 0,5 Prozentpunkte des BIP pro Jahr konsolidiert werden, zeigt der aktuelle Sparkurs laut wiiw wirtschaftliche Bremseffekte. Diese würden aber dank des zarten Aufschwungs geringer ausfallen, als das in einer fortgesetzten Rezession der Fall gewesen wäre. Konkret geht das Institut davon aus, dass die Budgetkonsolidierung das BIP bis zum Ende der Legislaturperiode 2029 um insgesamt rund 1,5 Prozent geringer ausfallen lassen könnte. "Sollte sich die Konjunktur aufgrund externer Faktoren erneut abschwächen oder sollten die nächsten Konsolidierungsschritte wachstums- und beschäftigungssensible Bereiche überproportional treffen, könnten die gesamtwirtschaftlichen Bremseffekte jedoch stärker ausfallen", so Studienautor Philipp Heimberger.

Um die negativen Effekte für Beschäftigung und Einkommensverteilung abzumildern, empfiehlt Heimberger einen ausgewogenen Mix von Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen. Vermieden werden sollten dagegen Kürzungen von öffentlichen Investitionen, da diese starke Bremseffekte erzeugen würden. Geringere wirtschaftliche Einbußen hätten außerdem Konsolidierungsmaßnahmen, die vorrangig finanziell gut gestellte Haushalte treffen, weil diese Einkommensverluste eher durch Ersparnisse abfedern können und dadurch der Konsum weniger gebremst werde.

Zusammenfassung
  • Eine neue wiiw-Studie zeigt, dass Budgetkonsolidierungen in zwölf EU-Staaten zwischen 1980 und 2020 das Wirtschaftswachstum dämpfen und im ersten Jahr nach einer Konsolidierung um 1 Prozentpunkt des BIP das BIP um etwa 0,6 Prozent sinkt.
  • Für Österreich prognostiziert das wiiw, dass der Sparkurs das BIP bis 2029 insgesamt um rund 1,5 Prozent verringern könnte, während die Arbeitslosigkeit im ersten Jahr einer Konsolidierung um 0,6 Prozentpunkte steigt.
  • Die Studie empfiehlt, öffentliche Investitionen nicht zu kürzen und Konsolidierungsmaßnahmen vorrangig bei wohlhabenden Haushalten anzusetzen, da diese Einkommensverluste besser abfedern können.