Wien bleibt bei 2G in Gastro, Sperrstunde ab 24 Uhr

03. Feb. 2022 · Lesedauer 4 min

Wien geht nur teilweise den einen eigenen Weg. Die Sperrstunde in der Gastronomie wird, wie schon vom Bund beschlossen, auch in Wien auf 24 Uhr verlegt. Die 2G-Regel im Lokal bleibt dennoch bestehen. Für den Handel entfällt allerdings die 2G-Pflicht.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat sich erneut mit seinem Beratergremium - mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bereichen wie Medizin oder Prognostik - besprochen. "Die Pandemie ist noch nicht vorbei", betont Ludwig zu Beginn der Pressekonferenz nach dem Experten-Gipfel am Donnerstag. Wien werde daher erneut einen eigen Weg einschlagen. In der Gastronomie soll auch weiterhin eine 2G-Regel gelten. Im Handel hingegen entfällt die 2G-Pflicht und auch die Gastro-Sperrstunde gilt demnächst österreichweit erst ab 24 Uhr.

Das sind die Maßnahmen im Überblick:

  • Gastronomie: 2G bleibt – im Gegensatz zum Bund: Hier gilt ab 19. Februar wieder 3G.
  • Ab 5. Februar: Sperrstunde erst ab 24 Uhr
  • Ab 5. Februar: Veranstaltungen mit zugewiesenen Sitzplätzen - nur FFP2-Maskenpflicht.
  • Ab 5. Februar: Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze - FFP2-Maskenflicht, 2G und ein Personenlimit von 50 Personen.
  • Ab 12. Februar: 2G fällt im Handel, FFP2-Maskenpflicht bleibt
Corona-Regeln in Wien 03.02.2022

Schon seit Beginn der Pandemie habe sich Ludwig für "bundeseinheitliche Regelungen" eingesetzt. Dennoch dürfe man auch weiterhin den Blick auf die Spitäler nicht verlieren. Die Ausbreitung der Omikron-Variante habe zu Personalmängel in den Wiener Spitälern gesorgt. Daher sei dort die Lage "weiterhin angespannt", betont der Bürgermeister. "Es ist keine Rede von einer spürbaren Entlastung", sagte Ludwig. Auch die Auswirkungen der neuen Variante BA.2 seien offen.

Der Bundesgesetzgeber müsse überlegen, gab Ludwig zu bedenken, wie man die neuen Regeln mit der Impfpflicht in Einklang bringe. "Eine Impfpflicht und 3G, das muss man intellektuell auch einmal, glaube ich, auf die Reihe bringen. Aber das ist nicht meine Aufgabe als bescheidener Bürgermeister."

Tests sollen weiter gratis bleiben

Bürgermeister Ludwig würdigte auch die Wiener PCR-Teststrategie. Diese habe die Möglichkeit gegeben, Infektionsketten sehr schnell zu erkennen. Er plädierte dafür, das System weiterzuführen. Auch in anderen Bundesländern sollte es hier einen Ausbau geben, befand er. Rufe nach einem kostenpflichtigen PCR-Testregime kritisierte er. 

"Wir in Wien sind überzeugt, dass uns diese Teststruktur hilft, andere Ausgaben zu vermeiden. Wir drängen eher darauf, dass man die Testmöglichkeiten in anderen Teilen Österreichs verstärkt." Schwerwiegende Einschränkungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes könne man sich dadurch ersparen, befand der Bürgermeister.

Eigenlob der Wiener ÖVP, Kritik an Gastro-Regel

Kritik am Wiener Sonderweg kam umgehend von der Volkspartei Wien, Lob hingegen gab es für die eigene Partei. "Der Druck der Volkspartei Wien hat seine Wirkung offensichtlich nicht verfehlt. Die vom Bund entschiedenen Lockerungen, die bekanntlich stufenweise erfolgen werden, werden von Wien nun fast gänzlich übernommen. Dies stellt eine wichtige Voraussetzung für die Existenz vieler Wirtschaftstreibender in Wien dar", so der designierte Landesparteiobmann der Volkspartei Wien, Stadtrat Karl Mahrer.

Finanzsprecher Manfred Juraczka kritisierte hingegen, dass es "weder gesundheitspolitisch noch wirtschaftspolitisch nachvollziehbar" sei, "konsumwillige Gastrobesucher einfach nach Niederösterreich abwandern zu lassen". 

Auf PULS 24 sieht Wolfgang Binder, der Obmann der Kaffeehäuser in der Wiener Wirtschaftskammer, es nicht ein, dass die 2G-Regel, in Wien beibehalten werden soll. Das sei "teilweise nicht nachvollziehbar", warum hier Wien strenger prüft, während man über der Stadtgrenze in Niederösterreich mit 3G in Lokale darf.

 Wolfgang Binder, der Obmann der Kaffeehäuser in der Wiener Wirtschaftskammer im PULS 24 Talk. 

Handelsverbands-Obmann Rainer Will spricht den Kollegen aus der Gastro sein Bedauern aus. Für den Handel seien die Lockerungen jedoch ein "Tag der Erleichterung" und ein Schritt zurück zur Normalität. Die Maske sei im Handel als Schutz vor Ansteckung ausreichend, so Will. Man müsse mit Inkrafttreten des Wiener Weges nun endlich nicht mehr Türsteher oder Sheriff spielen. 

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, über den Wiener Sonderweg bei den Corona-Maßnahmen. 

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea