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Sturm aufs Kapitol: Trump beschuldigt Pelosi

07. Jan. 2026 · Lesedauer 4 min

Das Weiße Haus hat zum fünften Jahrestag vom Sturm aufs Kaptiol am Dienstag (Ortszeit) eine neue Webseite mit einer völlig falschen Darstellung des Tages veröffentlicht. So steht darin, dass die Angreifer von der Polizei und der damaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, provoziert wurden. Mit der Publikation unterstreicht US-Präsident Donald Trump jahrelange Bemühungen, das Narrativ über den 6. Jänner 2021 umzuschreiben.

Trump selbst wird als Held dargestellt, weil er weitreichende Begnadigungen für seine über 1.500 angriffslustigen Anhänger erteilt hat, die wiederum als Opfer einer "Hexenjagd" umgedeutet werden. Sie waren überzeugt, dass ihm die Wahl 2020 gestohlen wurde und wollten verhindern, dass die Parlamentarier den Sieg des Demokraten Joe Biden beglaubigen. Der Republikaner hatte die Menge kurz vorher mit einer Rede aufgestachelt: "Wir werden zum Kapitol gehen", hieß es. "Wir werden niemals aufgeben, wir werden niemals die Niederlage einräumen. Man gibt sich nicht geschlagen, wenn Diebstahl im Spiel ist." Bewaffnet waren die Angreifer mit Metallknüppeln, Holzbrettern, Feuerlöschern und Pfefferspray.

Doch die neue Website beschönigt all dies und geht sogar so weit, den Tod eines Mannes zu leugnen. Bei den stundenlangen Kämpfen am Gelände wurden fünf Personen getötet - unter ihnen der Kapitol-Polizist Brian D. Sicknick. Aber: Laut Weißem Haus, haben "keine Beamten ihr Leben verloren". Sicknick wird gar nicht erwähnt. Die weiteren 140 Verletzten auch nicht. Umgekehrt behauptet das Weiße Haus aber, dass Trump-Anhänger, die außerhalb des Kapitols eines natürlichen Todes starben (ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall), an diesem Tag "getötet" wurden.

Erst vergangenen Monat sagte der frühere Sonderermittler Jack Smith vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, dass Trump "mit Abstand" die Hauptverantwortung für die Verschwörung trägt: "Der Sturm aufs Kapitol, der Teil dieses Falles ist, wäre ohne ihn nicht möglich gewesen". Auch wären an diesem Tag Straftaten zu Trumps Vorteil begangen worden, führte er laut Protokoll der Sitzung aus. Smith hatte die Bundesklage gegen den US-Präsident geleitet - sah sich nach seiner Wiederwahl 2024 aber gezwungen, das Verfahren einstellen. Er berief sich dabei auf Vorschriften, die Strafverfolgungen gegen amtierende Präsidenten untersagen.

Nun schiebt das Weiße Haus Pelosi die Schuld in die Schuhe - für "Sicherheitslücken" im Kapitol. Eine Behauptung, die die Demokratin ausdrücklich zurückweist. Bei einer Veranstaltung am Dienstag erklärte sie erneut, wie Trump sich Aufforderungen einzugreifen, widersetzt habe: "Über drei Stunden lang haben wir ihn angefleht, die Nationalgarde zu schicken!", sagte sie. "Er hat es nicht getan. Er hat es sogar genossen. Er hat es richtig ausgekostet... Was er heute sagt, ist eine Beleidigung des amerikanischen Volkes."

Ihr Sprecher Ian Krager führte später in einer Stellungnahme gegenüber der Washington Post aus: "Aus dem Zusammenhang gerissene und gezielt ausgewählte Ausschnitte ändern nichts an der Tatsache, dass die Sprecherin des Repräsentantenhauses nicht für die Sicherheit des Kapitols verantwortlich ist - weder am 6. Jänner noch an irgendeinem anderen Tag der Woche. Die anhaltenden Versuche, den tödlichen Aufstand zu verharmlosen, sind beschämend, unpatriotisch und erbärmlich", zitiert ihn die Zeitung.

Wahl 2020 sei "gestohlen"

Die neue Webseite wiederholt aber auch die Behauptung, dass Trump die Wahl 2020 "gestohlen" wurde. Sein ehemaliger Vize Mike Pence, so die Publikation, habe die Befugnis gehabt, "strittige Wahllisten zur Überprüfung und Aufhebung an die Landesparlamente zurückzusenden", dies aber "aus Feigheit und Sabotage" unterlassen. Der Republikaner war während des Angriffs im Gebäude und musste mit seiner Familie aus dem Senatssaal evakuiert werden. Viele in der Menge schrien "Hängt Mike Pence!", in dem fehlgeleiteten Glauben, er hätte die Bestätigung von Bidens Wahlsieg durch den Kongress verhindern können. Pence verteidigte sein Vorgehen am 6. Jänner über die Jahre allerdings wiederholt. Ein anderes Vorgehen, sagte er, wäre verfassungswidrig gewesen.

Vertreter des Weißen Hauses hätten nicht umgehend auf Anfragen nach einer Stellungnahme der Washington Post reagiert, schreibt die Zeitung. Vertreter des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, auch nicht. Der Mehrheitsführer im Senat, John Thune, erklärte am Dienstag, dass er die Webseite noch nicht gesehen habe.

Zusammenfassung
  • Die Webseite leugnet den Tod des Kapitol-Polizisten Brian D. Sicknick und erwähnt weder die fünf Todesopfer noch die 140 Verletzten, während über 1.500 begnadigte Trump-Anhänger als Opfer einer 'Hexenjagd' präsentiert werden.