APA - Austria Presse Agentur

US-Justiz soll Ermittlung zu Tod von Afroamerikaner prüfen

11. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Mehr als zwei Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jogger in den USA hat der Bundesstaat Georgia das Justizministerium in Washington um Ermittlungen gebeten. Der Generalstaatsanwalt von Georgia, Chris Carr, erklärte am Sonntag, seine Behörde wolle eine "vollständige und transparente Prüfung". Der Fall hat wegen der schleppenden Aufklärung landesweit für Empörung gesorgt.

Mehr als zwei Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jogger in den USA hat der Bundesstaat Georgia das Justizministerium in Washington um Ermittlungen gebeten. Der Generalstaatsanwalt von Georgia, Chris Carr, erklärte am Sonntag, seine Behörde wolle eine "vollständige und transparente Prüfung". Der Fall hat wegen der schleppenden Aufklärung landesweit für Empörung gesorgt.

Der 25-jährige Afroamerikaner Ahmaud Arbery war beim Joggen in einem Wohnviertel in Brunswick erschossen worden. Die Tat ereignete sich bereits am 23. Februar, es wurde aber niemand festgenommen. Erst nach der Veröffentlichung eines Videos wurden zwei verdächtige weiße Männer, der 64-jährige Gregory M. und sein 34 Jahre alter Sohn Travis, vergangenen Donnerstag festgenommen. Ihnen werden Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Carr richtete seinen Antrag zur Untersuchung des Umgang der örtlichen Behörden mit dem Fall an Justizminister Bill Barr. Laut Carr sollen in der Untersuchung unter anderem "die Kommunikation und Diskussionen" zwischen den mit dem Fall befassten Bezirksstaatsanwälten unter die Lupe genommen werden.

Das vergangene Woche veröffentlichte Video zeigt Arbery offenbar beim Joggen. Als er um den auf der Straße stehenden Kleintransporter der Verdächtigen laufen will, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Travis M., der ein Gewehr in der Hand hält. Dann fallen mehrere Schüsse und Arbery fällt zu Boden.

Gregory M. gab der Polizei zufolge an, Arbery für einen Einbrecher gehalten zu haben. Er habe deswegen zu seinem Revolver gegriffen und zusammen mit seinem Sohn die Verfolgung aufgenommen. Arbery habe seinen mit einem Gewehr bewaffneten Sohn dann aber "gewaltsam angegriffen".

Travis M. habe geschossen und Arbery getötet, erklärten die Ermittlungsbehörden dann am Donnerstag. Der erste mit dem Fall befasste Staatsanwalt hatte das Vorgehen der beiden Verdächtigen noch als legitim eingestuft und eine Festnahme nicht für nötig gehalten.

Der Vorfall und die Tatsache, dass die beiden weißen Männer zunächst nicht festgenommen worden waren, sorgte bei Politikern und Prominenten für empörte Reaktionen. Der designierte Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten, Joe Biden, schrieb auf Twitter, das Video sei "eindeutig": "Ahmaud Arbery wurde kaltblütig erschossen." Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich und nannte die Aufnahmen "sehr verstörend".

In einer Anzeige in der Sonntagszeitung "Atlanta Journal-Constitution" appellierten der US-Rapper Jay-Z und die Sängerin Alicia Keys an den Gouverneur und den Generalstaatsanwalt von Georgia, "sicherzustellen, dass ein fairer Prozess geführt wird".

Die tödlichen Schüsse wurden von vielen als Beweis für den tief verwurzelten Rassismus in Teilen der US-Gesellschaft gewertet. Sie erinnern zudem an die Tötung des unbewaffneten schwarzen Teenagers Trayvon Martin 2012 in Florida durch einen Nachbarschaftswächter, der letztlich wegen angeblicher Notwehr freigesprochen wurde.

Quelle: Agenturen