AFP

Trotz Ukraine-Kriegs: Russland und USA tauschen Gefangene aus

27. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Inmitten des Ukraine-Konflikts haben Russland und die USA überraschend einen seit langem diskutierten Gefangenenaustausch ausgeführt.

Russland ließ den US-Amerikaner Trevor Reed frei und erhielt dafür den in den USA verurteilten Konstantin Jaroschenko, wie das russische Außenministerium am Mittwoch mitteilte. US-Präsident Joe Biden bestätigte in Washington die Freilassung Reeds. 

Zustandekommen überraschend

Über den Austausch hatten Biden und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin bei ihrem Gipfeltreffen in Genf im Juni 2021 gesprochen. Angesichts der angespannten Beziehungen der beiden Länder, deren Verhältnis sich durch den Ukraine-Krieg noch einmal drastisch verschlechtert hat, kommt die Entwicklung nun besonders unerwartet.

Urteil "absurdes Theater"

Die USA hatten immer wieder die Freilassung des 30 Jahre alten Reed gefordert. Er war im Juli 2020 zu neun Jahren Straflager verurteilt worden - wegen eines angeblichen Überfalls auf Polizisten und Widerstands gegen die russische Staatsgewalt im betrunkenen Zustand. Der US-Botschafter in Russland, John Sullivan, hatte das Urteil als "absurdes Theater" kritisiert. Auch Reeds Familie hatte bei der US-Regierung dafür geworben, alles für die Freilassung des Studenten zu tun. Der russische Pilot Jaroschenko wiederum war 2010 in den USA wegen Drogenschmuggels zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

"Wie im Film"

Reeds Eltern sagten am Mittwoch dem US-Fernsehsender CNN, sie hätten nach der Freilassung bereits mit ihrem Sohn sprechen können. Trevor sei nach eigenen Angaben über die Türkei ausgeflogen worden. "Das amerikanische Flugzeug landete neben dem russischen, und sie führten beide Gefangenen gleichzeitig hinüber, wie man es im Film sieht", sagte Trevor Reeds Vater Joey. Nach dem Abheben aus der Türkei habe Trevor dann angerufen.

Die Agentur Interfax meldete, Jaroschenko sei von der türkischen Hauptstadt Ankara aus mit einer Sondermaschine vom Typ Antonow An-148 in die russische Schwarzmeerstadt Sotschi geflogen worden.

Reeds russischer Anwalt Sergej Nikitenkow sagte, dass der Amerikaner nicht selbst den Austausch initiiert habe und beim russischen Präsidenten auch kein Begnadigungsgesuch gestellt habe. "Mit dem Austausch ist er aber einverstanden, billigt ihn, aber seine Schuld hat Trevor nicht eingeräumt", betonte Nikitenkow.

Gesundheit besorgniserregend

Reeds Eltern sagten, ihr Sohn sei bereits im Flugzeug von einem Arzt untersucht worden. Der Gesundheitszustand ihres Sohnes bereite ihnen Sorgen. "Wir beten, dass er keine Tuberkulose hat, aber wir sind immer noch besorgt, weil er seit Monaten Blut gehustet hat", sagte Vater Joey Reed.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, sagte, Reed benötige wegen seines Gesundheitszustands dringend medizinische Behandlung. Dies habe die Verhandlungen so dringlich gemacht.

Gesprächskanäle mit Russland offen

Der unverhoffte Gefangenenaustausch zeigt, dass es trotz der aktuell extremen Spannungen weiter durchaus diplomatische Gesprächskanäle zwischen Moskau und Washington gibt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte zuletzt öffentlich vor einem Dritten Weltkrieg gewarnt und gesagt, dass es im Unterschied zu früheren Zeiten besonderer Spannungen heute keinen direkten Draht zwischen Moskau und Washington mehr gebe, um sich im Ernstfall zu verständigen.

Biden erklärte mit Blick auf den Gefangenenaustausch: "Heute begrüßen wir Trevor Reed zu Hause und feiern seine Rückkehr zu seiner Familie, die ihn sehr vermisst hat." Der frühere US-Soldat sei nicht mehr in russischer Gefangenschaft. Biden dankte Sullivan und anderen für die Bemühungen um Reeds Freilassung. Die Verhandlungen hätten "schwierige Entscheidungen" erfordert, betonte er, ohne konkreter zu werden. Biden versprach, die US-Regierung werde sich auch weiter um die Freilassung anderer zu Unrecht inhaftierter Amerikaner bemühen. Ähnlich äußerte sich US-Außenminister Antony Blinken.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam