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Ukraine-Krise: Schwerste Gefechte seit Jahren - Putin plant Raketen-Manöver

18. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

In der Ostukraine finden aktuell die schwersten Gefechte seit 2015 statt. Inmitten der Spannungen mit dem Westen plant Russland ein Manöver mit Einsatz ballistischer Raketen.

Auch am Freitag gingen die heftigen Gefechte in der Ostukraine weiter. Diese sind nach Angaben aus Diplomatenkreisen die schwersten seit 2015. Bis Freitagfrüh habe die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) 80 Verstöße gegen die geltende Waffenruhe registriert.

In dem Gebiet stehen sich seit Jahren prorussische Separatisten und ukrainische Regierungstruppen gegenüber. Gegen die Waffenruhe wird regelmäßig verstoßen. In den vergangenen Tagen nahm die Intensität der Kämpfe jedoch offenbar deutlich zu. Das russische Präsidialamt bezeichnet die Lage in der Ost-Ukraine als potenziell sehr gefährlich. Die Berichte aus dem Gebiet seien "alarmierend".

Raketenabschüsse geplant

Für Samstag plant Präsident Wladimir Putin laut dem Verteidigungsministerium in Moskau eine Übung, bei der er auch selbst dabei sein soll. Ziel sei es, die Zuverlässigkeit der strategischen Nuklearwaffen zu testen. Die Armee will demnach ballistische Raketen und Marschflugkörper abfeuern. Ob Kremlchef Putin als Oberbefehlshaber zu der Übung reist oder sich per Video zuschaltet, war zunächst unklar. Das Manöver sei im Voraus geplant gewesen, teilte das Ministerium weiter mit. Russland testet mehrfach im Jahr Raketen. Das Land und die USA sind die beiden mit Abstand größten Atommächte der Welt.

Brunner: Geht "um Bilder"

"Zeit"-Journalistin Simone Brunner geht im PULS 24 Talk davon aus, dass es dabei vor allem darum geht, starke Bilder zu erzeugen. Putin wolle den Druck auf den Westen erhöhen. Es handle sich dabei um eine neue Eskalationsstufe, ein Ende der Krise sei nicht absehbar. 

Brunner zur Ukraine-Krise: Putin geht es "um starke Bilder"

"Die Zeit"-Journalistin Simone Brunner im PULS 24 Interview. 

Lukaschenko in Moskau

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ist unterdessen zu Beratungen mit seinem russischen Amtskollegen Putin in Moskau eingetroffen. Dabei dürfte es darum gehen, wie lange die russischen Truppen nach dem für den 20. Februar geplanten Abschluss des gemeinsamen Manövers in Belarus (Weißrussland) bleiben. Lukaschenko ließ am Donnerstag den Abzugstermin offen. "Wenn wir eine Entscheidung treffen, werden wir (die Truppe) innerhalb von 24 Stunden abziehen. Wenn wir uns für einen Monat entscheiden, bleiben sie einen Monat. Die Streitkräfte bleiben so lange wie nötig", sagt er der Nachrichtenagentur Belta zufolge.

Schüsse und Granaten in Ost-Ukraine

Ukraine optimistisch

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow schätzt die Wahrscheinlichkeit einer "großangelegten Eskalation" vonseiten Russlands gegenüber der Ukraine nach eigenen Worten als niedrig ein. Das sagt er im Parlament unter Verweis darauf, dass die ukrainischen Geheimdienste "jede Bewegung sehen, die eine potenzielle Bedrohung für die Ukraine darstellten könnte". Russland habe etwa 149.000 Soldaten rund um die Ukraine zusammengezogen und Tausende weitere würden in Kürze erwartet, fügt er hinzu.

Russische Manöver in der Nähe der Ukraine stoßen derzeit im Westen auf Kritik. Das Verteidigungsministerium hatte zuletzt angekündigt, dass seine Truppen nach Ende von Übungen wieder zu ihren Standorten zurückkehren sollten. Einige Soldaten sowie militärisches Gerät seien bereits abgezogen worden. Das wurde im Westen angezweifelt. Russland verlangt zudem vom Westen Sicherheitsgarantien für sich.

Quelle: Agenturen