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Ukraine: Zahl der Toten in Tschassiw Jar steigt auf über 30

11. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Nach dem russischen Raketenangriff auf Tschassiw Jar im ostukrainischen Gebiet Donezk ist die Zahl der aus einem zerstörten Wohnhaus geborgenen Toten auf 31 gestiegen.

Neun Menschen seien seit dem Wochenende lebend aus den Trümmern gerettet worden, erklärte der ukrainische Zivilschutz. Die Räumungsarbeiten dauern weiter an. Unterdessen bereitet Russland im Osten des Landes eine Großoffensive vor. Massiv angegriffen wurde auch die Stadt Charkiw, es soll drei Tote geben.

Gegenseitige Vorwürfe 

Die ukrainische Seite wirft Russland vor, in Tschassiw Jar gezielt Zivilisten attackiert zu haben. In Moskau wiederum wird behauptet, man habe lediglich ein militärisches Ziel zerstört. Bei dem Gebäude habe es sich um ein von Militärs genutztes Wohnheim gehandelt.

Bombardierungswelle auf Ost-Städte 

Der ukrainische Generalstab teilte am Montag mit, dass eine regelrechte Bombardierungswelle begonnen habe, die bereits mehrere Städte im Osten getroffen habe. Man erwartet, dass die russischen Streitkräfte eine Großoffensive in Donezk vorbereitet. Der Donbass ist ein von Industrie geprägtes Gebiet im Osten der Ukraine, in dem bereits seit 2014 von Russland unterstützte Separatisten weite Teile kontrollieren.

Charkiw liegt nordwestlich außerhalb des Donbass. Zu Beginn des Krieges am 24. Februar gab es dort schon einmal heftige Kämpfe. Den ukrainischen Streitkräften gelang es aber, die russischen Truppen zurückzudrängen. Bürgermeister Ihor Terechow sagte, die jüngsten Angriffe hätten vor allem die zivile Infrastruktur getroffen.

Gegenoffensive im Süden 

Im Süden bereiten die ukrainischen Streitkräfte unterdessen selbst eine Gegenoffensive vor. Vize- Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk rief am Sonntag die Zivilbevölkerung in der von Russland besetzten Region Cherson auf, diese zu verlassen. "Ich weiß mit Sicherheit, dass dort keine Frauen und Kindern sein und dass sie nicht zu menschlichen Schutzschilden werden sollten", sagte Wereschtschuk im Fernsehen. Wann die Gegenoffensive beginnen könnte, ließ sie offen.

Vermisste und Getötete 

Seit Beginn des russischen Einmarsches vor viereinhalb Monaten werden in der Ukraine offiziellen Angaben zufolge rund 7.000 Armeeangehörige vermisst. Darunter seien Soldaten, Nationalgardisten, Grenzsoldaten und Geheimdienstleute, sagte der ukrainische Vermisstenbeauftragte Oleh Kotenko am Montag. Der Großteil der Vermissten werde in russischer Gefangenschaft vermutet. Allein die Armee habe dabei etwa 2.000 Soldaten als verschollen registriert. Russland spricht davon, mehr als 6.000 Ukrainer in Kriegsgefangenschaft genommen zu haben. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Zahlen nicht.

Quelle: Agenturen