Warum Wlanzy für viele Junge eine "interessante Alternative" ist

10. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Während Dominik Wlazny bei den über 60-Jährigen Wähler:innen nur drei Prozent erreicht hat, konnte er bei der Wahlgruppe der unter 30-Jährigen 20 Prozent erreichen. Was sollte uns dieses Wahlergebnis sagen?

Laut Jugendforscher Matthias Rohrer ("Das Zielgruppen Büro") würden sich junge Wähler in Österreich überdurchschnittlich häufig "weder von Parteien noch von aktuellen Politikern und Politikerinnen vertreten fühlen". Die Gruppe der unter 30-Jährigen sei eine, die "so oder so nach Alternativen sucht" - genau dies sei in dem von Dominik Wlazny erreichten Wahlergebnis sichtbar. 

Keine Jugendpolitik betrieben

Sowohl in Österreich als auch in anderen europäischen Ländern werde seit Jahrzehnten keine Jugendpolitik betrieben, meint Rohrer. "Wahlen werden bei den Älteren gewonnen, dementsprechend sind die dann oft auch das Hauptaugenmerk bei Wahlen und bei Wahlkämpfen und genau das spüren junge Menschen". Mit Wlazny sei eine Person da, "die selbst noch recht jung ist", was bei BP-Wahlen sehr ungewöhnlich sei. Er sei "eine interessante Alternative für junge Menschen, die sich von den klassischen Politikern und Politikerinnen und Parteien nicht vertreten fühlen".

Junge Menschen werden von Politik nicht ernst genommen

Wlaznys Ergebnis "sollte den anderen Parteien durchaus zu denken geben", meint der Jugendforscher. "Gerade bei den Jungen haben wir schon sehr lange ein anderes Wahlverhalten als bei den Älteren", so Rohrer. Sollte Wlazny bei Nationalratswahlen antreten, dann werden es vor allem die SPÖ, die Grünen und NEOS sein, die das bei den Prozenten spüren werden - wenn sie es nicht selbst schaffen, ein eigenes gutes Angebots für die Altersgruppe zu schaffen.

Besonders wichtig in Bezug darauf, sei das "Ernstnehmen von jungen Menschen". Momentan schaffe es keine Partei jungen Menschen zu vermitteln, dass sie und ihre Anliegen ernst genommen werden. "Und genau das wird ein großer Faktor sein, wo Menschen ihr Kreuzchen bei der Nationalratswahl machen werden", erklärt der Jugendforscher.

Wlazny: "Bin total zufrieden"

Wlazny: Zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit

Eva Zeglovits, Politikwissenschaftlerin und IFES-Geschäftsführerin, meint, es werde interessant, wie Wlazny sich bei der nächsten Nationalratswahl und der Wiener Gemeinderatswahl verhalten werde. Man könne davon ausgehen, dass er diesen "Boost, den ihm diese Bundespräsidentenwahl an Bekanntheit aber auch an Profil gegeben hat, nützen wird", meint Zeglovits.

Schwierig werde jedoch der "Spagat zwischen einer eher auf Ironie angelegten Bierpartei und einer Ernsthaftigkeit, die sich die Menschen dann vermutlich schon in einem gewissen Ausmaß wünschen".

Weitere Turbulenzen für Van der Bellen?

Für Alexander Van der Bellen sei "die Ausgangssituation nicht ganz leicht gewesen", meint die Politikwissenschaftlerin im PULS 24 Interview. Grund dafür sei, dass die Bevölkerung "momentan sehr unzufrieden ist mit der Performance der Politik". Jeder, der Teil dieser Politik und der Institutionen sei, habe automatisch "ein bisschen den schwarzen Peter". Daher sei das von Van der Bellen erzielte Wahlresultat "eigentlich gar kein schlechtes Ergebnis".

Ob Van der Bellen seine zweite Amtsperiode anders gestalten wird, hänge davon ab, wie viele Turbulenzen jetzt auf ihn zukommen. "Das war in seiner ersten Funktionsperiode sehr ungewöhnlich, wie viel da passiert ist. Von der Ibiza-Krise, Expertenregierung, die Angelobung einer Vielzahl von Minister:innen", so Zeglovits. Das sei nicht vergleichbar mit dem, was andere Präsidenten bisher gemacht haben. Als Bundespräsident sei er jedoch "kein aktiver Tagespolitiker" und die Politikwissenschaftlerin erwartet daher "keine komplette Stilwende".

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Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj