Selenskyj sieht Österreich als Ort für Friedensverhandlungen
"Das nächste Treffen könnte also wie geplant am Donnerstag oder Freitag stattfinden, vielleicht nicht in Abu Dhabi. Ich würde Genf oder zumindest einen europäischen Ort bevorzugen, denn der Krieg findet auf unserem Kontinent statt. Wenn Russland einen neutralen Ort will, kommen Österreich, der Vatikan oder die Türkei infrage. Wir hoffen auf einen weiteren Gefangenenaustausch", so Selenskyj.
Nach dem Angriff auf den Iran sei der russische Präsident Wladimir Putin schwächer. "Putin redet, aber handelt nicht - das zeigt, dass er ein schwacher Verbündeter der Iraner ist", erklärte der ukrainische Präsident.
Die Ukraine sei die europäische Frontlinie. "Wir sind eure Verteidigung, und die Europäer wissen das. Das sieht man jetzt im Nahen Osten: Gegen iranische Drohnen reichen Flugzeuge und Raketen allein nicht aus", so der Präsident.
"Iraner produzieren viele Waffen für Russland"
Selenskyj begrüßte den Beschluss der USA, iranische Militärziele zu attackieren. "Die Iraner produzieren viele Waffen für Russland, insbesondere Drohnen und Raketen. Jetzt werden sie das wohl nicht mehr tun können - vielleicht werden stattdessen die Russen sie bewaffnen", sagte Selenskyj.
Mit der Attacke auf den Iran sei ein Regime angegriffen worden, das Atomwaffen bauen will. "Die Ukraine hingegen wurde mit Bodentruppen überfallen; seit zwölf Jahren versucht Russland, uns mit Gewalt zu besetzen. Im iranischen Szenario sehe ich eher die Gefahr eines lang anhaltenden Krieges. Wenn nicht verhandelt wird, wird es immer mehr zivile Opfer geben - der Iran ist eine Gesellschaft, die zwischen Regimeanhängern und -gegnern gespalten ist", so der ukrainische Präsident.
"Wir könnten Schwierigkeiten bekommen, Raketen und Waffen zur Verteidigung unseres Luftraums zu beschaffen. Die Amerikaner und ihre Verbündeten im Nahen Osten könnten sie selbst benötigen - zum Beispiel Patriot-Abwehrraketen. Wir greifen auf das PURL-Programm zurück, um mit europäischen Mitteln US-Waffen zu kaufen. Aber vielleicht brauchen die Amerikaner sie jetzt selbst", erklärte der ukrainische Präsident.
Zum Verhältnis zur italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sagte Selenskyj: "Sie ist intelligent. Italien hilft uns militärisch, so gut es kann. Meloni steht auf der richtigen Seite der Geschichte."
Wahlen werde es in der Ukraine erst nach Kriegsende geben. Ob er erneut kandidiere, sei offen: "Ich werde sehen, was die Ukrainer wollen", so Selenskyj.
Zusammenfassung
- Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht Österreich als möglichen neutralen Ort für Friedensverhandlungen mit Russland und nennt auch Genf, den Vatikan oder die Türkei als Alternativen.
- Trotz des US-Angriffs auf den Iran soll das geplante trilaterale Treffen mit den USA diese Woche wie vorgesehen stattfinden, möglicherweise nicht in Abu Dhabi, sondern an einem europäischen Ort.
- Selenskyj warnt, dass die Ukraine Schwierigkeiten bekommen könnte, Raketen und Waffen zur Verteidigung des Luftraums zu beschaffen, da die USA und ihre Verbündeten diese nach den Angriffen auf den Iran möglicherweise selbst benötigen.
