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Situation für Kinderarbeit durch Coronakrise verschlimmert

10. Juni 2020 · Lesedauer 3 min

Anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12. Juni warnen mehrere Hilfsorganisationen davor, dass sich die Situation für Kinderarbeiter durch die Corona-Pandemie verschlechtert hat. Wie die Kindernothilfe berichtete, arbeiten derzeit laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 152 Millionen Kinder weltweit, rund 72 Millionen sogar unter besonders schweren Bedingungen.

Anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12. Juni warnen mehrere Hilfsorganisationen davor, dass sich die Situation für Kinderarbeiter durch die Corona-Pandemie verschlechtert hat. Wie die Kindernothilfe berichtete, arbeiten derzeit laut Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 152 Millionen Kinder weltweit, rund 72 Millionen sogar unter besonders schweren Bedingungen.

Laut der Kindernothilfe droht die Corona-Pandemie, Millionen von Kinder und ihre Familien in ausbeuterische Verhältnisse zu treiben. Viele von Armut betroffene Kinder würden von jeher arbeiten, um ihre Familien im täglichen Überlebenskampf zu unterstützen oder um das eigene Schulgeld zu bezahlen. Mit der Krise seien die wenigen Lebensgrundlagen zerstört worden. Mit den weltweiten Schulschließungen fehle zudem einem Großteil der armen Kinder der Zugang zu jeglicher Form von Bildung, heißt es am Mittwoch in einer Aussendung.

Auch die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision stellte in einer Befragung von Familien in sechs asiatischen Ländern einen deutlichen Anstieg der Kinderarbeit fest. Von den Familien hätten 830 angegeben, dass sie durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gezwungen seien, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Das entspreche acht Prozent der befragten Familien.

Peter Schissler, Vorsitzender von "weltumspannend arbeiten", betonte in einer Aussendung, dass die Folgen der Corona-Pandemie "die bisherigen Erfolge im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit zunichtemachen" könnten. Besonders akut sei das Problem in Afrika, wo fast die Hälfte der Kinderarbeiter (72,1 Millionen) zu finden seien. Er appellierte auch an die österreichische Bundesregierung, dass das Ziel, die Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) auf ein internationales Niveau zu heben, beibehalten wird. "0,7 Prozent des BIP sind das Mindeste!", forderte Schissler.

Stark betroffen von Kinderarbeit ist der Kakaosektor: Ein Bericht der Universität von Chicago, der am 29. Juni 2020 veröffentlicht werden soll, kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz von Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Ghana und Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) in den vergangenen zehn Jahren sogar zugenommen hat. Das teilte die Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) in einer Aussendung mit. "Trotz ihres Versprechens im Harkin-Engel-Protokoll von 2001, die ausbeuterische Kinderarbeit bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren, geht die aktuelle Entwicklung in die andere Richtung", kritisierte Branchensekretär Gerhard Riess.

"2,26 Millionen Kinder in der Elfenbeinküste und in Ghana sind in der Kakaoproduktion tätig, Tendenz leider steigend. Der größte Teil von ihnen muss gefährliche Arbeiten verrichten: Sie schlagen Kakaoschoten mit Macheten auf, schleppen schwere Säcke oder verspritzen Pestizide, oft in langen Schichten", erklärte Gudrun Glocker von der Organisation Südwind.

Laut Herbert Wasserbauer von der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar, verschleiern globale Lieferketten das Leid und die Ausbeutung, die dahinterstehen. Das müsse sich ändern. Ein entscheidender Schritt sei eine gesetzlich verbindliche Verankerung von umfassenden menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten. Ein solches Gesetz würde sicherstellen, "dass Produkte, die in Österreich erhältlich sind, frei von ausbeuterischer Kinderarbeit sind", heißt es in einer Aussendung.

Und auch Brot für die Welt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnen davor, dass Kinder nach der Coronakrise nicht mehr in die Schule zurückkehren. Die beiden Organisationen fordern in einer Aussendung, die Bereiche Ernährung, Gesundheit und Bildung im Rahmen des von den G20-Staaten aufgelegten Hilfsfonds zu priorisieren.

Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung, forderte anlässlich des Internationalen Tages gegen Kinderarbeit, Textilien aus Kinderarbeit vom österreichischen Markt zu verbannen. Gemeinsam mit Alois Stöger habe sie den Vorschlag für ein Sozialverantwortungsgesetz im Nationalrat eingebracht.

Quelle: Agenturen