APA - Austria Presse Agentur

U-Ausschuss-Cluster: Hafenecker offenbar mit Delta-Variante infiziert

08. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Beim mutmaßlichen Auslöser des Clusters, Christian Hafenecker, wurde die Delta-Variante festgestellt. Das teilte der Politiker via Twitter mit. Laut der Wiener Gesundheitsbehörde soll das Corona-Cluster aus dem Ibiza-U-Ausschuss mehr als 300 Personen umfassen.

Das Corona-Cluster im Ibiza-U-Ausschuss sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. FPÖ-Fraktionsführer im Ibiza-U-Ausschuss, Christian Hafenecker, teilte am Donnerstag mit, dass bei ihm die Delta-Variante festgestellt wurde. Der FPÖ-Politiker gilt als mutmaßlicher Ursprung des Clusters, da bei ihm die Corona-Infektion als erstes festgestellt worden ist. Mit dem Satz "Ich hoffe man sieht mir nach, dass ich das schon eine Stunde weiß" in dem Tweet geht er auf die Kritik ein, dass er seine Corona-Infektion möglichen Kontaktpersonen nicht eher mitgeteilt hat.

Über 300 Personen betroffen

Mit Stand Mittwoch sind laut der Wiener Gesundheitsbehörde bisher 339 Personen dem Cluster zuzurechnen, wie es im "Ö1-Morgenjournal" heißt. In dieser Zahl enthalten sind 9 positiv Getestete – inklusive FPÖ-Ausschussfraktionsführer Christian Hafenecker, seiner NEOS-Kollegin Stephanie Krisper und dem Grünen-Abgeordneten David Stögmüller – 30 Kontaktpersonen der Gruppe K1 und 300 der Gruppe K2. Die Mehrheit der K2 Kontaktpersonen sind Teilnehmer der Landesversammlung der oberösterreichischen Grünen. Stögmüller hat diese angegeben.

Die K1-Kontaktpersonen müssen nun für 14 Tage in Quarantäne, darunter auch geimpfte Personen. Hintergrund ist eine Verschärfung der Vorgaben bei der Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsministerium für jene, die erst eine Impfdosis erhalten haben (nur beim Vakzin von Johnson & Johnson reicht ein Stich für die Vollimmunisierung). Neben Genesenen können die Behörden grundsätzlich auch Geimpfte ab dem 22. Tag nach dem Erststich von K1 auf die Kategorie K2 herabstufen. Bei Verdacht auf die sich rasch ausbreitende Delta-Variante gilt diese Regelung nun für Teilimmunisierte allerdings nicht mehr, das bedeutet auch für diese Gruppe Quarantäne statt der bei K1-Personen vorgesehenen freiwilligen Kontaktreduktion. 

Laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein zeige das Cluster, dass die Pandemie noch nicht zu Ende ist.

Welche Person tatsächlich "Fall null" ist, also bei wem die Infektionskette begonnen hat, ist noch nicht geklärt. Diese Frage versuche man im Zuge des Contact Tracings zu klären, wird bei den Wiener Gesundheitsbehörden betont. Das werde allerdings nicht einfach werden.

Heftige FPÖ-Kritik im Nationalrat

Die FPÖ wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Hafenecker der Ursprung des Clusters sei. Parteichef Herbert Kickl verwehrte sich lautstark gegen den offenen Vorwurf von ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger. "Welches Recht haben Sie, den Abgeordneten Hafenecker als Superspreader darzustellen?" 

Laut FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz ließe das "konkrete Ergebnis des positiven, am vergangenen Donnerstag abgegebenen PCR-Tests" darauf schließen, dass die Ansteckungen "mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht auf ihn zurückgehen". Hafenecker wies laut FPÖ einen CT-Wert von fast 34 auf. Über 35 wäre der Test negativ gewertet worden, der Befund sei deshalb ein "schwach positives PCR-Ergebnis". Auch im PULS 24 Interview vom Dienstag bezeichnete Schnedlitz es als "Fake-News", dass sich der Cluster ausgehend von seinem Parteikollegen gebildet hätte. 

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz spricht mit PULS 24  über die Corona-Infektion von FPÖ-Fraktionsführer im Ibiza-U-Ausschuss, Christian Hafenecker.

In einer Aussendung warfen die Freiheitlichen der ÖVP eine "Sudelkampagne" vor. Es sei unerheblich, von wem die Infektionen im Parlament ausgegangen sind, so die FPÖ, denn "wer infiziert oder krank ist, ist nicht schuldig". Hafenecker sei Opfer wüster Beschimpfungs- und Drohschreiben und Zielscheibe unzähliger Hassposter geworden. 

Im Nationalrat warf Schnedlitz den Türkisen vor, den Cluster hochzuspielen, um von eigenen Versäumnissen im Mordfall Leonie und im Asylwesen abzulenken.

SPÖ- und NEOS teils im Homeoffice

Bei der Sitzung blieben einige Plätze leer. Die SPÖ-Fraktion des U-Ausschusses erschien am Mittwoch nicht im Parlament sondern blieb im Homeoffice. So handhabten das auch vier weitere U-Ausschuss-Mitarbeiter der NEOS und der Abgeordnete Helmut Brandstätter, dessen Test aber negativ ausfiel. Bei einem parlamentarischen Mitarbeiter könnte laut "Kurier"-Informationen, die sich auf den SPÖ-Klub beziehen, ein falsch-positives Ergebnis vorliegen. Ein PCR-Test wies ein negatives Ergebnis auf und werde nun noch einmal überprüft.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea