Geheimdienstchef wird Selenskyjs neue rechte Hand
Am Abend kündigte Selenskyj einen neuen Wechsel auf dem Posten des Verteidigungsministers an. Der Vizeregierungschef und Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, solle das Amt von Denys Schmyhal übernehmen, sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft an. Das ukrainische Parlament muss der Personalie zustimmen.
Schmyhal war erst im Sommer als Regierungschefs entlassen und anstelle von Rustem Umjerow als Verteidigungsminister eingesetzt worden. Er solle eine andere, für die Stabilität des Landes nicht weniger wichtige Aufgabe übernehmen, sagte Selenskyj. "Ich habe beschlossen, die Arbeitsweise des Verteidigungsministeriums zu ändern", sagte Selenskyj.
Fedorow beschäftige sich intensiv mit dem Einsatz von Drohnen in dem Krieg und arbeite sehr effektiv an der Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen und Prozesse. "Zusammen mit unserem gesamten Militär, der Militärführung, den nationalen Waffenherstellern und den Partnern der Ukraine müssen wir im Verteidigungsbereich solche Veränderungen umsetzen, die hilfreich sind", sagte Selenskyj.
Die Personalie ist ein Baustein einer von Selenskyj angestoßenen Neuaufstellung des Verteidigungs- und Sicherheitsapparats in der Ukraine. "Heute haben wir einen grundlegenden Neustart begonnen - interne Veränderungen, damit die Ukraine stabiler wird", sagte Selenskyj. Wegen Problemen in der Vergangenheit gebe es eine "Welle personeller Veränderungen". Weitere sollen demnach folgen.
Selenskyj bestimmt neuen Chef des Militärgeheimdienstes
Neuer Chef beim Militärgeheimdienst HUR wird der bisherige Auslandsgeheimdienstchef Oleh Iwaschtschenko. Der 56 Jahre alte Generalleutnant hatte die Auslandsaufklärung seit 2024 geführt. Er solle in der neuen Aufgabe weiter an der wirtschaftlichen Schwächung Russlands und an der Einschränkung von Moskaus Militärpotenzial arbeiten, teilte Selenskyj mit.
"Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, das wirtschaftliche Potenzial Russlands zu schwächen: Je weniger der Aggressor verdient, desto mehr Möglichkeiten gibt es für die Diplomatie. Dies gilt insbesondere für die russischen Ölexporte, die eingeschränkt und billiger werden", sagte Selenskyj. Er äußerte sich auch mit Blick auf die zahlreichen Drohnenschläge gegen die Energieinfrastruktur des Nachbarlandes. Zudem müsse Russland an der Umgehung von Sanktionen gehindert werden, betonte Selenskyj.
Budanow soll Friedensplan mit aushandeln
Am 5. Jänner solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben, gefolgt von einem Gipfel der "Koalition der Willigen" am Dienstag in Paris. Budanow kommt eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zu.
Selenskyj hatte zuvor gesagt, dass er mehrere Kandidaten im Blick habe für die Nachfolge Jermaks. Beobachter hatten mit Budanows Ernennung gerechnet. In Kiew meinten Kommentatoren, dass der bisherige HUR-Chef auf US-Linie liege und für die Vorbereitung eines Friedensplans eine zentrale Figur und ein Machtmensch mit sehr großer Nähe zu Selenskyj sei.
Aus ukrainischer Sicht gehen zahlreiche für Kiews Militär erfolgreiche Angriffe auf Ziele in Russland auf sein Konto. Besonders intensiv greift die Ukraine seit Monaten auch Anlagen der russischen Ölindustrie mit Drohnen an, um Moskaus Kriegsmaschinerie die Einnahmen zu nehmen. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe, darunter auch von befreundeten Geheimdiensten, seit bald vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Trotz Verhandlungen ist ein Ende des Krieges bisher nicht in Sicht.
Russland sieht Budanow als "Terroristen"
Russland hingegen sieht Budanow nach einer Vielzahl tödlicher Bombenattentate auf Generäle als einen Terroristen und Extremisten, als einen der wichtigsten Feinde, der auf der Todesliste Moskaus steht. Auch der neue Chef des Präsidentenbüros werde Selenskyj nicht helfen beim Überleben, sagte der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Er hatte Selenskyj wegen der angeblichen jüngsten Angriffsversuche auf eine Residenz des russischen Präsidenten mit dem Tod gedroht.
Zusammenfassung
- Der 39-jährige Kyrylo Budanow wird nach dem Rücktritt von Andrij Jermak wegen eines Korruptionsskandals neuer Leiter des Präsidialbüros und damit rechte Hand von Präsident Selenskyj.
- Selenskyj kündigt mit Mychajlo Fedorow als neuem Verteidigungsminister und Oleh Iwaschtschenko als neuem Chef des Militärgeheimdienstes eine umfassende personelle Neuaufstellung im Sicherheitsapparat an.
- Am 5. Jänner finden Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs statt, bei denen Budanow eine Schlüsselrolle bei der Ausarbeitung eines Friedensplans spielen soll.
