Kinderbetreuungsgipfel in WienAPA/ROBERT JAEGER

Sozialpartner wollen den Kindergarten-Turbo zünden

10. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Die Sozialpartner und Bundespräsident Van der Bellen drängen auf die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Sozialpartner und die Industriellenvereinigung (IV) fordern erneut einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr sowie bundesweit einheitliche Qualitätskriterien. Hier müsse endlich der "Turbo gezündet" werden, hieß es bei einer Pressekonferenz anlässlich eines Kinderbetreuungsgipfels in der Hofburg am Dienstag. So könne dem Fachkräftemangel entgegengewirkt und die Teilzeitquote bei Frauen gesenkt werden.

Derzeit läuft die Entwicklung sogar in die verkehrte Richtung: Bis 2026/27 wollten Regierung und Länder die so genannten VIF-konformen Plätze, die auch mit Vollzeitjobs der Eltern vereinbar sind, um sechs Prozentpunkte ausbauen. Kriterien des Vereinbarkeitsindikators für Familie und Beruf (VIF) sind: ein Angebot in 47 Wochen pro Jahr, von Montag bis Freitag, Öffnungszeiten von mindestens 45 Wochenstunden und an vier Tagen mindestens 9,5 Stunden.

Während die Betreuungsquoten insgesamt in den vergangen Jahren gestiegen sind, ist der Anteil an Kindern in solchen VIF-konformen Einrichtungen zuletzt allerdings wieder leicht gesunken. Besonders groß war das Minus etwa in Niederösterreich.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen verwies bei der Eröffnung des Kinderbetreuungsgipfels darauf, dass in Österreich noch immer zu wenig in elementare Bildung investiert werde. Die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Gemeinden müssten endlich ins Tun kommen und die nötigen Rahmenbedingungen schaffen.

Aufholbedarf im ländlichen Raum

Die im Vorjahr geschlossene neue 15a-Vereinbarung zur Kinderbetreuung sei nur "die erste Stufe auf einer steilen Treppe" gewesen, meinte Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Martha Schultz bei der Pressekonferenz. Jedes Kind müsse einen Platz bekommen, wenn es einen brauche - auch im ländlichen Raum. Das werde nicht in einem Schritt gehen, dazu brauche es aber eine stufenweise Umsetzung. In Nachbarländern Österreichs gebe es bereits einen Rechtsanspruch - und mit diesen Ländern stehe auch der heimische Wirtschaftsstandort im Wettbewerb.

AK-Präsidentin Renate Anderl verwies auf steuerliche Effekte: Wenn man es schaffe, mehr Frauen in Beschäftigung zu bringen bzw. die Teilzeitquote zu senken, bringe das auch mehr Einnahmen etwa durch die Lohnsteuer.

Quelle: Agenturen / Redaktion / kap