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Verbesserungen in Kindergärten möglich

23. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Der akute Personalmangel bringt neuen Schwung in die Debatte über bessere Arbeitsbedingungen in den Kindergärten. Seit 30 Jahren sei über mehr Qualität in der Elementarpädagogik diskutiert worden, sagt Natascha Taslimi vom Netzwerk Elementare Bildung (NEBÖ) zur APA. Nach Protesten des Personals und nachdem Gruppen wegen Personalmangels schließen mussten, gibt es nun neue Initiativen von Bund und Ländern für bessere Rahmenbedingungen. "Jetzt kommt Bewegung in die Sache."

Laut einer aktuellen Studie von Uni Klagenfurt und Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) fehlen schon jetzt 1.800 Fachkräfte in den Kindergärten, bis 2030 könnten es bis zu 13.700 werden. Die Politik müsse mit bildungspolitischen Maßnahmen gegensteuern, so die Autoren der vom Bildungsministerium beauftragten Studie.

Aus der Praxis kommt schon seit Jahren der Ruf nach besseren Rahmenbedingungen, vor allem nach kleineren Gruppen und besseren Betreuungsverhältnissen. "Die Proteste haben gezeigt, dass die Menschen in der Elementarpädagogik sich das nicht mehr gefallen lassen", so Taslimi. Mittlerweile habe die Politik erkannt, dass sie etwas tun müsse, wenn es genug Personal für den von der Gesellschaft eingeforderten Ausbau der Kindergartenplätze geben soll - "und manche tun das schon sehr konkret mit sehr gezielten Plänen".

So haben sechs der neun Bundesländer in den vergangenen Wochen und Monaten Maßnahmen angekündigt. In der Steiermark, Kärnten, Vorarlberg, Nieder- und Oberösterreich sollen die Gruppen mittelfristig kleiner werden, in Wien wird zusätzliches Assistenzpersonal für die Drei- bis Sechsjährigen finanziert. In Kärnten soll es außerdem künftig ein einheitliches Gehaltsmodell für alle Kindergärten geben, in der Steiermark will man über Prämien und Stipendien zusätzliches Personal ansprechen.

Derzeit sind die Vorgaben etwa für Gruppengröße, Fachkraft-Kind-Schlüssel, Öffnungszeiten, Schließtage oder Qualifikation des Personals in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Gegen einheitliche Qualitätsstandards gewehrt haben sich die Länder bisher stets gewehrt. Im Zuge der im Frühjahr beschlossenen 15a-Vereinbarung mit dem Bund haben sie sich aber zumindest dazu verpflichtet, gemeinsame Richtlinien für die Rahmenbedingungen zu erarbeiten. Ein Projekt des Bildungsministeriums, das Anfang Dezember gestartet wurde und bei dem die EU den Ländern Experten zur Seite stellt, soll hier zusätzlichen Schwung bringen.

Die meisten dieser Maßnahmen hätten zwar eine gewisse Vorlaufzeit, räumt Taslimi ein. "Aber mit der Aussicht, dass es zwar jetzt beim Berufseinstieg noch nicht so optimal läuft, aber dann anders wird, kann man schon gut leben." Die Aussicht auf Besserung müsse nun auch ganz offensiv jenen vermittelt werden, die gerade die Ausbildung machen. Der Knackpunkt werde aber sein, ob die Länder die angekündigten Verbesserungen auch wirklich umsetzen. "Das werden wir uns genau anschauen", so Taslimi.

Zuletzt hat das Bildungsministerium, das bei den Kindergärten nur für die Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen zuständig ist, als Maßnahme gegen den Personalmangel an den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (Bafep) die Kolleg-Ausbildungsplätze für Erwachsene weiter ausgebaut. Immerhin gehen laut Studie acht von zehn Kolleg-Absolventinnen und -Absolventen in den Beruf, unter jenen der fünfjährigen Langform mit Matura-Abschluss hingegen nur die Hälfte. Zusätzlich gibt es an den Pädagogischen Hochschulen (PH) mittlerweile Ausbildungen für Quereinsteiger.

Das sei gut und die Personen in diesen Ausbildungsformen seien hoch motiviert, betont Taslimi, die selbst in der Elementarpädagogik-Ausbildung tätig ist. Gleichzeitig stellt sie klar: "Eine Personaloffensive wird ohne Verbesserung der Arbeitsbedingungen nicht viel bringen." Wenn das Personal nie das Gefühl habe so arbeiten zu können, wie es das in der Ausbildung gelernt habe, verlasse es das Feld nämlich wieder.

Quelle: Agenturen