APA - Austria Presse Agentur

Thomas Drozda verlässt die Politik und kritisiert die derzeitigen Politiker

05. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

Der ehemalige Kulturminister vermeldete via einem Facebook-Posting den Rückzug aus der Politik und spart nicht mit kritischen Worten.

Der ehemalige SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda tauscht die Politik gegen den Wohnbau. Das gab der 55-Jährige am Freitag bekannt. In dem ausführlichen Posting sparte er nicht mit Kritik an der derzeitigen Politik im Land.

Er verlasse "eine politische Welt, für die ich zunehmend weniger Verständnis habe. Eine Welt, in der die Opposition und der Parlamentarismus geringgeschätzt und unterbewertet werden." Aus seiner Sicht fehle derzeit der Respekt für andere. Drozda habe in seinen Jahren in der Politik gelernt, dass nicht jene Politiker die besten sind, "die sich im Scheinwerferlicht und vor Kameras am wohlsten fühlen. In der Regel sind es jene, die zuhören, auch und besonders dem politischen Gegner."

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner dankte Drozda und bewundere ihr Durchhaltevermögen. Österreich wünsche er "in der Zukunft weitere Politikerinnen und Politiker, die das Gemeinsame wollen und sich nicht der (Eigen)Markenpflege und der Umfrageoptimierung widmen".

Vranitzky, Klima, Kern

Wiewohl erst 55 Jahre alt, weist Drozda eine Polit-Karriere auf, die sich freilich mit langer Pause über Jahrzehnte streckt. Der Oberösterreicher war schon in den 1990er-Jahren in den Kabinetten der Kanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima tätig. Nach vielen Jahren im Kultur-Management als kaufmännischer Direktor im Wiener Burgtheater und Generaldirektor der Vereinigten Bühnen kam er mit Christian Kern 2016 zurück in die Politik als Kanzleramts- und Kulturminister.

Nachdem die SPÖ aus der Regierung geflogen war, ging Drozda in den Nationalrat und wurde mit dem Avancement von Pamela Rendi-Wagner zur Parteivorsitzenden Bundesgeschäftsführer. Dort agierte er erfolgsarm und demissionierte nach den roten Debakeln bei der Europa- und der Nationalratswahl im Jahr 2019.

Mandat vermutlich an Mario Lindner

Das Mandat Drozdas geht vermutlich an den Steirer Mario Lindner, der bei der vergangenen Nationalratswahl seinen Sitz im Hohen Haus verloren hatten. Würde dieser wider Erwarten verzichten, wäre die frühere Staatssekretärin Muna Duzdar die nächste Nachrückerin.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe