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Tirol-Wahl: Abwerzger für FPÖ "Landeshauptmannkandidat"

01. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Der Tiroler Landtagswahlkampf hat am Donnerstag weiter an Fahrt aufgenommen. Tirols FPÖ-Obmann Markus Abwerzger erklärte - beflügelt durch gute Umfragewerte - gegenüber der APA, dass er von der Landespartei zum Landeshauptmannkandidaten ernannt wurde. Prompt rief die ÖVP, der eine Umfrage nur mehr 26 Prozent auswies, eine Richtungsentscheidung aus und will einen FPÖ-LH verhindern. Und SPÖ-Chef Georg Dornauer schloss eine Koalition mit der FPÖ aus.

Abwerzger sprach von einem bis dato in der Geschichte der Freiheitlichen noch nie da gewesenen und abseits der ÖVP absolut ungewöhnlichen Schritt. Er gehe nach derzeitigem Stand von einem ÖVP-Ergebnis nur um die 30 Prozent aus. In einem solchen Fall sei "alles möglich" und könne die Volkspartei angesichts der dann dramatisch eingetretenen Verluste auch nicht mehr den Führungsanspruch bzw. die Führung der Regierung für sich allein reklamieren. Bei einem ÖVP-Ergebnis über 35 Prozent wäre dies hingegen sehr wohl der Fall. Dass man der ÖVP Platz eins abspenstig macht, wäre allerdings "schwierig". Den ersten Platz würden die Schwarzen wohl erringen, glaubte der FPÖ-Chef.

Trotz der Absage von Tirols ÖVP-Obmann Anton Mattle an eine Koalition mit den Freiheitlichen, schloss Abwerzger einmal mehr eine Regierungszusammenarbeit mit Schwarz nicht aus. Das Wahlergebnis werde vieles in Bewegung bringen, alles andere sei unter "Wahlkampfgetöse" einzuordnen, sagte Abwerzger im APA-Gespräch. Er sei jedenfalls bereit, "mit allen im Interesse Tirols zusammenzuarbeiten" und grenze niemanden aus.

Der "persönlichen Kontakt mit den Tirolern" in den vergangenen Wochen habe ihn in der Entscheidung, als Landeshauptmannkandidat ins Rennen zu gehen, bestärkt, so Abwerzger. Er habe vernommen, dass viele - "darunter auch Funktionäre der ÖVP" - Mattle die notwendige Durchsetzungskraft nicht zutrauen, ortete der freiheitliche Frontmann ein veritables Problem auf Volkspartei-Seite. "Ich bin bereit, als Landeshauptmann Verantwortung für Tirol zu übernehmen und gehe deshalb als Landeshauptmannkandidat ins Rennen", sagte der 47-jährige Rechtsanwalt. Schließlich würden auch Vertreter der anderen Parteien stetig versichern, dass sie ihn "persönlich schätzen". Das von den politischen Mitbewerbern immer wieder ins Treffen geführte Personal-Problem der Freiheitlichen sah der Obmann naturgemäß nicht so: "Ich kann jederzeit ein Regierungsteam zusammenstellen".

Die ÖVP reagierte in Person von Landesgeschäftsführer Martin Malaun. "Mit der heutigen Ankündigung von FPÖ-Obmann Markus Abwerzger, der nächste Landeshauptmann von Tirol werden zu wollen, steht fest, dass die Landtagswahl am 25. September zur grundlegenden Richtungsentscheidung für Tirol wird", erklärte Malaun in einer Aussendung. Die Menschen hätten die Wahl, ob sie mit Abwerzger "einen rechten Populisten von Kickls Gnaden an der Spitze haben wollen oder mit Anton Mattle einen Landeshauptmann, der für eine bürgerliche Politik der Mitte steht".

"Anton Mattle ist der Garant dafür, dass rechte Zündler a là Herbert Kickl dort bleiben, wo sie hingehören: nämlich in Opposition", so Malaun. Ab dem Wahlkampfauftakt am kommenden Samstag in Galtür werde man die Schlagzahl "massiv erhöhen und alles tun, um den Landeshauptmannsessel gegen die FPÖ zu verteidigen - zum Wohle unseres Landes", kündigte der Landesgeschäftsführer an.

Kurz nach Malauns Aussendung trat SPÖ-Spitzenkandidat Dornauer auf den Plan und schloss erstmals dezidiert eine Koalition mit der FPÖ aus. "Mit mir gibt es keine Koalition mit der FPÖ, da kann Abwerzger noch so viel Kreide schlucken. Wer einmal bei den Schlagenden im Keller saß, ist irgendwann ideologisch falsch abgebogen", so Dornauer. Abwerzgers proklamierter "Führungsanspruch" trage Kickls Handschrift. Dornauer empfand es als "völlig realitätsfern", dass sich Abwerzger "schon als Landeshauptmann" sehe.

"Erleichtert" über das "Einlenken der SPÖ" zeigten sich die Tiroler Grünen in Person der Listenzweiten Petra Wohlfahrtstätter. Sie führte die rote Entscheidung in einer Aussendung auf grünes Wirken zurück und erklärte: "Unser Druck hat Wirkung gezeigt." Die Grünen hatten mehrfach ein klares Bekenntnis der SPÖ eingefordert. Mit der Absage der SPÖ ergebe sich ein Tiroler "cordon sanitaire" - eine Bannmeile - gegenüber der FPÖ. "Scharfmacher" Abwerzger habe "sich selbst ins Abseits gestellt", so Wohlfahrtstätter weiter, um "ja nicht Verantwortung für das Land tragen zu müssen".

Unterdessen befand sich die ÖVP im Vorfeld der Wahl weiter im Umfrage-Sinkflug. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup, die im Auftrag der "Tiroler Tageszeitung" durchgeführt worden war, erreichen die Schwarzen nur mehr 26 Prozent der Wählerstimmen. Das würde ein sattes Minus von 18 Prozentpunkten im Vergleich zur Landtagswahl im Jahr 2018 bedeuten. Die FPÖ landet in der Umfrage mit 20 Prozent an zweiter Stelle (2018: 15,53 Prozent). Die SPÖ liegt mit 19 Prozent knapp dahinter und kann im Vergleich zu 2018 (17,25 Prozent) nur leicht zulegen. Der derzeitige kleine Koalitionspartner der ÖVP, die Grünen, tritt mit prognostizierten 11 Prozent auf der Stelle (2018: 10,67 Prozent). Profitieren würden dagegen Liste Fritz und NEOS: Der Liste Fritz werden derzeit 9 Prozent (2018: 5,46 Prozent) ausgewiesen, NEOS 8 Prozent (2018: 5,21 Prozent).

Quelle: Agenturen