Van der Bellen ruft zur Teilnahme an Corona-Massentests auf

03. Dez 2020 · Lesedauer 5 min

Bundespräsident Alexander Van der Bellen fordert "einen strukturierten und wohldurchdachten Plan: vom Einhalten der Corona-Regeln über das Impfen bis hin zum Neustart der Wirtschaft".

Gleichzeitig appellierte das Staatsoberhaupt am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache zur Teilnahme an den Massentests. "Wir dürfen jetzt nicht lockerlassen. Und dann kommt der Sommer schneller, als wir glauben", appellierte der Präsident an die österreichische Bevölkerung.

TV-Ansprache von Bundespräsident Van der Bellen

"Es ist sehr wichtig, dass wir uns alle auch weiterhin an die Corona-Regeln halten: Händewaschen, Abstand halten, Mund-Nasenschutz tragen, gut lüften, und jetzt neu: testen gehen. Bitte gehen Sie hin! Damit können wir alle die Verbreitung des Virus entscheidend einschränken", so Van der Bellen. Gleichzeitig müsse man auch "ein funktionierendes, planvolles und überlegtes Tracingsystem umsetzen. Denn wir müssen die jeweiligen Infektionsquellen verlässlich finden. Ohne weitere Anstrengungen und Maßnahmen wird das nicht gehen."

"Wir kämpfen nicht gegeneinander, wir kämpfen gegen eine Pandemie."

"Dasselbe gilt für das Impfen", betonte Van der Bellen. "Bis wir damit beginnen können, muss die Zeit genutzt werden, auch diesen Vorgang präzise und umsichtig vorzubereiten." In diesem Zusammenhang mahnt der Bundespräsident auch Kooperation ein: "Wir kämpfen nicht gegeneinander, wir kämpfen gegen eine Pandemie. Und das am besten miteinander."

Als dritten, außerordentlich wichtigen Punkt seines Planes nennt Van der Bellen den Aufbau der Wirtschaft. "Ich wünsche mir einen geordneten, systematischen Plan, wie es mit unserer Wirtschaft und damit mit unseren vielen Arbeitsplätzen weiter geht." Er verweist auf viele offene Fragen, die für die Planbarkeit der Wirtschaft extrem wichtig seien und nennt als Beispiele: Was ist mit den Steuerstundungen? Wie geht es mit den Staatsgarantien weiter? Wie steht es um das Eigenkapital? Was ist eine gute Home Office-Regelung? "Diese Fragen müssen in einem Plan sorgsam balanciert und gemeinsam überlegt werden. Auch im gesamteuropäischen Kontext. Denn es steht viel auf dem Spiel: Unser Wohlstand, unsere Existenz, unsere Zukunft."

Warnung vor "Jojo-Effekt"

Der Bundespräsident warnt vor einen "Jojo-Effekt", den man nur durch eine Veränderung des Lebensstils und planvolles Handeln vermeiden könne. "Und das müssen wir gemeinsam jetzt über die Feiertage und den Winter auch tun." Zum Abschluss appellierte das Staatsoberhaupt an die Bürger: "Wir dürfen jetzt nicht lockerlassen. Wenn wir jetzt alle gemeinsam dranbleiben, wenn die Verantwortlichen umsichtig handeln, dann kriegen wir das gemeinsam hin. Und dann kommt der Sommer schneller, als wir glauben."

Die ganze Rede im Wortlaut

Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle Menschen die hier leben. Die Wochen des sogenannten harten Lockdown gehen zu Ende und ich möchte mich ausdrücklich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben, dass diese entbehrungsreichen Zeit auch einen Effekt hatte. Wie sich zeigt gehen die Infektionszahlen tatsächlich zurück. Leider noch nicht ganz so stark wie wir uns das erhofft haben - aber doch.

Aber: Die aktuelle Lage zeigt auch, dass die Gefahr mit dem Ende des harten Lockdowns noch nicht vorüber ist. Wir müssen uns weiter vorsehen denn das Virus schläft nicht. Es hält sich nicht an Wochenenden oder Feiertage. Wir müssen alles tun, um einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden. Einen Effekt, der dann einsetzt, wenn man sich lange Zeit beherrscht hat, dann glaubt sein Ziel erreicht zu haben und wieder lockerlässt. Wir alle wissen, dass man einen Jo-jo-Effekt nur durch eine Veränderung des Lebensstils und planvolles handeln vermeiden kann. Und das müssen wir jetzt gemeinsam über die Feiertage und den Winter auch tun.

Meine Damen und Herren: Es braucht jetzt eine strukturierten und wohldurchdachten Plan - vom Einhalten der Corona-Regeln über das Impfen bis hin zum Neustart der Wirtschaft

Es ist sehr wichtig, dass wir alle uns auch weiterhin an die Corona-Regeln halten: Hände waschen, Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen, gut lüften - und jetzt neu: testen gehen.

Bitte gehen sie hin. Damit können wir alle die Verbreitung des Virus entscheidend einschränken. Aber damit das alles wirklich glatt geht, müssen wir auch ein funktionierendes planvolles überlegtes Tracing-System umsetzen. Denn wir müssen die jeweiligen Infektionsquellen verlässlich finden.

Ohne weitere Anstrengungen und Maßnahmen wird das nicht gehen. Dasselbe gilt für das Impfen. Bis wir damit beginnen können muss die Zeit genutzt werden, auch diesen Vorgang präzise und umsichtig vorzubereiten. Dass die Impfung überhaupt zu rasch möglich sein wird zeigt übrigens wie effizient und grenzübergreifend kooperativ die Menschheit handeln kann, wenn es wirklich darauf ankommt.

Diese Kooperation wünsche ich mir auch von allen. Wir kämpfen nicht gegeneinander, wir kämpfen gegen eine Pandemie und das am besten miteinander.

Der dritte außerordentlich wichtige Punkt ist der Aufbau der Wirtschaft. Ich wünsche mir einen geordneten, systematischen Plan, wie es mit unserer Wirtschaft und damit unseren vielen Arbeitsplätzen weiter geht.

Es gibt viele offene Fragen, die für die Planbarkeit in der Wirtschaft extrem wichtig sind. Also zum Beispiel: Was ist mit den Steuerstundungen? Wie geht es mit den Staatsgarantien weiter? Wie steht es um das Eigenkapital der Unternehmen? Was ist eine gute Home-Office-Regelung? und so weiter und so weiter. Diese Fragen müssen in einem Plan sorgsam balanciert und gemeinsam überlegt werden, auch im gesamteuropäischen Kontext.

Denn es steht viel auf dem Spiel: Unser Wohlstand, unsere Existenz, unsere Zukunft. Ich bin mir sicher die Verantwortlichen werden ihre Verantwortung wahrnehmen. In der Politik, in der Sozialpartnerschaft, in den Interessenvertretungen, in Europa, im Bund, in den Ländern und Gemeinden. Dazu habe ich heute und gestern unter anderem mit einem allen Parteivorsitzenden gesprochen.

Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle Menschen die hier leben: Wir dürfen jetzt nicht locker lassen. Wenn wir jetzt alle gemeinsam dranbleiben, wenn die Verantwortlichen umsichtig handeln - dann kriegen wir das gemeinsam hin. Und dann kommt der Sommer schneller als wir glauben. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.

Quelle: Agenturen / Redaktion