Tiroler bei Flüchtlingen mit "gemischten Gefühlen"
"Nur ein Fünftel hat überwiegend positive Gefühle und ein Fünftel hat überwiegend negative Gefühle gegenüber Geflüchteten", führte Hofinger bei einer Pressekonferenz im Innsbrucker Landhaus aus. Diese Ansicht sei in den vergangenen Jahren - seit zehn Jahren wird der Tiroler Integrationsmonitor erstellt - auch relativ stabil geblieben. Zudem herrschten bei einer befragten Person oftmals widersprüchliche Haltungen vor. Fast die Hälfte war etwa der Meinung, dass sich Österreich zuerst um die eigenen Probleme kümmern sollte - gleichzeitig waren sie der Ansicht, dass man Flüchtlinge menschenwürdig aufnehmen und vor Krieg schützen sollte. Diese "gespaltene" Gruppe der sogenannten "Value Shifters" wurde laut dem Geschäftsführer des Foresight-Instituts indes größer.
Zudem zeigten die 700 online und telefonisch befragten Personen ab 16 Jahren deutliche Unterschiede bei gewissen Themen. Während Zuwanderung im Bereich des Arbeitsmarktes, der Vielfalt und der Offenheit mehrheitlich gut gesehen wurde, zeigte sich beim Sozial- und Bildungssystem ein anderes Bild. Rund 60 Prozent waren der Ansicht, dass sich Zuwanderung dort "eher schlecht" auswirke. 42 Prozent vertraten dieselbe Meinung mit Bezug auf das Gesundheitssystem.
Laut Wohlgemuth, der sich auch für die Integrationsagenden verantwortlich zeichnet, zeigte der Monitor, dass "Integration im Alltag, in den Gemeinden, bei der Arbeit oder im Verein funktioniert". Immerhin seien rund 60 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler der Ansicht, dass das Zusammenleben in der eigenen Wohngemeinde mit Zugewanderten "sehr oder ziemlich gut" funktioniert. In Bezug auf Geflüchtete vertraten 52 Prozent diese Meinung. Für ganz Tirol lag diese Zustimmung mit 45 bzw. 37 Prozent deutlich niedriger.
Schnellerer Zugang zum Arbeitsmarkt gefordert, Asylkodex auf Eis
Fast 80 Prozent der Befragten sprachen sich indes für einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt aus, berichtete Hofinger. Für Wohlgemuth war dies indes kein Anlass, die bestehenden, "klaren Spielregeln" zu ändern. Diese seien "klar vereinbart und auch gut". Dennoch wolle er die Integration in den Arbeitsmarkt vorantreiben. Es gelte, bei der "Ausbildung" nachzuschärfen, betonte der Landeshauptmannstellvertreter etwa die Wichtigkeit, sich im Pausenraum "verständigen zu können".
Weit mehr als die Hälfte war zudem der Ansicht, dass sich Zugewanderte den österreichischen Gepflogenheiten anpassen und hierzulande herrschenden Werte und Regeln des Zusammenlebens akzeptieren sollen. "Integration ist keine Einbahnstraße", hielt Wohlgemuth dazu fest, der als Ziel das "Fördern und Fordern" ausgab. Den dafür von der schwarz-roten Tiroler Landesregierung geplanten und von Vorarlberg bereits umgesetzten "Asylkodex" wollte der Integrationsreferent momentan angesichts dahin gehender bundesweiter Pläne indes nicht weiterverfolgen. Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS plant beispielsweise Verwaltungsstrafen beim Abbruch von Integrationsprogrammen wie Deutsch- oder Wertekursen.
Mehrheitlich positiv bewerteten die Befragten indes die Arbeit der Tiroler Soziale Dienste (TSD). Dort wurde laut Wohlgemuth angesichts der sinkenden Asylzahlen ein Sparkurs verordnet. Insgesamt würden die Zahlen jener Menschen, die Grundversorgung beziehen, weiter zurückgehen. Anfang Februar waren es 1.446 Asylwerber und 948 ukrainische Vertriebene.
Zusammenfassung
- Rund 60 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler haben laut Integrationsmonitor "gemischte Gefühle" gegenüber Geflüchteten, während jeweils etwa ein Fünftel überwiegend positive oder negative Einstellungen zeigt.
- Fast 80 Prozent der Befragten befürworten einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt für Geflüchtete, wobei Zuwanderung im Bereich Arbeit und Vielfalt mehrheitlich positiv, im Sozial- und Bildungssystem jedoch überwiegend kritisch bewertet wird.
- Rund 60 Prozent der Tirolerinnen und Tiroler finden, dass das Zusammenleben mit Zugewanderten in der eigenen Gemeinde gut funktioniert, wobei die Zustimmung für Geflüchtete mit 52 Prozent etwas niedriger liegt und in ganz Tirol auf 37 Prozent sinkt.
