Schocher: Ukraine wäre "erstes Opfer" einer Flugverbotszone

14. März 2022 · Lesedauer 2 min

Der Angriff Russlands auf einen westukrainischen Militärstützpunkt lässt erneut Forderungen nach einer Flugverbotszone laut werden - besonders beim ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Ukraine-Experte Stefan Schocher findet dessen Forderungen "ein bisschen sonderbar".

Nach dem russischen Angriff auf einen Militärstützpunkt in der Westukraine, nahe der polnischen Grenze, fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut eine Flugverbotszone. Ohne eine solche wäre es nur "eine Frage der Zeit" bis russische Raketen und Bomben auch NATO-Gebiet und dortige Wohnhäuser treffen würden, sagt er.

Dass eine solche Flugverbotszone tatsächlich eingerichtet wird, bezweifeln aktuell sowohl Militärexperte Gerald Karner als auch Ukraine-Experte Stefan Schocher. Die Frage bleibe, wie eine solche Flugverbotszone umgesetzt werden solle. In letzter Konsequenz würde es direkte Kämpfe von russischen und NATO-Luftstreitkräften bedeuten sowie auch Angriffe auf russisches Territorium. Das würde eine gefährliche Eskalation bedeuten.

Schocher meint, er finde Selenskyjs Pochen auf eine Flugverbotszone und seine "fast schon beleidigte Reaktion, dass man da zögert, ein bisschen sonderbar". Denn die Ukraine wäre das "erste Opfer" einer solche Flugverbotszone. Würde die territoriale Integrität eines NATO-Landes von Russland bedroht, dann "wäre die Ukraine sicher das erste Land an das keine Waffen mehr geliefert werden", meint er.

Militärexperte Gerald Karner über die militärische Lage in der Ukraine und die geplanten russischen Offensiven.

Laut Karner gebe es durchaus die Möglichkeit, dass russische Angriffe durch Ungenauigkeit der Waffen auch NATO-Gebiet treffen. Die NATO werde aber nicht sofort mit mit voller Kraft zurückzuschießen. Falls aber zivile Gebiete in NATO-Ländern in Mitleidenschaft gezogen würden, bestehe durchaus eine große Gefahr für Eskalation.

Russland will Straßenkämpfe in Kiew "klugerweise vermeiden"

Große Vorstöße gibt es aktuell nicht, Russland sammle weiterhin seine Kräfte für große Offensiven, warte aber weiterhin ab, sagt Militärexperte Gerald Karner. "Offensichtlich will man es - klugerweise - vermeiden, in Straßenkämpfe in Kiew einzutreten", sagt Karner. "Ob sich das wirklich vermeiden lässt, wenn man Kiew einnehmen will, wage ich zu bezweifeln", meint er allerdings.

Fortschritte würde das russische Militär aktuell vor allem im Süden machen. Von dort wurde am Montag die Errichtung eines Landkorridors zwischen der Krim und den ostukranischen Separatisten-Gebieten gemeldet.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos