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Wiesenthal-Preis an palästinensischen Friedensaktivisten

Der Simon-Wiesenthal-Preis ist am Montag zum zweiten Mal vergeben worden. Der Hauptpreis der Auszeichnung, der im Parlament von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) überreicht wurde, ging an die israelische Holocaust-Gedenk-Initiative Zikaron BaSalon. Der palästinensische Friedensaktivist Mohammed Dajani und Waltraud Barton, Obfrau des Vereins IM-MER, der sich für das Gedenken an die NS-Vernichtungsstätte Maly Trostenez einsetzt, wurden ebenfalls ausgezeichnet.

Der jährlich mit 30.000 Euro dotierte Simon-Wiesenthal-Preis wurde 2020 initiiert und wird vom Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus vergeben. Ausgezeichnet werden damit bis zu drei Personen oder Organisationen für das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Antisemitismus sowie für die Aufrechterhaltung der Erinnerung an den Holocaust. Benannt ist der Preis nach dem als "Nazijäger" bekannt gewordenen Architekten und Publizisten Simon Wiesenthal (1908-2005). Er setzte sich zeitlebens dafür ein, dass NS-Verbrecher aufgespürt und vor Gericht gestellt werden. Für die heurige Auszeichnung wurden 264 Bewerbungen aus über 30 Ländern eingereicht. Nominiert wurden letztlich vier Initiativen für den Hauptpreis und je drei Personen bzw. Organisationen für die beiden Nebenpreise.

Im Rahmen der Preisverleihung im Nationalratssaal hielt die Schauspielerin Martina Ebm eine Lesung zu Ehren des kürzlich verstorbenen Wiesenthal-Preisträgers und Journalisten Karl Pfeifer. Weiters wurden zudem die Zeitzeugen Jackie Young, Lucia Heilman, Tswi Herschel und Wanda Albińska geehrt. Sie alle hatten den Holocaust als Kinder überlebt. Young und Heilman wurden in Wien geboren, Herschel stammt aus den Niederlanden und Albińska aus Polen. Zum Abschluss der Veranstaltung fand eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Gedenkens an die Shoah mit der Zeitzeugin Heilman, der Enkelin von Simon Wiesenthal und Gründerin der SWIGGI-Gedenkinitiative, Racheli Kreisberg, sowie Katharina von Schnurbein, Antisemitismusbeauftragte der EU-Kommission und Vorsitzende der Simon-Wiesenthal-Preis-Jury, statt.

DIE PREISTRÄGER 2022:

Hauptpreis (15.000 Euro):

Die 2011 in Israel gegründete Initiative Zikaron BaSalon ("Gedenken im Wohnzimmer") lässt Holocaust-Überlebende im Wohnzimmer von interessierten Gastgebern über ihre Erlebnisse berichten. "Die persönliche Begegnung in Wohnzimmern schafft ein Umfeld, das es Überlebenden oft erstmals möglich macht, über ihre Erinnerungen zu sprechen", heißt es in den Unterlagen zum Wiesenthal-Preis. Zikaron BaSalon bietet zudem vielfältige Materialien auf seiner Homepage an, um im eigenen Zuhause auch ohne persönliche Anwesenheit eines Überlebenden einen Erinnerungsabend zum Holocaust-Gedenktag zu gestalten. Dazu gehören aufgezeichnete oder niedergeschriebene Zeugnisse von Zeitzeugen, inspirierende Texte und Musik oder Vorschläge für Diskussionsthemen. Die Initiative will mit ihren Materialien dazu beitragen, das Erinnern an die Shoah im privaten Rahmen zu einem bedeutungsvollen Ereignis zu machen, das auch zum Nachdenken und zu Debatten anregt.

Preis für Engagement gegen Antisemitismus (7.500 Euro):

Mohammed S. Dajani ist ein palästinensischer Politikwissenschaftler und Friedensaktivist. Er wurde 1946 in Jerusalem geboren. In jungen Jahren engagierte er sich in der palästinensische Befreiungsbewegung, studierte im Libanon und lebte später in den USA. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem Mitte der 1990er-Jahre erlebte er ein Umdenken bezüglich der Israelis, die er zuvor als Feinde betrachtet hatte. Er war an der arabischen Al-Quds-Universität in Jerusalem als Professor tätig und gründete 2007 die Initiative Wasatia (etwa: Mittelweg), die sich im Namen eines moderaten Islam für Frieden und Verständigung zwischen Palästinensern und Israelis einsetzt. 2014 führte er eine Gruppe palästinensischer Studenten in das NS-Vernichtungslager Auschwitz. Dies erfolgte im Rahmen eines Projekts, wo Studenten palästinensischer Herkunft über den Holocaust und jüdisch-israelische Studenten über die Nakba ("Katastrophe", gemeint ist die Flucht und Vertreibung der Palästinenser nach der Gründung des Staates Israel 1948) informiert werden sollten. Dajani musste kurz nach der Reise aufgrund der massiven Empörung vonseiten der Palästinenser die Al-Quds-Universität verlassen und ist seitdem in seiner persönlichen Sicherheit gefährdet.

Preis für Aufklärung über den Holocaust (7.500 Euro):

Die Wienerin Waltraud Barton gründete 2010 den Verein IM-MER (Initiative Malvine - Maly Trostinec Erinnern), nachdem sie entdeckt hatte, dass jüdische Mitglieder ihrer Familie an der NS-Vernichtungsstätte Maly Trostenez (Maly Trostinec) nahe der belarussischen Hauptstadt Minsk ermordet worden waren. Die meisten der dorthin deportierten Juden wurden sofort nach ihrer Ankunft in einem nahe gelegenen Wald erschossen oder in Gaswagen getötet. Aufgrund von Bartons Engagement wurde im März 2019 ein Denkmal für die in Maly Trostenez ermordeten österreichischen Juden im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) und des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko eingeweiht.

( S E R V I C E:

Simon-Wiesenthal-Preis: https://www.wiesenthalpreis.at

Initiative Zikaron BaSalon: https://www.zikaronbasalon.com/en/

Bewegung Wasatia: http://www.wasatiamovement.com/

Verein IM-MER: http://www.im-mer.at/ )

ribbon Zusammenfassung
  • Der Simon-Wiesenthal-Preis ist am Montag zum zweiten Mal vergeben worden.
  • Der Hauptpreis der Auszeichnung, der im Parlament von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) überreicht wurde, ging an die israelische Holocaust-Gedenk-Initiative Zikaron BaSalon.
  • Die 2011 in Israel gegründete Initiative Zikaron BaSalon lässt Holocaust-Überlebende im Wohnzimmer von interessierten Gastgebern über ihre Erlebnisse berichten.