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Geheimdienstchef wird Selenskyjs neue rechte Hand

Heute, 13:52 · Lesedauer 3 min

Der langjährige ukrainische Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow übernimmt die Leitung des Präsidialbüros in Kiew und wird damit zur neuen rechten Hand von Staatschef Wolodymyr Selenskyj. Der 39-Jährige folgt auf Andrij Jermak, der im Zuge eines Korruptionsskandals in der Ukraine vor einem Monat zurückgetreten war. Budanow gilt auch wegen zahlreicher erfolgreicher Operationen im Kampf gegen den russischen Angriffskrieg als populärer Strippenzieher in der Ukraine.

"Ich hatte ein Treffen mit Kyrylo Budanow und habe ihm das Amt des Leiters des Präsidentenbüros der Ukraine angeboten", erklärte Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Freitag in Onlinenetzwerken. Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn sagte Journalisten, das formelle Verfahren für Budanows Ernennung sei eingeleitet worden.

Budanow ist seit 2020 Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Der Generalmajor ist verantwortlich unter anderem für Sprengstoffanschläge auf die Brücke zu der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und für Attentate auf Generäle in Moskau. "Es ist für mich eine Ehre und eine Verantwortung, mich in dieser für die Ukraine historischen Zeit auf die entscheidenden Fragen der strategischen Sicherheit unseres Staates zu konzentrieren", teilte Budanow nach seiner Ernennung mit.

"Wir müssen weitermachen - den Feind bekämpfen, die Ukraine verteidigen und für einen gerechten Frieden arbeiten. Lasst uns gemeinsam weiter für eine freie und sichere Zukunft der Ukraine kämpfen! Wir werden durchhalten!" Er dankte auch seinen Mitstreitern beim Militärgeheimdienst. Wer Budanows Nachfolge antritt beim Militärgeheimdienst HUR, war zunächst nicht klar.

Verstärkter Fokus auf Sicherheitsfragen

Selenskyj erklärte, die Ukraine müsse sich verstärkt auf "Sicherheitsfragen, den Ausbau der Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie den diplomatischen Weg in den Verhandlungen" konzentrieren. "Kyrylo hat spezielle Erfahrung in diesen Bereichen und die nötige Stärke, um Ergebnisse zu erzielen", betonte der ukrainische Präsident.

Die Ukraine, die sich seit fast vier Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg wehrt, wird seit Wochen von einem Schmiergeldskandal erschüttert. Auch Jermak war in diesem Zusammenhang in Erklärungsnot geraten. Ende November trat er nach Hausdurchsuchungen zurück. Jermak ist ein langjähriger Vertrauter von Selenskyj und war eine zentrale Figur bei den Verhandlungen mit den US-Amerikanern um ein Ende des Krieges. Er hatte das ukrainische Verhandlungsteam angeführt.

Russland sieht Budanow als "Terroristen"

Als HUR-Chef war Budanow bereits Mitglied der ukrainischen Delegation. An diesem Samstag treffen sich nationale Sicherheitsberater in Kiew, um über die weitere Unterstützung der Ukraine zu beraten. Laut Selenskyj haben 15 Länder, Vertreter der EU und der NATO ihre Teilnahme zugesagt. Das US-Team werde online zugeschaltet, sagte Selenskyj. Am 5. Jänner solle es Gespräche auf Ebene der Generalstabschefs geben, gefolgt von einem Gipfel der "Koalition der Willigen" am Dienstag in Paris. Budanow kommt eine zentrale Rolle bei den Gesprächen zu.

Russland hingegen sieht Budanow als einen der wichtigsten Feinde, der auf der Todesliste Moskaus steht. Selenskyj habe den "Hauptterroristen" zum Chef seiner Kanzlei gemacht, schrieb der prominente Moskauer Politologe Sergej Markow bei Telegram. Die Zeichen stünden damit auf Angriff, meinte er - auch Kremlchef Wladimir Putin sei damit weiter in Gefahr. Russland wirft der Ukraine seit Tagen Versuche vor, eine Residenz Putins mit Drohnen angegriffen zu haben. Kiew weist das als Lüge und russische Desinformation zurück.

Zusammenfassung
  • Kyrylo Budanow (39), bisher Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, wird neuer Leiter des Präsidialbüros und damit rechte Hand von Präsident Selenskyj, nachdem Andrij Jermak vor einem Monat wegen eines Korruptionsskandals zurückgetreten war.
  • Russland betrachtet Budanow als einen der wichtigsten Feinde und "Hauptterroristen", während Selenskyj seine spezielle Erfahrung bei Sicherheits- und Verteidigungsfragen hervorhebt und eine verstärkte internationale Zusammenarbeit ankündigt.