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UNO: Tausende fliehen in den Süden des Gazastreifens

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Am Samstag sind nach UNO-Angaben etwa 10.000 Menschen aus dem Norden des Gazastreifens Richtung Süden geflüchtet. Die Zahl beruht auf Schätzungen von UNO-Beobachterinnen und -Beobachtern vor Ort, berichtete das UNO-Nothilfebüro OCHA am Sonntag. Darunter seien auch unbegleitete Minderjährige gewesen. UNO-Generalsekretär António Guterres und UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk übten scharfe Kritik an Angriffen auf Schulen, in denen Zivilisten Zuflucht gesucht hatten.

Guterres zeigte sich am Sonntag "geschockt" über die Angriffe auf zwei Schulen. "Dutzende Menschen – viele Frauen und Kinder – wurden getötet und verletzt, als sie Schutz auf Gelände der Vereinten Nationen suchten. Ich betone erneut, dass UNO-Gelände unverletzbar ist", unterstrich der frühere portugiesische Regierungschef. Er erneuerte seine Forderung nach einer humanitären Feuerpause und dankte der katarischen Regierung für ihre Vermittlungsbemühungen. "Dieser Krieg hat jeden Tag eine niederschmetternde und inakzeptable Zahl an zivilen Opfern, darunter Frauen und Kinder", sagte Guterres. "Das muss aufhören."

Das humanitäre Völkerrecht verlange den Schutz von Zivilisten, betonte Türk am Sonntag in Genf. "Die schrecklichen Ereignisse der letzten 48 Stunden in Gaza sind unfassbar", teilte er mit. In einem Video, das in einer der Schulen aufgenommen wurde, waren zahlreiche Tote und Verwundete sowie weitreichende Zerstörung zu sehen. Das UNO-Hilfswerk für Palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) bestätigte den Angriff auf eine Schule, konnte aber nicht sagen, wie viele Menschen dort ums Leben gekommen waren.

Türk äußerte sich auch zur Flucht von hunderten Menschen aus dem Shifa-Krankenhaus, die um ihr Leben fürchteten. Hunderttausende seien vertrieben und auf der Flucht. Er kritisierte das israelische Militär, das Menschen in der Stadt Khan Younis im Süden des Gazastreifens über Flugblätter aufrufe, in Schutzunterkünfte zu ziehen. Die gebe es aber nicht: "Nirgendwo im Gazastreifen ist es sicher", so Türk. "Unabhängig von solchen Warnungen hat Israel die Pflicht, Zivilisten zu schützen, wo immer sie sich aufhalten."

Die Menschen folgten dem Aufruf der israelischen Streitkräfte, die seit Wochen verlangen, dass Zivilistinnen und Zivilisten den Nordteil des abgeriegelten Küstengebiets verlassen. Israel zufolge unterhält die islamistische Hamas im Norden in Krankenhäusern, Schulen und Wohnhäusern Kommandozentralen und Abschussbasen für Raketen.

Nach Angaben von OCHA berichteten Geflüchtete, sie hätten durch israelische Checkpoints mit Maschinen zur Gesichtserkennung gehen müssen. Israel fürchtet offenbar, dass sich bekannte Terroristen unter den Flüchtenden befinden. Einige Menschen wurden dort nach unbestätigten Berichten festgenommen.

Auch am Sonntag rief das Militär die Menschen im Norden erneut zur Flucht in den Süden des abgeriegelten Küstenstreifens auf - wie zuletzt täglich. Satellitenbilder zeigten dort erst vor wenigen Tagen eine große Menschenmenge bei der Flucht in den Süden.

Nach Darstellung der Armee gibt es im Süden in den für die Zivilbevölkerung ausgewiesenen Gebieten ausschließlich gezielte Angriffe auf Anführer der Hamas. Doch auch dort kommt es immer wieder zu Luftangriffen mit vielen Toten. Die Menschen leben im südlichen Gazastreifen unter extrem prekären Umständen, Helfer sprechen von einer humanitären Katastrophe.

ribbon Zusammenfassung
  • Am Samstag sind nach UNO-Angaben etwa 10.000 Menschen aus dem Norden des Gazastreifens Richtung Süden geflüchtet.
  • Unterdessen kritisierte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, die Angriffe auf Schulen, in denen Zivilisten im Gazastreifen Zuflucht gesucht hatten, scharf.
  • Hunderttausende seien vertrieben und auf der Flucht.
  • Einige Menschen wurden dort nach unbestätigten Berichten festgenommen.

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