Weiss: Russlands "Tag der Abrechnung" noch in der Ferne

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Diplomat Martin Weiss erklärt, warum Putin den Stand-Off mit Wagner-Führer Prigoschin gewonnen hat. Die Russinnen und Russen wüssten über den Krieg Bescheid, aber ob dem Taten folgen würden, das sei fraglich.

Am Samstag marschierte der Führer der Wagner-Truppen, Jewgeni Prigoschin, gegen Moskau. Zuvor hatte er den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu, sowie den Stabschef kritisiert und am Samstag auch Putin. Dieser mobilisierte dann gegen "Verräter" und rief den "Anti-Terror-Notstand" aus. Moskau bereitete sich auf den Einmarsch der Wagner-Truppen vor. 

Aber: Prigoschin pfiff seine 5.000 Söldner am Weg in die russische Hauptstadt zurück. Dann verabschiedete er sich nach Belarus – Staatschef Lukaschenko hatte zwischen ihm und Putin vermittelt. Gesehen wurde Prigoschin seitdem nicht mehr, die 20.000 Wagner-Truppen, die nicht am Aufstand beteiligt waren, sollen ins russische Heer eingegliedert werden, hieß es laut Putin-Sprecher Peskow. 

Letzter Ausweg?

Prigoschin hatte keine andere Wahl mehr gehabt, so Diplomat Martin Weiss. Er hätte nur noch den Kreml einzunehmen als Option gehabt und das wäre "immer unmöglich gewesen".

Wagner-Führer Prigoschin hätte aber erwarten können, dass der russische Führer Wladimir Putin den Verteidigungsminister Schoigu austauscht, analysiert der Diplomat im Interview mit PULS 24 Anchorwoman Nina Flori. Die Rechnung hätte so aufgehen können, auch ein Tausch an der Position des Generalstabchefs wäre vorstellbar gewesen.

Nun muss der Wagner-Führer eventuell mit dem Leben bezahlen. Denn Prigoschin habe den Russinnen und Russen die Wahrheit über den Krieg gesagt – "normale Bürger" wären bei diesen Aussagen ins Gefängnis gekommen.

"Was Prigoschin getan hat, ist, er hat den Russinnen und den Russen die Wahrheit über diesen Krieg gesagt. Er hat ihnen gesagt, 'der Krieg läuft schlecht, dort sterben Tausende von russischen Soldaten für nichts'".

Putin gewann Machtkampf, trotz kurzem Hebel

Es habe in diesem Konflikt immer wieder geheißen, dass Putin am längeren Hebel im Ukraine-Krieg sitzen würde – der Aufstand habe gezeigt, dass Putin nicht "der starke Mann im Kreml“ sei. Die Moral der Ukraine und auch der Westen würden hier gestärkt hervorgehen.

Das Problem Prigoschin sei nun gelöst, den Machtkampf hat Putin gewonnen – eine "furchtbare Niederlage" sei das nicht gewesen.

Wissen und Taten liegen weit auseinander

In Russland würde mit eiserner Hand regiert. Man würde in Moskau verhaftet werden, wenn man sich mit einem weißen Zettel auf die Straße stellt, so Weiss. Von etwas zu wissen und dann etwas zu tun – dazwischen würde ein weiter Schritt liegen.

Auch aufgrund der Sprache würden die Russen alles verstehen, was in der Ukraine passiert. Der Tag der Abrechnung würde noch kommen, denn alle gefallenen Soldaten haben Mütter und Schwestern, aber das wird noch etwas dauern, so Weiss.

ribbon Zusammenfassung
  • Diplomat Martin Weiss erklärt, warum Putin den Stand-Off mit Wagner-Führer Prigoschin gewonnen hat.
  • Die Russinnen und Russen wüssten über den Krieg Bescheid, aber ob dem Taten folgen würden, das sei fraglich.
  • Der Tag der Abrechnung würde noch kommen, denn alle gefallenen Soldaten haben Mütter und Schwestern, aber das wird noch etwas dauern, so Weiss.

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