Sieben Elefanten ritterten um TV-Publikum

06. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Gegen Ende des Wahlkampfs haben es Donnerstagabend doch noch alle sieben Hofburg-Kandidaten gemeinsam in ein Fernsehstudio geschafft. Eine klassische "Elefanten-Runde" gab es aber auch im ORF nicht. Die Anwärter auf das höchste Amt im Staat trugen bloß nebeneinander Wahlaufrufe vor, davor hatten sie in Einzel-Interviews Einblicke in ihr Amtsverständnis geboten.

Gar überraschendes gab es in der fast zweieinhalbstündigen Live-Sendung nicht zu hören, aber doch zumindest einiges ungewöhnliches angesichts dessen, dass es immerhin um die Bundespräsidenten-Wahl ging. Hervor tat sich da etwa Schuh-Produzent Heinrich Staudinger, der sich auch im Fall seiner Kür zum Staatsoberhaupt nicht an Gesetze halten will, die ihm nicht sinnvoll erscheinen.

Die Kandidaten rechts der Mitte überboten einander dafür fast, was eine Abberufung der Regierung angeht. Der laut Umfragen chancenreichste von ihnen, der von der FPÖ nominierte Volksanwalt Walter Rosenkranz, würde etwa erwägen, das schwarz-grüne Kabinett abzuberufen, wenn es die Sanktionen gegen Russland nicht beendet, würden die doch gegen die Neutralität verstoßen.

Der vormalige freiheitliche und BZÖ-Politiker Gerald Grosz ging es wiederum reimend an: "Wählen Sie Gerald Grosz, sind sie die Regierung los." Anlass für die markige Ansage waren auch bei ihm unter anderem Sanktionen, Corona- und Teuerungspolitik. Dabei war Grosz fast schon zurückhaltend im Vergleich zum Chef der impfkritischen Partei MFG Michael Brunner, der meinte, dass mit einer Stimme für ihn auch ein "durchfilztes und morbides System" abgewählt würde.

Aus dem Sektor rechts der Mitte macht sich auch Rechtsanwalt Tassilo Walletin auf dem Weg in die Hofburg und er gab den Zusehern Zuversicht. Gar nicht so schwierig seien die Lösungen im Kampf gegen Teuerung und illegale Migration, wenn man nur ihm die Stimme gebe. Denn nur einer, der nicht aus dem System komme, könne die richtigen Schritte setzen. Dass er nicht Verfassungsrichter unter Türkis-Blau wurde, ist für ihn Beleg seiner Unabhängigkeit.

Amtsinhaber Alexander Van der Bellen wiederum bestätigte zumindest indirekt, dass er die entsprechende Personalie verhindert hat, wollte aber nicht sagen warum. Dass er mit seinen Herausforderern nicht diskutieren wollte, sah er durch deren Wahlkampf bestätigt. Ohnehin würden die Österreicher nach sechs Jahren Amtszeit wissen, wofür er stehe. Eine "klare Entscheidung" wäre für ihn schon in Runde eins kommenden Sonntag wünschenswert.

Sollte es doch zu einer Stichwahl kommen, hält Rosenkranz einen anderen Herausforderer als sich selbst für "denkunmöglich". Geschähe das Denkunmögliche doch, würde er wohl nur einem der rechten Kandidaten seine Stimme geben, denn bei einem Duell zwischen Van der Bellen und Bierpartei-Gründer Dominik Wlazny bliebe er wahrscheinlich zu Hause. Grosz hätte wohl auch mit Wlazny kein Problem, fände er doch jeden besser als den Amtsinhaber.

Wlazny, besser als Musiker Marco Pogo bekannt, vermied - vielleicht etwas überraschend - ein Bekenntnis für Van der Bellen im Fall der Fälle, hofft er doch selbst, in einer Stichwahl dabei zu sein. Inhaltlich trennt den 35-Jährigen vom Präsidenten nicht allzu viel, aber jedenfalls das Alter bzw. Dienstalter: "Ich bin in meiner politischen Tätigkeit unverbraucht." Spaß-Kandidat will er keiner sein: "Ich habe in dem Wahlkampf eigentlich nie über Bier geredet."

Humor vermisste indes der Amtsinhaber. "Kein Mensch glaubt ernsthaft, dass Juli, mein Hund, ein Interview gibt", meinte Van der Bellen zum Spott über ein Social Media-Video, in dem sein Haustier zur Wahl des Präsidenten aufruft. Zu alt fühlt sich der 78-Jährige ohnehin nicht: "Ich finde, ich bin jetzt langsam reif genug und alt genug, um dieses Amt auszuüben." Sollte er sich nicht mehr fit genug fühlen, würde er sicher sagen: "Oida, es reicht."

Einige Kernbotschaften aus der Runde: Van der Bellen fände einen EU-Austritt einen "Selbstmord auf Raten", Rosenkranz will diesen erst, wenn man (politisch) auf einen Eisberg zusteuert. Brunner und Grosz versprechen Neuwahl und Übergangsregierung, Wlazny eine Kommission zur Vorab-Beurteilung von Ministern. Wallentin würde Gesetze mit Binnen-I nicht unterfertigen, da sie wegen der Ausklammerung sexuell Uneindeutiger und Transsexueller verfassungswidrig sein könnten und Staudinger warb für den "radikalen Wandel".

Dass der über die Hofburg-Wahl geschieht, glaubt der Schuh-Produzent wohl selbst nicht ganz: "Ich hab das Gefühl, es ist nicht so wahnsinnig wichtig, wer der nächste Präsident sein wird." Zumindest um einen korrekten Ablauf des Urnengangs ist Brunner besorgt, der die Auszählung per Video überwacht sehen will. Rosenkranz wiederum hätte kein Problem mit einer Anfechtung, würden den Freiheitlichen wie vor sechs Jahren wieder Ungereimtheiten auffallen.

Quelle: Agenturen