Rosenkranz bei Milborn: Nazis als Leistungsträger?

28. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Bei "Milborn Spezial" spricht der Bundespräsidentschaftskandidat der FPÖ, Walter Rosenkranz über seine Pläne als Bundespräsident. Außerdem rücken die Themen von "Nazis als Leistungsträger", Anstreifen am rechtsextremen Rand und die Russland-Sanktionen ins Zentrum.

Im Jahr 2009 schrieb der nunmehrige FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Walter Rosenkranz einen Beitrag für den Sammelband "150 Jahre Burschenschaften in Österreich" von Martin Graf. Dort enthalten ist eine Liste unter dem Titel "Burschenschafter als Leistungsträger in Österreich zwischen 1918 und 1938". Darunter finden sich Personen, die schon zu dieser Zeit aktive Nationalsozialisten waren und in der Nazi-Zeit Karriere machten.

Nichts von illegalem Nationalsozialisten gewusst

So auch "Dr. Hans Stich, Generalstaatsanwalt für Wien und Niederösterreich". Er war bereits 1930 Mitglied der NSDAP und wurde später von den Nationalsozialisten als "alter Kämpfer" zum Generalstaatsanwalt und SA-Standartenführer gemacht. In den letzten Kriegswochen erwirkte er zahlreiche Todesurteile und war an Hinrichtungen beteiligt. Als einziger Staatsanwalt wurde er dafür nach dem Krieg verurteilt.

Rosenkranz verteidigte diesen "Leistungsträger", da dieser bereits 1930 "staatsanwaltschaftlich tätig war", das rechtfertige jedoch "nicht, dass er auch Nationalsozialist wurde." Ob Stich illegaler Nationalsozialist gewesen sei, "kann sein", meinte Rosenkranz, wisse er aber nicht. "1930 bis 1938 war er Leistungsträger in Österreich als illegaler Nazi", konstatierte Rosenkranz letztlich.

"Das war wohl ein Fehler"

Weiters findet sich in der Liste "Mirko Jelusich, Redakteur der Deutsch-Österreichischen Tageszeitung", die eine extrem antisemitische nationalsozialistische Tageszeitung war. 1931 trat er der NDAP bei - als Schriftsteller wurde er von den Nazis für seine historisierenden Romane gefeiert, die "Führerfiguren" verherrlichten. Auch nach nach 1945 Kontakt zu Alt- und Neonazis.

Rosenkranz resümierte diese Ausführungen mit dem Satz: "Das war wohl ein Fehler, weil ich das wahrscheinlich von einer Quelle so unreflektiert übernommen habe."

Hans Giebisch, der 1933 der NSDAP beitrat und intensiv auf den Anschluss Österreichs hinarbeitete, kennt Rosenkranz "ausschließlich und eindeutig" als Dichter. Giebisch änderte seine Haltung nach 1955 nicht und wurde vom später verbotenen Verein Dichterstein Offenhausen ausgezeichnet.

Leibwächter aus Neonazi-Umfeld

Auch der Leibwächter von Rosenkranz rückte ins Zentrum des Interesses. Er war beim Wahlkampfauftakt des FPÖ-Kandidaten in Wels zu sehen und stammt aus dem Umfeld des Neonazis Gottfried Küssel. Das sei Rosenkranz jedoch nicht bekannt gewesen: "Ich kenne ihn nicht näher". Außerdem wäre die Firma, bei der der Leibwächter engagiert sei, von der Partei ausgesucht wurde. Bei der polizeilichen Untersuchung der Person sei nichts festgestellt wurden.

Aufsehen erregte auch ein Türsteher beim FPÖ-Parteitag, der den ORF-Journalisten Peter Klien nicht zum Parteitag zuließ. Der Türsteher gehört zu den Identitären, "ich kenne ihn nicht", sagte Rosenkranz.

Russland-Sanktionen beenden

Zu den Russland-Sanktionen sagte Rosenkranz: "Ich möchte die Sanktionen beendet haben. Ich möchte, dass Österreich nicht friert". Österreich habe an sich die Möglichkeit, ein Veto einzulegen, meinte Rosenkranz. Auch wenn er das selbst nicht auslösen könne, könne er mit der Regierung das Gespräch suchen. An letzter Stelle stünde aber auch die Entlassung der Regierung. Sollte sich bei einer Neuwahl jedoch eine Regierung finden, die sich für die Fortführung der Sanktionen ausspricht, habe er das aber zu "akzeptieren".

"Ich liebe Frauen"

Auf die Frage von Milborn, ob er Feminist sei, entgegnete Rosenkranz: "Ich liebe Frauen, derzeit nur eine". Eine Frauenquote befürwortet Rosenkranz jedoch nicht - "von Quoten halte ich überhaupt nichts". Bei Abtreibungen spricht er sich für "mehr Verantwortung" und auch den Schutz vor einer Schwangerschaft aus - Beratungen bei einem Schwangerschaftsabbruch will er verpflichtend machen.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp